Backbuch: Zimtduft und warmer Apfelkuchen

Backbuch: Zimtduft und warmer Apfelkuchen ★★★★☆

Zimtduft und warmer Apfelkuchen
Fotos Peter Cassidy
Jan Thorbecke, Ostfildern (2011)
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Meine Postbotin überreichte mir das Buch-Päckchen, als das Laub an den Bäumen sich herbstlich gelb färbte. Ein Blick auf das Apfelkuchen-Cover reichte und ich konnte den Apfel-Zimtgeruch-Duft geradezu riechen. Der Abschied vom Sommer viel mir gleich etwas leichter. Essen kann so tröstlich sein.

Irene aus Lohn- Ammannsegg (CH), sie bloggt auf Widmatt … aus meiner Küche, Sandy aus Köln und Sabine aus Berlin haben Rezepte aus Zimtduft und warmer Apfelkuchen ausprobiert. Sie haben insgesamt beachtliche elf Rezepte nachgebacken; Kuchen sind aufwendig. Das Kuriose: Trotz der vielen Rezepte im Buch haben Irene und Sandy die Birnen-Tarte mit Mascarpone nachgebacken. Für beide ist es das Lieblingsrezept. Sabines Wahl fiel auf das Cranachan-Crumble.

Wie lange kochst Du schon und wie benutzt Du Kochbücher?

zimtduftIch war schon als kleines Mädchen gerne bei meiner Mami in der Küche, da durfte ich bei vielem mithelfen. Im Alter von etwa 11/12 Jahren konnte ich meine ersten, einfachen Mahlzeiten zubereiten und vor allem Kuchen backen. So stehe ich nun schon 2/3 meines Lebens in der Küche und es macht mir nach wie vor großen Spaß. Wenn auch der Umgang mit Lebensmittel und ihre Herkunft für mich immer eine größere und wichtigere Rolle spielt.

In dieser Zeit fing ich an aus einer Schweizer Zeitschrift die Rezepte auszuschneiden und davon das eine oder andere nachzukochen. Als ich zu Hause ausgezogen bin, wurde meine Sammlung an Kochbüchern langsam aber stetig größer. Ich habe sie mir selber gekauft oder bestimmte Bücher gewünscht. Darunter waren auch immer wieder Bücher aus unserem Familienstandard-Verlag. Auch meine Großmutter besitzt davon schon einige Bücher. Seither kaufe ich mir auch immer wieder Kochbücher, wobei die Anzahl der Neuheiten im Kochbuchregal um ein Vielfaches gestiegen ist, seit ich meinen Widmatt Blog betreibe.

Die Bücher, mit denen ich gelernt habe zu kochen, dienen heute vor allem dazu, etwas nachzuschlagen oder mich für die Alltagsküche inspirieren zu lassen. Unsere drei Kinder dürfen diese Bücher jederzeit anschauen. Daneben besitze ich aber auch etliche Kochbücher, die sie nur in meinem Beisein anschauen dürfen. Die meistens gebundenen Kochbücher, worunter sich auch einige ganz tolle kleinen Schätze befinden, sind wunderschön zum Durchblättern und darin Schmökern, ohne auf der dringenden Suche nach einer Idee für meinen Alltag als Familienfrau zu sein. Am liebsten mag ich es aber, meine Liebsten mit neuen Gerichten zu verwöhnen. Deshalb gibt es bei uns auch atypische Alltagsküche und vor allem immer wieder Neues. Und deshalb brauche ich ja auch immer wieder neue kleine Schätze!

zimtduftÜber die Schulter geguckt habe ich meiner Mutter, solange ich mich erinnern kann. Sie ist eine sehr gute Köchin und, wie ich, absolut kochbuchverrückt. Das erste richtige selbständige Kochen war während der Studentenzeit. Da haben mein Mann und ich auch teilweise ziemlich aufwändig gekocht.
 Für das Essen am Wochenende werden häufig Kochbücher aus dem Regal geholt und beim Durchblättern überlegt, wozu wir Lust haben. Dann halten wir uns auch meist ziemlich genau an die Rezepte und wandeln höchstens die Mengenangaben ein wenig ab.

zimtduftIch koche seit meiner Kindheit. Ich bin in Paris geboren und aufgewachsen. Für uns war es selbstverständlich frische Lebensmittel von Markt, Boulangerie, Fromagerie und Charcuterie zu kaufen. Es wurde alles frisch zubereitet, meistens in einem Le Creuset Kochtopf, den ich schon als Kind so geliebt habe. Ich war am liebsten in der Küche, noch lieber als auf einem Spielplatz und es ist immer noch mein Lieblingsplatz im Haus. Sonntags wurde viel gekocht und gebacken, stundenlang am Tisch geschlemmt und erzählt.
Kochbücher sammle ich aus allen Länder und mit großer Leidenschaft und benutze sie als Inspiration.

Zum Kochbuch: Was waren Deine ersten Eindrücke?

zimtduftDen Titel „Zimtduft und warmer Apfelkuchen“ fand ich schonmal sehr vielversprechend, das erste Durchblättern war spannend und es war interessant für mich, Traditionen von Desserts aus anderen Ländern kennen zu lernen. Für mich werden im Buch aber zu viele nicht saisonale Früchte verwendet. Der Untertitel des Buches heißt ja “fruchtige Köstlichkeiten für die kalte Jahreszeit” und in der Einführung ist geschrieben, dass im Buch einfache Gerichte aus saisonalen Früchten enthalten sind. Pfirsich, Nektarine, Heidelbeeren, Erdbeeren, Rhabarber, Himbeeren, Brombeeren Kirschen und Aprikose haben aber in der kalten Jahreszeit nicht Saison, sie können aber je nach Frucht tiefgekühlt verwendet werden.

zimtduftAls ich das Buch aus dem Briefkasten holte, habe ich es sofort von vorne bis hinten durchgeblättert. Und weil’s so schön war gleich ein zweites Mal. Ich finde, das Kochbuch ist mit viel Liebe gemacht. Die matte Oberfläche und das nicht ganz feine Papier passen gut zur Aufmachung à la Landküche. Besonders gut hat mir gefallen, dass den Seiten mit dem Rezept-Text auch eine gewisse Struktur unterlegt ist. Ob das ein Leintuch ist oder ein weisses, gemasertes Brett oder Mehl auf der Arbeitsfläche. Ein kleines, aber liebevolles Detail. Jedes Rezept wird von einem schönen Foto begleitet. Es ist jeweils eine kleine Anmerkung mit Wissenswertem oder kleinen Tips vorangestellt. Da sie sich von der Schriftart her deutlich vom Rezept unterscheidet, fand ich es eher interessant und hilfreich als störend. Für den eigentlichen Rezeptteil hätte die Schrift ein klein wenig größer ausfallen können, was aber den schönen Gesamteindruck nicht sehr trübt. Man merkt dem Buch an, dass es ursprünglich ein englisches ist. Das hat meine Begeisterung nur noch gesteigert und ich bekam Lust, sofort loszulegen und die Rezepte auszuprobieren. Allerdings fiel es mir sehr schwer, mich auf drei Rezepte zu beschränken. Das habe ich beim besten Willen nicht geschafft und es gibt noch immer einige Rezepte, die ich unbedingt ausprobieren möchte.

zimtduftDas Buch hat sofort meine Sinne und Motivation zum Backen angeregt. Die Speisen sind sehr schön fotografiert worden, rustikal und in einem warmen Ton, der Gemütlichkeit ausstrahlt. Besonders in der kalten Jahreszeit erfreut man sich darüber. Was mir auch sehr gut gefiel war, dass das Buch eine Sammlung von Rezepten aus alten Zeiten der englischen, schottischen, amerikanischen und französichen Küche ist. Darüber hinaus wird alles mit köstlichen Obstsorten wie Äpfel, Birne, Pfirsiche, Brombeeren u.s.w und als Dessert warm serviert.

Welche Rezepte hast Du ausprobiert und wie fandest Du sie?

zimtduftAls erstes habe ich das Birnen- Feigen Clafoutis nachgebacken. Als ich die Birnen und Feigen in der Auflaufform hatte und den Guss zubereiten wollte, empfand ich die Menge als sehr viel und sehr süß im Verhältnis zur Menge an Früchten. So habe ich nur die Hälfte des Gusses zubereitet und dabei weniger Zucker verwendet. Aber selbst in dieser Zubereitung hat sich das Dessert als zu süß erwiesen, sogar für unsere kleinen Dessertliebhaber.

Die Auswahl des zweiten Rezeptes bin ich etwas weniger enthusiastisch angegangen und habe die Aufläufe mal weggelassen. Stattdessen habe ich mich für einen Kuchen entschieden, eine Birnentarte mit Mandeln und Mascarpone. Diese Tarte hat super fein geschmeckt, ich habe sie zu einem Geburtstagsfest mitgebracht und wurde nach dem Rezept gefragt.

Danach war ich für die Auswahl des dritten Rezepts wieder positiv eingestellt und habe ein Apfel-Brombeer Crumble zubereitet, das uns gut geschmeckt hat. Mit einer Vanilleglace serviert ist das ein gutes Dessert.

zimtduftDie Tartelettes mit Birnen, Gorgonzola und Pekannüssen haben den Anfang gemacht. Sie gab‘s als leichtes Abendessen. Statt der crème double habe ich crème fraîche verwendet. Auch die Zutatenmengen musste ich wegen der Größe des von mir gekauften fertigen Blätterteigs etwas anpassen. Das Urteil der Familie fiel einhellig aus: Muss unbedingt öfter gemacht werden und konkurriert definitiv um den Titel des Lieblingsrezepts.

Kurz drauf war der Nussige Pflaumen-Crumble dran. Da hatte mich die Kombination Nüsse/Orangen zu den Pflaumen gereizt. Ich war jedoch leider die Einzige, die davon begeistert war. Weder Ehemann noch Tochter und erst recht nicht die zwei Freundinnen meiner Tochter, die an diesem Abend zu Besuch waren, konnten dem Ganzen recht viel abgewinnen. Vielleicht versuche ich es beim nächsten Mal mit weniger Orangensaft und Orangenschale…..

Was sich die gesamte Familie gewünscht hatte, war das Cranachan-Crumble. Wir mögen schon das Original sehr und haben uns von diesem Rezept sehr viel versprochen. Und diesmal wurden alle Erwartungen erfüllt. Superschnell zubereitet, funktioniert dieser Gegensatz von weichen Beeren und knuspriger Haferflockenhülle, leichter Säure der Beeren und Süße des Crumble einfach perfekt. Ein superleckeres Dessert, das man immer schnell aus dem Ärmel schütteln kann und das sich perfekt für die kalte Jahreszeit eignet.

Und weil wir uns nicht auf drei Rezepte beschränken konnten, hat sich unser Sohn den Blaubeer-Zitronen-Cobbler gewünscht. Ich habe ihn mit gefrorenen Blaubeeren gemacht weil mir frische zu teuer waren. Auch wenn es mit großen frischen Blaubeeren sicherlich noch besser gewesen wäre, war es wieder ein Dessert, das die ganze Familie überzeugt hat. Allerdings habe ich, nach der Erfahrung mit dem nussigen Pflaumen-Crumble, die Menge an Zitronenschale und –saft reduziert. Der Maisgrieß gibt hier eine schöne Farbe und auch die Textur wird interessant. Die Butter-Honig-Zitronensaft-Mischung, die nach der Hälfte der Backzeit darüber gegossen wird, verleiht dem ganzen auch noch etwas Knusprigkeit.

Unbedingt ausprobieren wollte ich auch den Croissant-Auflauf mit Feigen und Honig. Eine ähnliche Variante des englischen bread and butter puddings mit Schokoladen-Croissants von Nigella Lawson ist eines unserer Lieblingsdesserts. Hier war es genau umgekehrt wie beim Pflaumen-Crumble. Der Rest der Familie, besonders die Männer, war ganz begeistert. Ich hingegen konnte dem Ganzen nicht so viel abgewinnen. Mir fehlte ein wenig Säure; so fand ich es zu süß.

zimtduftAls erstes habe ich den Mandel-Orangensirup-Kuchen gebacken. Der Kuchen war einfach zuzubereiten. Empfohlen wird, Blutorangen zu verwenden. Da diese erst von Dezember bis April erhältlich sind, habe ich Saftorangen verwendet. Der Kuchen ist köstlich, aromatisch und saftig. Dazu kann man laut Rezept Crème double servieren, was ich jedoch gar nicht mochte, da der Geschmack des Kuchens vom Fettgehalt der Crème double neutralisiert wurde. Viel zu schade um die wunderbaren Aromen des Kuchens. Ich werde den Kuchen im Dezember mit Blutorangen nochmal backen und bin schon sehr gespannt auf den fruchtig herben Geschmack.
Apple Dappy fand ich sofort interessant zum Nachbacken, da es laut Buch eine traditionelle Süßspeise aus dem Südwesten Englands und noch recht unbekannt ist. Die Zubereitung ist einfach bis zum dem Punkt, wenn der Teig, der weich und klebrig sein soll, mit der abgekühlten Apfelmischung in eine Biskuitrolle aufgerollt werden soll. Mein Apple Dappy sah leider nicht so schön aus wie auf dem Bild des Buches. Aber die Süßspeise war köstlich. Dazu kann man auch Crème double servieren. Ich habe mich jedoch für Sahne und Vanilleeis entschieden. Es war köstlich. Ich werde es bald wieder backen mit einem Hauch von Zimt.
Mein Favorit war die Birnentarte mit Mandeln und Mascarpone. Das ist einfach zuzubereiten und im Nu fertig. Es wird empfohlen, reife Birnen zu verwenden, die wunderbar die Aromen des Kuchens noch unterstreichen und mit der Mascarpone und den Mandeln harmonieren. Der Boden ist wunderbar knusprig. Von der Tarte war nach 20 Minuten puren Genusses nichts mehr übrig.

Was ist Dein Fazit?

zimtduftDer erste Eindruck war durchaus positiv und alleine deswegen hätte ich mich in einer Buchhandlung für das Buch entschieden. Nach dem, für unseren Geschmack, nicht so tollen Start beim Nachkochen hätte ich wohl für längere Zeit nichts mehr daraus nachgekocht. Für mich ist der Buchtitel nach wie vor irritierend, denn für mich passen frische Beeren nicht in die kalte Jahreszeit. Es spricht für mich aber nichts dagegen, einen warmen Kuchen oder einen Auflauf Anfang des Sommers mit frischen Beeren und Vanilleeis zu genießen. So versprachen der wohlklingende Buchtitel und das erste Durchblättern etwas mehr, als es beim genauen Durchlesen und Auswählen dann hielt.

zimtduftIch muss zugeben, ich hätte mir das Buch höchstwahrscheinlich nicht gekauft. Es ist doch sehr speziell und bisher hatte ich nicht den Eindruck, unbedingt öfter warme Desserts machen zu müssen. Ob sie nun Crumbles, Cobblers, Bettys oder Crisps, Clafoutis oder Pie heißen. Aber was wäre mir da entgangen…
Ein Kochbuch, bei dem das Durchblättern wegen der liebevollen Aufmachung schon großen Spaß macht. Rezepte, die zum Großteil sehr schnell und leicht zuzubereiten sind. Und vor allem Desserts, die einfach köstlich schmecken.
Jetzt hat die kommende kalte Jahreszeit etwas ihren Schrecken verloren, wir haben der Kälte draußen etwas Wärmendes für den Magen (und die Seele) entgegenzusetzen.

zimtduftDas Buch gefällt mir sehr gut. Die Rezepte sind einfach, gut beschrieben und schnell umzusetzen, also auch für Backanfänger besonders gut geeignet. Man freut sich, nach langen, ausgiebigen Herbstspaziergängen diese wunderbaren wärmenden Speisen nachzubacken und Familie, Freunde und sich selbst glücklich und zufrieden zu machen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Oktober 2011

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