Kochbuch von Valérie Lhomme: Rezepte aus dem Obstgarten

Kochbuch von Valérie Lhomme: Rezepte aus dem Obstgarten ★★★★★

Rezepte aus dem Obstgarten – 130 kreative Rezepte süß und salzig
Valérie Lhomme, Christian Verlag (2010)
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Katharina Höhnk

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Ich musste alle erste Voreingenommenheit von Bord werfen. Ich dachte, das wäre ein Nur-Sommer-Kochbuch. Aber es ist für das ganze Jahr. Von Winter über Frühjahr zum Sommer in den Herbst. Ästhetisch kein Aufreger. Das Spannende liegt in den Rezepten. Wunderbar raffinierte und doch einfache Gerichte. Und nicht nur für Desserts und Backwerk, sondern auch für Vor- und Hauptspeisen. Ein sehr empfehlenswerter Kochbuch-Gruß aus Frankreich.

Der erste Eindruck – was kann er für ein schlechter Berater sein. Das Kochbuch Rezepte aus dem Obstgarten – 130 kreative Rezepte süß und salzig wäre fast an mir vorbereigerauscht. Einen netten ersten Eindruck löst es bei mir aus. Aber auch akute Langweile, die persönlich bedingt ist; die Fotos sind in der gleichen Manier wie die französische, und inzwischen auch auf Deutsch erscheinende Saveur, die ich jahrelang im Abo hatte. Ihre Fotos sind gefällig, aber stilistisch von solcher Konformität geprägt, dass ich sie quasi kündigte, um endlich etwas Neues zu erleben.

Das Wort „kreativ“ im Subtitel weckte zudem nicht mein Neugierde, sondern Skepsis. Meist versteckt sich hinter der Betitelung eher Sperriges und Gewolltes denn Könnerschaft. Kennzeichen gelungener Kreativität ist eigentlich Leichtigkeit; keiner käme auf die Idee, die Komödien von Billy Wilder oder die Kleider von Chanel als kreativ zu bezeichnen. Dabei sind sie der Inbegriff davon. Nun, nach so vielen Rezepten aus dem Obstgarten, die unser kulinarisches Herz verzaubert haben, komme ich zu der Einsicht, Sperriges gibt es hier nicht. Harmonien stehen im Mittelpunkt.

Rezepte aus dem Obstgarten ist ein Buch für das ganze Jahr. Hier geht es nicht nur um Beeren, Pfirsiche und Melonen, sondern auch um Quitten, Weintrauben, Orangen, Kiwis und Esskastanien. Das Inhaltsverzeichnis ist wunderbar übersichtlich gestaltet mit Fotos und allen Rezepten. Gleich am Anfang strahlen uns zwei Französinnen mit viel Natürlichkeit an. Sind sie die Autorinnen? Gerne hätte ich es gewusst. Das Buch ist distanziert, es will nur mit seinen Rezepten überzeugen. Das hat es bei mir geschafft.

So fing es an: Ich suchte im Spätsommer nach einem Rezepten für einen Zwetschenkuchen, es sollte der letzte im Jahr sein. Mein Repertoire war komplett im Backofen gewesen. Valerie Lhommes Zwetschentarte ist sagenhaft simpel mit seinen acht Zutaten. Auf den Tarteteig kommen die Zwetschen, 50 g Rohrohrzucker und – haltet Euch fest – ein halbe Packung Butter in Flocken. Das konnte nicht sein. Oder? Aber dann: Die erste Gabel verlange nach einem Superlativ der Begeisterung. Es kann ein Glück sein, Rezepte wider Willen 1:1 auszuführen. Die Tarte war saftig und knusprig. Das tiefe Aroma der süßen Zwetschen so verwöhnt, dass es sich in seiner Gänze zeigte.

Besonders gefallen mir die herzhaften Rezepte, die Obst einbinden. Ein wunderbarer Weg, um mehr Spiel in klassische Kombinationen einfließen zu lassen. Hier habe ich Inspiration für meine eigenen Klassiker geworden. Ein Favorit in meiner Küche ist ein Puy-Linsen-Gericht mit Weintrauben, Rosinen und roten Zwiebeln. Das ist neben Orangensauce mein liebster Begleiter für Entenbrüstchen. Valerie Lhomme setzt meiner Variante mit Koriander ein vorzügliches i-Tüpfelchen auf.

Rezepte aus meinem Obstgarten ist eine Freundin, die für jede Saison Antworten hat, die raffiniert und doch einfach sind. Die Freundschaft wird sich aber nur mit der Leserin bewähren, die Lust hat, Variationen und Kombinationen auszuprobieren. Manchmal wider des ersten Eindrucks.

Ein letzter Blick auf die Rezepte für die Grapefruit. Sie ist mit vier Rezepten bei dem Kapitel Zitrusfrüche dabei: Grapefruitmarmelade mit Honig (4 Zutaten), kleine Grapefruitstartes (7 Zutaten + Baiser), In Honig karamellisierte Avocadoperlen und Grapefruitfilets (5 Zutaten) sowie Grapefruitfilets und Lachscarpaccio mit Dill (8 Zutaten). Hunger? Ich auch.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Januar 2012

4 Kommentare

  1. Corinna

    Hallo Katharina,

    dank deiner Inspiration und Rezepte Auswahl habe ich mir dieses Buch gekauft und habe erstmals am Wochenende ein Rezept nachgekocht. Und ich muss sagen, es hat mich glatt vom Hocker gehauen. Ich dachte, das kann nicht sein, dass etwas so einfaches so fabelhaft ist. Es waren zwar „nur“ Rollmöpse mit Apfelmus und Creme Fraiche, aber die Kombination der drei Komponenten ergab ein Gedicht. Mein Gast war auch hellauf begeistert. Mir hat das Buch im Gegensatz schon beim ersten Durchblättern die Euphorie beschert, da ich Kochbücher bevorzuge die sich aufs wesentliche beschränken. Mir gefallen allerdings auch die herzhaften Rezepte mit Obst am besten und durch die Rezepte Vielfalt wird es das ganze Jahr hindurch fruchtig in meiner Küche 🙂 Ich kann es kaum erwarten weitere Rezepte zu kochen. Ich liebe die französische Küche und ausgefallene, kreative Rezepte, aber das hier setzt dem Krönchen die Krone auf.

    Danke, dass du mir dieses Buch gezeigt hast 🙂

    • Katharina

      Das freut mich aber ausserordentlich, dass du das Buch entdeckt hast. Es war eines meiner ersten Bücher für Val. Mich hat es damals auch umgehauen, denn es sieht so gar nicht danach aus. Die Rollmöpse sind vorgemerkt!

  2. Katja

    Liebe Katharina, danke für die gelungene Rezension, die ich hundertprozentig unterschreiben möchte! Das Buch ist wirklich eine Inspirationsquelle. Gerade die Rezepte mit Fisch und Fleisch machen den Unterschied, und viele Ideen sind so bestechend einfach und kommen mit so wenigen Zutaten und Handgriffen aus.

    Und nun ja, die äußere Gestaltung ist wirklich recht glatt und langweilig – steht aber immerhin dem schnellen Zugang zu den Rezepten nicht im Wege. Und die “Gelingquote” war bei mir bislang auch recht hoch (bis jetzt ist eigentlich nur der warme Dattelkuchen hinter den Erwartungen deutlich zurückgeblieben…) Beste Grüße
    Katja

    • Katharina

      Wirklich, ein Hit. Puh, noch entdeckt. Dank Dir!
      Herzlichst Katharina
      P.S: Bei dem Dattelkuchen werde ich ein No-Post anbringen. 🙂

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