Kochbuchautorin Luise Haarer

Kochbuchautorin Luise Haarer

Kochen und Backen nach Grundrezepten
Lusie Haarer, Schneider Verlag Hohengehren

Die meisten Kochbuch-Bestseller-Autoren sind im Scheinwerferlicht der Medien unübersehbar. Daneben gibt es die anderen, deren Bücher sich still nicht nur über Jahre, sondern über Jahrzehnte verkaufen. Zu ihnen gehört Luise Haarer. Von ihrem 1932 erschienenen Kochbuch Kochen und Backen nach Grundrezepten sind bereits über eine Million Exemplare verkauft worden. Und es geht weiter: 2008 hat der Schneider Verlag Hohengehren aus Baltmannsweiler eine überarbeitete Auflage herausgegeben. Der Autorin (und ihrem Verlag) ist es gelungen, dass ihr Kochbuch knapp 80 Jahre nach dem Erscheinen nicht nur ein Sammlerstück geworden ist, sondern weiterhin im Küchenregal steht.

Kochen und Backen nach Grundrezepten wird gern als schwäbisches Nationalkochbuch bezeichnet wird. (Dabei ist es nicht nur eine „Maultaschen-Fibel“). Es verhalf der Autorin zeitlebens zu einer Karriere, die ohne die Publikation vielleicht anders verlaufen wäre. Luise Haarer wurde 1892 als Tochter eines Pfarrers im schwäbischen Härtsfeld geboren. Nach dem Tod ihres Vaters besuchte sie eine Frauenarbeitsschule und nahm anschließend eine Anstellung als Haustochter in einer englischen Familie an. Ihr Verlobter fiel im ersten Weltkrieg. 1917 – ein Jahr vor Kriegsende – kehrte sie in die Heimat zurück und wurde Hauswirtschaftslehrerin, anschließend Leiterin einer hauswirtschaftlichen Berufsschule. Als 1932 ihr Kochbuch erschien, ebnete es ihr den beruflichen Weg bis in das Kultusministerium in Baden-Württemberg. 1957 verabschiedete sich die Regierungsrätin in den Ruhestand und verstarb 84-jährig in Herrenberg.

Luise HaarerDas Kochbuch von Luise Haarer ist bis heute vor allem regionaler Erfolg. Kochen und Backen nach Grundrezepten wird wie beim Staffelauf von einer schwäbischen Generation an die nächste weiter gegeben und neu entdeckt. Es hat einen pragmatischen und authentischen Charakter: Im Mittelpunkt steht die Köchin zuhause, die täglich eine Familie versorgen muss, eine von vielen Aufgaben. Die Autorin konzentriert sich auf systematische Grundlagen. Luise Haarer verfasste die Basisrezepte und die darauf aufbauenden schlichten Variationen äußerst knapp. Sie werden abgerundet durch praktische „Regeln“ für einzelne Speisen. Zum Beispiel „Mische allen Blatt- und Wurzelgemüsen vor dem Anrichten etwas rohes Gemüse, feinst gehackt oder gerieben, unter. Nährwert, Geschmack und Vitamingehalt werden dadurch erhöht.“ Die kulinarischen Kunstfertigkeiten und Raffinesse im Detail überlässt Luise Haarer der Phantasie der Köchin: „Dieses selbstständige Ausschmücken, Ändern oder Ableiten weckt Freude am Kochen und Backen und lässt auch die Phantasie und Gemüt zu ihrem Recht kommen.“

Der für die 30er Jahre typische Schreibstil der Ratgeberliteratur, distanziert und belehrend, wird abgemildert durch das von der Autorin verwendete indirekte „Du“, von der Lehrerin zu Schülerin. Luise Haarer schreibt gerne „Bevorzuge“ oder „Berücksichtige“. Dabei richtet sich ihr Augenmerk auf zeitlose Tipps wie z. B. den saisonalen Einkauf. Besonders eigen sind allerdings die vielen Tipps zu Sparsamkeit („Praktische Winke zum Sparen“). Das könnte dem (vermeintlichen) schwäbischen Naturell zuzuschreiben sein, aber der Blick auf das Erscheinungsjahr des Kochbuches beweist die Relevanz für alle deutschsprachigen Regionen. Und: Ist es in Zeiten der Wirtschaftskrise nicht aktueller denn je?

P.S. Ich habe dieses Kochbuch in einer schwäbischen Buchhandlung entdeckt: Neben zehn Jamie-Oliver-Exemplaren lagen zwanzig Luise-Haarer-Exemplare.

Veröffentlicht im April 2009

2 Kommentare

  1. Erika

    Liebe Katharina,
    wie schön, hier die Luise Haarer zu entdecken – und so treffend und liebevoll beschrieben! Es stimmt alles: viele vergilbte Seiten ohne Einband waren jahr(zehnte)lang das einzige Kochbuch meiner Mutter! Bis ich dann damit mal in eine Buchhandlung ging und herausfand, dass es das Haarer war. Natürlich habe ich auch eins und wenn ich schnell mal einen Teig oder ein „Gutsle“ nachschlagen muss, ist sie die erste Wahl!
    Und natürlich wohne ich im Süden!
    Danke für deine wunderbare Seite
    Erika

    • Katharina

      Merci für Deine Zeilen. Das freut mich sehr. 🙂
      Luise Haarer scheint leider immer wieder unterzugehen. Erst vor Kurzem hatte ich ein Buch über die wichtigen Frauen der dt Kochbuchgeschichte in der Hand. Dabei ist ihres sogar eines der wenigen Bücher, die weiterhin im Gebrauch sind. Unfassbar eigentlich – ein solches Kompliment für die Autorin.

Schreib' uns!

Meistgelesen

Themen A-Z