Kochbuch von Toni Mörwald, Christoph Wagner: Austro Pasta

Kochbuch von Toni Mörwald, Christoph Wagner: Austro Pasta ★☆☆☆☆

Austro Pasta
250 raffiniert einfache Rezepte

Toni Mörwald, Christoph Wagner
Löwenzahn Verlag (2010)

Katharina Höhnk

Von

Ein Stern: Am besten umtauschen.

Daniel aus Dortmund, Matthias aus Westerrönfeld und Thea aus Berlin nahmen die Neuerscheinung Austro Pasta von Toni Mörwald, Christoph Wagner mit in ihre Küche und probierten einige Rezepte aus. Über die Qualität des Buches sind sie ganz unterschiedlicher Meinung. Woran es liegt? Sie haben ihre Kritik an dem Buch für Euch aufgeschrieben.

Wie lange kochst Du schon und wie benutzt Du Kochbücher?

MoerwaldLange koche ich noch nicht. Was auch zugegebener Maßen an meinen “erst” 22 Jahren liegt. Angefangen hat alles vor ungefähr zwei bis drei Jahren. Die große Kochwelle im TV. Quasi zu jeder Tages- und Nachtzeit liefen Kochsendungen. Seitdem gucke ich mehr oder weniger regelmäßig Kochsendungen und koche ab und an etwas für die Familie und mich. Kochbücher benutze ich meist zum Stöbern. Ich habe es einfach gerne, ein Kochbuch in der Hand zu haben und in diesem zu blättern. Die Fotos inspirieren mich zu Anrichtemöglichkeiten und die Rezepte zu neuen Aromastrukturen. Dabei benutze ich Rezepte auch oft einfach als “Leitfaden” und verändere sie, je nachdem was gerade im Kühlschrank liegt.

MoerwaldIn meiner Jugend habe ich mit meiner Mutter zusammen gekocht und gebacken. Als ich Selbstversorger wurde, habe ich Kochen mehr zum Lebenserhalt genutzt. Später habe ich angefangen, mich bewusster zu ernähren, was sich sowohl beim Einkauf der Zutaten bemerkbar machte, als auch bei der Zubereitung der Speisen. Kochbücher haben mir entweder meine Fragen beantwortet oder die dort gefundenen Rezepte haben mich animiert, sie nachzukochen. Der Spaß, neue Gerichte auszuprobieren und Neues kennen zu lernen, lässt mich überall nach Kochbüchern stöbern. Sie bieten mir Anregungen und einfach schon den Genuss beim Lesen.

MoerwaldSeit ich im Studentenwohnheim ziemlich schnell die Nase voll hatte von Dosen-Ravioli & Co., machen mir Kochbücher – wenn sie gut geschrieben und lektoriert sind – schon klare Vorgaben, und ich halte mich auch an die Rezepte. Abgewichen wird nur, wenn mich die Umstände zum Improvisieren zwingen.

Zum Kochbuch: Was waren Deine Eindrücke beim ersten Stöbern?

MoerwaldMeine ersten Eindrücke beim Stöbern waren positiv. Das liegt vor allem daran, dass man beim Durchschauen der Seiten nicht direkt von riesengroßen Fotos oder Rezeptzubereitungen erschlagen wird. Getreu dem Motto “Weniger ist mehr” ist das Kochbuch in meinen Augen sehr minimalistisch aufgemacht. Man blättert das Buch durch und wundert sich zuerst über die teilweise sehr kurzen Zubereitungsbeschreibungen. Beim genauen Betrachten merkt man aber, dass die Beschreibungen alles Nötige beinhalten. Desweiteren ist mir beim ersten Mal die Bandbreite der Rezepte aufgefallen. Kennt meine Generation normalerweise Pasta nur in den “gewöhnlichen” Kombinationen mit Pesto, Bolognese, Tomate und Co, hat hier die Vielfalt keine Grenzen. Ob Spiralnudeln mit Hühnerherzen, Spaghetti mit kandierten Salbeiblättern oder Bröselspaghetti mit Erdbeersugo. Für jeden Gaumen dürfte etwas dabei sein. Was auch beim ersten Stöbern auffällt, sind natürlich die österreichischen Begriffe. Ob Fleckerl, Erdäpfel oder Paradeiser. Dank dem Internet sollte das aber kein Problem sein, wenn man mal einen Begriff nicht kennt. Und schließlich heißt das Kochbuch auch Austro Pasta. Kritisch habe ich den Untertitel “250 raffiniert einfache Rezepte” beim ersten Mal betrachtet. Sicherlich sind manche Rezepte auch für Kochlaien zu meistern, aber den Großteil der Rezepte finde ich durchaus anspruchsvoll, da oft nicht alltägliche Zutaten verwendet werden (zum Beispiel Hühnerherzen).

MoerwaldDas Titelbild hat mir nicht gefallen, neun Speisen waren abgebildet und machen die Seite unübersichtlich. Es erinnerte mich an Touristenrestaurants, die ihr Essen auch immer als Fotos anbieten. Die Gliederung war klar strukturiert: Einführung, kalte, warme sowie süße Austro-Pasta-Rezepte, ergänzt durch Grundrezepte. Die Rezepte waren meistens mit Bildern versehen. Leider haben mich die Fotos und die Rezepte nicht sehr angesprochen.
Als Nichtösterreicher hatte ich manche Verständigungsschwierigkeiten und auch die Suche im Internet zeigte mir zwar die Übersetzung, aber auch dass ich die regionalen Spezialitäten nicht bekomme. Leider kennt man im Norden nicht Verhackert, frischen Schotten oder Saumaise.
Ein Glossar, das das Lesen erleichtert hätte, gibt es leider nicht.

MoerwaldOptisch hat es mich mehr als angesprochen und meinen Appetit wie auch die Kochlust angeregt.

Welche Rezepte hast Du ausprobiert und wie fandest Du sie?

MoerwaldFadennudeln auf Paprika-Henderl-Sugo
Hier hat alles sehr gut harmoniert. Die Paprika sorgte für eine angenehme Säure, das Henderl drängte sich nicht in den Vordergrund und in Kombination mit den Nudeln hatte man ein vollends rundum gelungenes Essen im Mund. Schlicht, einfach und wohlschmeckend. Darin liegt ja meist auch die Kunst.

Gebackene Spiralnudeln nach Wiener Art
Gebackene Nudeln? Lecker ! Knusprig panierte Nudeln und eine selbstgemachte Mayonnaise dazu. Schnell zubereitet und schnell aufgegessen!

Abgeschmolzene Bandnudeln mit Mohn und Nüssen
Mohn, Nüsse, Beeren und Nudeln. Eine Kombination, die mir beim ersten Lesen das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ. Nach dem Kochen war die Begeisterung aber verschwunden. Von angenehmer Süße, Nussaroma und Säure von den Beeren war kaum was zu merken. Stattdessen eine trockene und sehr mächtige Masse, die einen nach drei Gabeln denken lässt, man hätte ein halbes Schwein soeben verspeist.

MoerwaldIch habe als erstes die Spiralnudeln mit Zucchini und Rosmarin ausprobiert. Ehe mein Rosmarin überwintert, sollte es die richtige Würze geben. Leider konnte die Zucchinisauce geschmacklich nicht überzeugen, die gegrillten Zucchini waren lecker und der geriebene Bergkäse hat dem Gericht wenigstens etwas Geschmack geliefert.

Als zweites Gericht habe ich die Spaghetti auf Zwiebel-Honig-Chili-Sugo versucht. Die Zubereitung war wieder recht einfach und diesmal war es auch eine interessante Kombination, denn die Zwiebeln harmonierten gut mit Honig und Chili.

Das dritte Gericht waren die Fadennudeln mir Erbsen in Hühnerlebersauce. Die Sauce wurde aus Topinambur, Schalotten, Tomatenmark, Hühnerleber und Madeira gekocht. Ergänzt um frische Erbsen mit vielen Kräutern schmeckte es ganz interessant.

Die Rezepte waren gut beschrieben und auch die Mengenangaben stimmten und so ergab sich immer ein Hauptgericht für 2 Personen.

MoerwaldKaramellisierte Spiralnudeln mit Mandelbröseln und Zimtzucker
Nudeln als Dessert kannte ich noch nicht, also ran ans Experiment. Geschmeckt hat’s mir überhaupt nicht – die Textur, die Textur… Nein, bei Süßem kann ich auf Nudeln verzichten.

Spiralnudeln mit Blunzn und Spitzkraut
Allerdings habe ich frische spanische Morcilla verwendet und sie nach dem Enthäuten nicht in Scheiben geschnitten, sondern gebröckelt. Koche ich sicher nochmal, dann aber mit anderen Nudeln.

Bandnudeln mit Paradeiser-Enten-Ragout
Sehr schön, wahrscheinlich aber durch die Verwendung von konfierten Ententeilen (die ich noch von einer früheren Produktion hatte), also Verzicht auf den Aufwand mit frischen Entenbrüsten.

Hühnerherzen mit Spiralnudeln
Habe ich nur als Anregung betrachtet, denn aus den Herzen wurden konfierte Entenmägen, und – da ich allmählich keine Spiralnudeln mehr sehen konnte – gab es Penne rigate.

Wie gefällt Dir die Optik des Buches: Layout, Fotos, Ausstattung?

MoerwaldDie Optik des Buches finde ich sehr gelungen. Die Fotos zu den Rezepten sind sehr variabel über die Seiten hinweg gestaltet. Mal schräg, am Rand oder in der Mitte angeordnet, sodass das Anschauen der Teller immer wieder Spaß macht. Das Cover des Buches zeigt die Vielfältigkeit der Rezepte, die den Leser erwartet. Die Ausstattung des Buches ist gut. Bevor es zu kalten, warmen oder süßen Pasta-Rezepten geht, gibt es eine kleine Pasta-Geschichte, Pasta-Kunde und Grundregeln für Pasta. Am Ende werden diverse Grundrezepte erläutert. Auch die kleine Gebrauchsanweisung für das Buch am Anfang erweist sich als hilfreich. Während ich beim ersten Durchstöbern noch verzweifelt nach der Personenanzahl gesucht habe, wofür die Rezepte ausgeschrieben sind, steht hier, dass im Regelfall sechs kleine Portionen hinterher rauskommen.

MoerwaldDas Kochbuch ist vom Layout sehr gut, klarer Aufbau und die Rezepte auf den Seiten gut aufgeteilt, nie über zwei Seiten, was das Nachkochen erleichtert. Es gibt zu den meisten Rezepten Fotos, die eine Vorstellung vermitteln, wie das Gericht aussehen kann. Die Fotos gefallen mir teilweise überhaupt nicht, denn Speisen auf Glastellern sehen für mich nicht appetitlich aus und sprechen mich nicht an.
Es fehlt eine Übersetzung der österreichischen Begriffe und Produkte, die das Lesen sicher erleichtern und die Rezepte verständlicher machen würde.

MoerwaldDas Layout des Buches hat mir sehr gut gefallen; die Idee, ein und denselben Teller mehrfach abzubilden, ist originell. Das bedruckte Papier ist haptisch äußerst angenehm.

Dein Fazit zu dem Kochbuch?

MoerwaldAustro Pasta ist ein sehr ambitioniertes Kochbuch, das vor allem durch die große Rezeptvielfalt und sein minimalistisches Layout besticht. Der Leser findet im Buch lauter Kombinationen, die er wahrscheinlich so nicht mit Pasta ausprobiert hätte. Das Buch zeigt, dass Pasta nicht immer nur Spaghetti mit Tomatensauce sein muss. Wer also keine Scheu vor österreichischen Begriffen und außergewöhnlichen Geschmackskombinationen hat, sollte zugreifen. Vollblutkochanfänger sollten aber erst einmal in Ruhe durchgucken und dann entscheiden, ob sie die Herausforderungen annehmen.

MoerwaldEs ist ein Kochbuch mit 250 Rezepten, darunter auch zahlreiche Grundrezepte, die einem die österreichische Küche näher bringen könnte, wenn man an die Zutaten käme. Ob die Austro Pasta mit der italienischen Pasta mithalten kann, wie die Köche überzeugt sind, muss jeder für sich entscheiden!
Mich haben die Fotos und Rezepte nicht überzeugt und die Schwierigkeiten mit Übersetzungen und dem Beschaffen von regionalen Spezialitäten haben auch nicht dazu beigetragen. Ich hätte das Buch wieder ins Regal gestellt.

MoerwaldEin Buch, das mir mehr versprochen hat. Mir schwirren da zu viele „Tascherl“-Rezepte (und auch Tortellini) herum. Immer wieder wird Maizena gebraucht (und ziemlich oft auch diese grässlichen Perlzwiebelchen aus dem Glas). Und wie in vielen Kochbüchern sind manche Angaben einfach zu ungenau. Da ist z. B. beim Grenadiermarsch von Wurstwürfeln die Rede. Wie groß sollen sie sein? Bei den „Nudeln mit Wagramer Nußsauce“ heißt es zum Schluss: Mit einigen schwarzen Nüssen garnieren. Zu sehen sind halbierte Scheiben. Schwarze Nüsse sind sehr geschmacksintensiv, eine genauere Angabe hätte ich besser gefunden. Und wie in vielen Kochbüchern: Zum Beispiel ¼ Spitzkohl. Ja, wie groß soll der zu viertelnde Kopf denn sein bzw. wieviel wiegt er? 
Ein Rezept mit Grammeln – wunderbar! Aber ein Rezept für Grammeln – vielleicht im Anhang bei den Grundzubereitungen? Fehlanzeige! Schade. Ein Schlagwortregister vermisse ich schmerzlich.Denn sehr oft ist mir nach einer speziellen Hauptzutat. So muss man aber immer den kompletten Rezeptnamen parat haben.
 Als ursprünglich Süddeutsche hatte ich mit den austriakischen Bezeichnungen kaum Probleme, den Rest holte ich mir über Tante Guckel.
 Insgesamt war das Buch leider nicht halb so inspirierend, wie ich es mir als Pasta-Fan erhofft hatte. Den vielen eher kritischen Stimmen, die ich in der Zwischenzeit im Netz gefunden habe, muss ich mich leider anschließen. Beim Schreiben dieser Zeilen habe ich auch gemerkt, dass – zumindest für mich – die Austropasta doch ein eher dröges Genusserlebnis war.

Veröffentlicht im Dezember 2010

4 Kommentare

  1. Bolli

    Hat der verlag überhaupt Bücher verkauft? Geradezu jeder Blog in D., Ö und der CH wurde mit einem Gratisexemplar versorgt, also, wer sich das Buch zulegen will, sollte sich schnell einen Blog zulegen und dann der Marketingdame versprechen, dass er was bringt…
    Mich hat diese massive Berieselung auf allen Kochblogs total genervt, und ich kann das Buch nicht mehr sehen! Dass Du es bringt, ist irgendwie normal, aber vorher sah man es schon auf 45 Blogs….Non merci! it was too much!

    • Katharina

      Ich kann Dir nur zustimmen. Als ich den Kochbuchtest mit dem Verlag und den Testern abgesprochen hatte, war das nicht abzusehen. Hätte ich das gemacht, wenn ich das geahnt hätte? Eher nicht. Trotzdem finde ich jetzt die drei Meinungen nebeneinander auf jeden Fall lesenswert. Das macht mir Spaß!
      Dank Dir, Ulrike!

    • Ulrike

      @bolli Ja, der Verlag hat mindestens 5 Bücher verkauft, zumindest über mein Blog. 🙂

  2. Ulrike

    Ein Link zu einer Übersetzungstabelle für die österreichischen “Fachausdrücke” findet sich hier: Küchenlatein

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