Kochbuch von Tom Vandenberghe: Vietnam Street Food

Kochbuch von Tom Vandenberghe: Vietnam Street Food ★★★★☆

Vietnam Street Food
Tom Vandenberghe, Mikkel Vang, Hädecke Verlag (2011)
Mehr über den Kochbuch-Verlag

Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Reise nach Vietnam geplant? Mitnehmen!

Wenn man an einem Ort die Sprache nicht versteht, der Heimat kulturell nicht zu fern ist, dann hüpft ein Funken Spannung ins Leben. Wenn man aber nicht mal einen Laut versteht, was die Menschen einem sagen möchten, die Heimat gefühlt in einem anderen Universum ist und alle kulturellen Codes ein Geheimnis bleiben, dann ist es immer ein Hin und Her: noch spannend oder schon unheimlich? Das betrifft besonders das Essen, das von fliegenden Händlern angeboten wird. Jetzt gibt es Hilfe. Zumindest für Vietnam oder genauer Hanoi.

Tom Vandenberghe knackt in Vietnam Street Food einige kulinarische Codes für uns und macht Lust, selber etwas abenteuerlicher das nächste Mal zu sein, so fremd die Garküchen auch sein mögen, so abenteuerlich improvisiert die Rahmenbedingungen sind. Wer auch immer ein Ticket nach Hanoi gebucht hat, sollte Toms Kochbuch mitnehmen. Im Flugzeug bitte nicht lesen. Das könnte eine Tortur werden. Der Appetit …

Tom Vandenberghe, Autor von Thai Street Food und Leiter eines Kochstudios, hat hier seine kulinarischen Reiseskizzen auserzählt. Eingebettet sind seine Rezepte, Adressen und Ausführungen zur kulinarischen Kultur in den Erzählungen über seine Aufenthalte in Hanoi und seine Begegnungen mit dem Street Food. Dies ist seine erste: Neugierig auf den Inhalt der Bananenblätter falteten wir ein Blatt auseinander. Es war gefüllt mit einem rosafarbenen Röllchen aus fermentierten Schweinefleisch. Wir dippten die Würstchen in Chilisauce und waren begeistert. Unsere erste Begegnung mit Street Food war ein voller Erfolg. Auf unseren kleinen Hockern sitzend verputzten wir alle Häppchen, während die Welt an uns vorbeizog. Tom Vandenberghe erzählt auf ehrliche und offene Art. Nicht immer folgte ich ihm mit gleicher Spannung, aber sie tun dem Buch gut, sie machen es vielfältig.

Mein Interesse galt den Ausführungen zu den kulinarischen Besonderheiten. Davon gibt es viele, nicht für den Kenner, sondern für den Einsteiger. Vietnam Street Food ist keinesfalls ein Opus wie das Buch von David Thompson, sondern eines für die Handtasche oder den Rucksack. Eine ganz tolle Idee ist, dass Tom uns zu Beginn kurz & knapp in das Basiswissen für Nudeln, Reis, süsse Genüsse etc. in Übersichtsform einführt. Völlig unbekannt war mir z. B. die sehr beliebte Süßspeise Che. Che ist wirklich überall! Man könnte es als Pudding bezeichnen, aber das trifft es nur unzureichend. Einige behaupten, es sei eine Suppe, da Che auch warm gegessen wird. Ob warm oder kalt, Che ist auf jeden Fall immer süß. Und dann listet er jeweils alle Rezepte, die es in seinem Buch dazu gibt. Ich blätterte hin und her. Es entstand ein gelungenes Wechselspiel.

Die Rezepte sind voller netter Kleinigkeiten, die jeder gerne essen würde: vietnamesisches Fischfondue, Banane mit Kokos und Tapioka auf Eis (immer noch nicht geschafft) und Fünf-Gewürze-Schweinefleisch (ein himmlisches Gewürz). Einige sehrrrr authentische Rezepte, wenn Ihr wisst, was ich meine: Reiskuchen zu Neujahr, Klebereisbällchen mit Zucker und Sesam und Gekochte Schnecken in Zitronengrassud. Es gibt Rezepte für Passionierte, die es wissen wollen wie z. B. die vietnamesische Schweinswurst, die in Bananenblätter eingewickelt wird. Sie wird auf einem Baguette mit eingelegten Rettich-Möhren-Gemüse gegessen. Ein Abenteuer für ein langen verregneten Sonntag mit köstlichem Ausgang.

Apropos Baguette: Tom Vandenberghe gauckelt uns es keine Vietnam-Touristen-Romantik vor. Das Buch ist eine Momentaufnahme des Jetzt. Es kommen junge Leute vor, die sich dem globale Style angeschlossen haben inklusive Nerd-Brille. Wohltuend. Bei allem, was Tom Vandenbergh zu erzählen hat, er nimmt nicht die Rolle des Kenner der vietnamesischen Küche ein (der er verglichen zu den meisten natürlich ist), sondern er ist der reisende Entdecker. Einer, der sammelte, probierte und alles aufschrieb.

Vietnam Street Food hat meinen Grundsatz arg ins Wanken gebracht, bei Fernreisen meinen sensiblen europäischen Magen nie Gefahren auszusetzen. Ich weiß nun, was in manchen Bananenblättern verpackt ist. Und ahne, was ich verpassen könnte.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2012

1 Kommentare

  1. Jule

    Vielleicht interessant: Das Buch haben wir mit Ariane Bille dieses Jahr auf die Reise geschickt – vier Teile bei uns auf dem Küchenblock (erster Teil hier: http://mizzis-kuechenblock.de/2013/02/reisepost-vietnam-teil-1/) und dank wahnsinnig vieler schöner Bilder führt sie den Bericht auf ihrem persönlichen Blog noch fort (http://www.kulinarische-momentaufnahmen.de/kulinarische-reisepost-aus-kambodscha-phnom-penh/). Spannende Einblicke über den Papierrand hinaus 🙂

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