Backbuch von Susanna Tee: 1001 Kekse

Backbuch von Susanna Tee: 1001 Kekse ★★★★☆

1001 Kekse: Und andere süße Verführungen
Susanna Tee, Fotos Foto: Sian Irvine, Parragon Verlag (2009)

Sylvia Peters

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Ob zum Frühstück, zum Kaffee, Tee, Kakao, zum Kindergeburtstag, zum eigenen Geburtstag, zum Verschenken. Kekse gehen immer. Und das Schöne – es ist keine Saucenreduktion erforderlich, sie müssen nicht stundenlang bei Niedrigtemperatur schmoren, nicht tagelang marinieren, und sie brauchen keine teuren Zutaten, um optisch und geschmacklich mehr als anständig aus dem Backofen zu kommen. Unersetzlich dafür ist ein inspirierendes Backbuch. Das habe ich nun gefunden. Auf dem Wühltisch! Es ist großartig und preiswert. Aber vom Typus “nicht so hübsches Entlein”.

Das Buch 1001 Kekse und andere süße Verführungen erstand ich in der Vorweihnachtszeit, also der natürlichen Hochsaison der Kekse. Den Preis empfand ich im Verhältnis zur Dicke des Bandes mehr als annehmbar und die Aussicht auf fast drei Jahre täglicher Innovation bei der heimischen Keksproduktion als sehr erheiternd.

Es gliedert sich in 5 Kapitel – “Festliche Cupcakes und anderes Gebäck”, “Cookies, Plätzchen und Kekse”, “Brownies, Blondies, Schnitten und Riegel”, “Süße und herzhafte Muffins”, “Feingebäck und Konfekt”. Ferner gibt es ein alphabetisch geordnetes Register sowie eine Einleitung. Diese hat es in sich. Hier wird gleichermaßen für Anfänger und Fortgeschrittene erklärt, wie Plätzchen am besten gelingen, wie sie aufbewahrt werden sollten und wie man selbst Fondant, Ganache, Buttercreme oder Glasuren herstellt. Konkrete Tipps wie zum Beispiel den, dass man die Ofentür beim Backen von Muffins in der ersten Hälfte der Backzeit nicht öffnen soll, weil sie sonst zusammenfallen oder dass man Mürbeteig immer auf kalte Backbleche setzen sollte, damit der Teig nicht verläuft, sind sehr hilfreich.

Ansonsten ist das Buch äußerst puristisch gehalten – es spart an Erklärungen zu Herkunft oder Geschichte der Rezepte und Hinweisen zur Haltbarkeit. Lediglich Vorschläge für Abwandlungen bietet die Autorin. Dafür gibt es zu jedem Rezept ein Foto, variierend von Briefmarkengröße bis zu einer halben Seite: Mal sind nur die gestapelten Leckereien zu sehen, mal eine Tasse im Hintergrund, mal das Muffinblech. Das Layout ist mit einem bemerkenswert pastellbonbonfarbene “Banner” dekoriert, auf dem Rezepttitel und Stückzahl nachzulesen sind.

Beeindruckend: Die Rezept-Bandbreite ist enorm. Sie sind teils mit einer handvoll Zutaten zu bewerkstelligen – Butter, Zucker, Ei, Mehl, Backpulver, teils mit etwas exotischeren Ingredienzen wie Lavendelblüten, Rosen- und Orangenblütenwasser oder in Sirup eingelegte Ingwerpflaumen. Es gibt zudem einige Rezepte für Pralinen und Trüffel, Schokomousse, Soufflés, Baisers bis hin zu Croissants, Scones und Bagels. Auch nahöstliche Spezialitäten wie Persische Mandelröllchen und Baklava gehören dazu, obwohl der Titel ja eigentlich hauptsächlich Kekse suggeriert. Die “Knusperhäufchen” genannten Kekse, für die man einfach eine Handvoll Trockenfrüchte und braunen Zucker benötigt, die “Hafer-Cookies”, die mir durch die Verwendung von Haferflocken so ein beruhigend gesundes, ja figurbewusstes Naschgefühl gaben (trotz der ordentlichen Portion Zucker) und die Apfel-Ingwer Schnitten sind fester Bestandteil meiner Normalverbraucherküche geworden.

Zur Praxis lässt sich folgendes ganz knapp sagen: Die Kekse gelingen einfach. Betonung auf “gelingt” und “einfach”. Ich habe nie herumprobieren müssen, und alles, was ich bislang gebacken habe, hat mir und allen Testern geschmeckt. Außerdem sahen die Endprodukte genauso aus wie auf den Fotos, ein Punkt, den ich zur Frustrationsvermeidung sehr wichtig finde. Enttäuschungen hatte ich bisher nur eine: die falsche Schreibweise “Ricciaretti” statt Ricciarelli hätte mich schon misstrauisch machen müssen – es handelt sich um mandelduftende, weiche Kekse aus Siena. Vergleichbare Rezepte enthalten, wenn überhaupt, nur homöopathische Dosen Mehl wogegen das vorliegende von über 200 g ausgeht. Die Dinger waren hart und mehlig, taugen allenfalls zum Eintunken in einen Vin Santo. (Nachtrag Mai 2015: Leserin Nadja hat uns netterweise darauf aufmerksam gemacht, dass es sich hierbei um einen Übersetzungsfehler handelt. Im englischsprachigen Originalrezept werden 15 g Mehl statt 230 g in der deutschen Ausgabe angegeben. Auch das Reispapier soll wohl eher Backpapier sein.)

Ansonsten haben sich verschiedene Favoriten herauskristallisiert und auch Kekse, die ich sicher nicht noch einmal backen würde, weil sie sich im geschmacklichen Mittelfeld bewegten, also keine kulinarischen Überflieger waren. Reine Geschmackssache also. Übrigens aus den Keksen, die man mithilfe eines Löffels auf das Backblech setzt, habe ich mit schöner Regelmäßigkeit stets die doppelte Menge herausbekommen als angegeben. Es empfiehlt sich Zuckerrübensirup und diverse braune Rohrzucker in die Vorratshaltung aufzunehmen, die werden etwa in jedem dritten Rezept benötigt. Seit Kauf des Buches stehen bei mir in vorderster Reihe auch immer Pekannüsse und diverse getrocknete Früchte. Ich mag Kekse eigentlich am liebsten pur, ohne Überzug und Dekoration, aber bei den vielfältigen Dekorationsvorschlägen bin auch ich schwach geworden und habe Orangenblütenwasser in Puderzucker gerührt und herrlich glänzende Ergebnisse und Augen bei den Verkostern erzielt.

1001 Kekse und andere süße Verführungen ließ nur eine Frage unbeantwortet, an der ich immer noch knobele: Was ist der Unterschied zwischen Plätzchen, Keksen und Cookies?

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2011

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