Kochbuch von Sophie Dahl: Von Saison zu Saison – Kochen nach den Jahreszeiten

Kochbuch von Sophie Dahl: Von Saison zu Saison – Kochen nach den Jahreszeiten ★★★★☆

Von Saison zu Saison
Kochen nach den Jahreszeiten

Sophie Dahl, Fotos Jan Baldwin
Edel Verlag (2012)
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Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Ein Kochbuch von Sophie Dahl nehme ich immer gerne zur Hand. Nicht nur die Autorin ist schön und sympathisch. Von ihren Kochbüchern geht eine besondere Stimmung aus. Da stellt sich die Frage nach den Rezepten umso mehr. Wer möchte schon Sklave des ersten Eindrucks sein. Julia aus Schwanenstadt, Susanne aus München und Tulie aus Füssen haben für uns vorgekocht. Hier ihre Eindrücke und Erlebnisse.

Wie lange kochst Du schon und wie benutzt Du Kochbücher?

DahlMeine ersten Back- und Kochversuche habe ich bereits mit ca. 12 Jahren gemacht – auch die Rezepte aus dem Kochunterricht habe ich des öfteren zu Hause nachgekocht und von da an hat sich mein Interesse fürs Kochen und Backen eigentlich ständig gesteigert. Und damit auch mein Sammlung an Koch- und Backbüchern. Gerne nehme ich diese zur Hand, wenn ich auf der Suche nach einer neuen Idee bin oder um einfach nur ein Grundrezept nachzuschlagen. Kommt ganz darauf an, um welches Buch es sich handelt. Desweiteren backe ich leidenschaftlich gerne und probiere auch hier sehr gerne neue Rezepte aus, was natürlich meinen Lieben sehr zu gute kommt.

DahlMeine Eltern hatten früher einen riesigen Garten; quasi Selbstversorger, Kartoffelacker inbegriffen. Ich bin also damit aufgewachsen, dass selbstverständlich jeden Tag Essen gekocht wird und konnte mir nie etwas anderes vorstellen. Selbst habe ich zunächst gebacken, das Kochen kam mit der ersten Studentenbude. Kochen ist für mich heute einerseits eine Selbstverständlichkeit – ich will ja schließlich essen – aber auch eine Leidenschaft, der ich mit Begeisterung nachgehe. Ich koche normalerweise zweimal am Tag – Mittags das schnelle Standardessen für die hungrigen Kinder, und Abends tobe ich mich dann aus. Da gibt es selten zweimal das Gleiche; zu viel Neues wartet darauf, ausprobiert zu werden.

Kochbücher….tja, ich habe zu viele. Eine schöne Inspiration. Ich liebe es, in Kochbüchern zu schmökern und mir Anregungen zu holen. Allerdings halte ich mich normalerweise nicht sklavisch an die Rezepte. Besonders mag ich Bücher, die über das bloße Vermitteln von Rezepten auch Geschichten erzählen: zu den Zutaten, zu den Ländern, zu den Menschen…..Schöne Bilder sind auch nicht verkehrt.

DahlMit etwa 5 Jahren machte ich meine erste Torte. Ein Ereignis, an das ich mich heute noch gut erinnern kann. Damals entdeckte ich meine Leidenschaft fürs Backen. Und kurz darauf wurde auch das Feuer zum Kochen entfacht. Mit Freundinnen wurden so manche Suppen gebraut, an die ich heute mit leichtem Ekel zurückdenke. Aber was einen nicht umbringt, macht einen nur stärker und so wurde ich von Jahr zu Jahr besser und meine nicht endende Begierde nach kulinarischem Wissen wuchs.
Vor ein Paar Jahren entdeckte ich dann die Köchbücher für mich. Zuerst lieh ich mir stapelweise aus der Bibliothek aus. die die mir besonders gut gefielen, kaufte ich mir. Einer hätte mich mal vorwarnen sollen, zu welcher Sucht das ausarten kann. Da ich Vegetarierin bin, sind nicht alle Kochbücher für mich interessant, ein nicht all zu schlechter Umstand, denn so gibt es ein natürliches Regulativ. Ich liebe Kochbücher und sie sind mir zum ständigen Begleiter geworden. Ich benutze Sie als Bettlektüre, zur Entspannung und Inspiration. Wenn mir ein Rezept gefällt, koche ich es im Normalfall 1:1 nach. Notiere mir kleine Verbesserungen. Oder ich kombiniere zwei Rezepte aus dem Buch wenn mir das eine im Einzelnen zu fad oder trocken ist. Im Alltag koche ich eher Freischnauze, doch wenn es mal was Besonderes sein soll oder ich Zeit habe, dann schnappe ich mir all meine Bücher und gehe auf die Suche nach dem passenden Rezept für den Anlass.

Zum Kochbuch: Was waren Deine ersten Eindrücke?

DahlMein erster Eindruck des Kochbuches war, dass es sehr einfach aufgebaut ist und ein praktisches Format hat (Mischung aus A4 und A5). Die Fotografien sind gut und übers ganze Buch verteilt. Hier gefällt mir auch, dass es keine Hochglanzfotos sind. Die kurzen Anekdoten vor jeder Jahreszeit und teilweise auch vor den Rezepten machen das Buch sehr sympathisch und man nimmt sich gerne noch mehr Zeit das Buch durchzustöbern. Die Rezepte an sich sind einfach zu verstehen und umzusetzen.

DahlWow – was für ein schönes Buch! Wunderschöne Bilder und die Texte sind fesselnd zu lesen. Und sogar ein Lesebändchen, das macht Eindruck. Die Gerichte sind so ansprechend präsentiert, dass mein Exemplar schnell mit Markern für nachzukochende Gerichte gespickt war.

DahlIch habe mich schon im Vorfeld sehr auf das Buch gefreut. Als ich es dann in meinen Händen hatte, stöberte ich gespannt durch die Kapitel. Mir gefiel das Buch gut, aber ich war eher skeptisch. Ein Model, was kocht? Die Fotos sind eher aufwendig gestaltet, was schon manchmal ein Hinweis darauf war, dass das Essen nicht allzuviel hergibt. Auch befremden mich ein wenig die Bilder der gestellten Idylle. Sophia Dahl glücklich lächelnd beim Linsensalat mischen, Sophia Dahl heiter beim Spaghetti aufwickeln, diese Frau wirkt ein wenig zu glücklic,h als dass es überzeugend rüberkommt. Aber an sowas möchte ich mich nicht weiter stören, wenn die Rezepte gut sind. Und es schienen mir einige gute Rezepte dabei zu sein. Auf jeden Fall war das Buch nach kurzer Zeit mit Markern gespickt, alles Rezepte, die darauf warteten, nachgekocht zu werden.
Ein weiteres Manko ist für mich, dass nicht jedes Rezept bebildert ist. Das Foto gehört für mich einfach zum Rezept dazu und ist der Appetitmacher. Ich ging also das Buch mit einer leicht provokativen Einstellung an. Könnte mich dieses Kochbuch auch so zum Strahlen bringen wie Sophie Dahl?

Welche Rezepte hast Du ausprobiert und wie fandest Du sie?

DahlIch habe insgesamt 3 Rezepte ausprobiert (Sodabread mit Ziegenkäse und geplatzen Tomaten, Quiche mit Speck und karamellisierten Zwiebeln und den Schwiegermutterkuchen).

Quiche mit Spreck und karamellisierten ZwiebelnDiese Rezept war für mich totales Neuland. Der darin enthaltene Cheddar ist bei uns eher nicht so gängig, aber ich habe mich trotzdem rangetraut und die Reaktionen in meiner Familie waren durchwachsen. Von “ganz lecker” bis “schmeckt mir gar nicht” war eigentlich alles dabei.

Sodabread mit Ziegenkäse und geplatzen Tomaten
Hier erging es mir ganz anders als beim Quiche – die Reaktionen hierzu waren eher langgezogene “Mhmmms” und “oooohs”. Und das Brot schmeckt auch lauwarm mit etwas Butter total lecker.

Schwiegermutterkuchen
Über den Schokokuchen möchte ich eigentlich gar nicht sprechen, der ist total in die Hose gegangen – scheinbar habe ich etwas im Rezept falsch verstanden oder mich bei den Mengenangaben im Eifer des Gefechts verlesen, auf jeden Fall war der Kuchen nicht sehr gelungen.

DahlMein erstes, spontan aus dem Vorrat umgesetztes Rezept waren die Karottenmuffins mit Frischkäsehäubchen fürs Wochenendfrühstück. Die Karottenmenge machte mich etwas stutzig, aber das Ganze hat gut funktioniert: saftige Muffins, nicht zu süß. Gut gefallen hat mir auch das Topping mit seinem schönen Spiel aus Süße und Säure. Der Guss war anfangs ein wenig flüssig, zog aber nach.
Die Blumenkohlsuppe mit selbstgebackenem Brot hat sich als ziemlicher Flop erwiesen: die Suppe war so schlecht nicht, aber die anfangs zugegebene Milch ist beim Kochen ausgeflockt, was nicht so schön aussah. Den Räucherfisch sollte man laut Rezept auch gleich am Anfang zugeben. So ist er leider verkocht; hier hätte mir etwas am Ende zugegebener Fisch als Einlage besser gefallen. Das zugehörige Brotrezept habe ich wider besseres Wissen nachgebacken. Weder in der Zutatenliste noch in der Anleitung wird ein Treibmittel angegeben. Ich habe tapfer dem Impuls widerstanden, dem Teig Hefe zuzugeben und das Ergebnis war genau, wie ich es befürchtet habe: aus dem Ofen kam ein extrem kompakter, innen klitischiger Klumpen, der nicht essbar war.
Wirklich klasse fanden wir alle Die erste Mor Mor und ihr Hühnchen. Ein rundum gelungenes Hühnerfrikassee: die Soße hatte eine schöne, samtige Konsistenz und das Gemüse hat seine bunte Farbe behalten und war nicht zerkocht.
Die Linsensuppe mit Zitrone trifft, was die Aromen angeht, genau meinen Nerv und war auch richtig lecker. Allerdings habe ich die Menge der Linsen stark reduziert und mehr Flüssigkeit zugegeben, sonst wäre es wohl keine Suppe geworden, sondern Brei, und noch dazu ein sehr fester.
Schließlich gab es noch die Gemüseküchlein mit Käsesauce. Die Küchlein-Masse war zunächst sehr weich, wurde im Kühlschrank aber stabiler. Knusprig sind die Küchlein bei mir aber nicht geworden; sie bräunten zwar schön,blieben aber insgesamt weich. Eine gute Idee fand ich die Käsesauce mit Pfeilwurzelmehl statt mit einer Mehlschwitze zu binden.

DahlPenne mit Mandel-Ziegenkäse-Petersilien-Pesto
Ein absoluter Hit. Nach einem kleinem Kampf mit meinem Mixer ( er ersetzte den im Buch angegebenen Mörser ) entstand ein wunderbares Pesto. Die Zubereitung ging sehr schnell und das Ergebnis ist einfach toll. Ein Nudelgericht, was ich so nicht kannte.

Linsensalat mir Senfdressing
Hier spalteten sich die Meinungen am Tisch. Für Kinder ist dieses Gericht auf jeden Fall ungeeignet. Von meinen Erwachsenen Testessern waren einige Hin und Weg, andere fanden, dass dieser Salat eine nette Abwechslung ist, die man aber nicht jeden Tag essen will. Staudensellerie, Kirschtomaten und Feta machen auf jeden Fall eine gute Figur mit den Linsen zusammen.
Im Großen und Ganzen ist es auf jeden Fall wert, getestet zu werden und überzeugt durch seinen außergewöhnlichen Geschmack. Ab und zu eine kleine Köstlichkeit

Karottenmuffins mit Frischkäsehäubchen
Die Muffins sind im Handumdrehen zubereitet. Ein wirklich einfaches und schnelles Rezept. Allerdings passen für meinen Geschmack die weihnachtlichen Gewürze im Teig und der Zitronensaft im Frischekäse-Topping nicht wirklich zusammen. Die Muffins selber finde ich grandios, wirklich sehr lecker und luftig allerdings werde ich mir ein anderes Topping überlegen, wenn ich sie wieder machen werde.

Ananas-Minze-Sorbet
Zum Dahinschmelzen. Die Flüchtigkeit der Ananas und die Frische der Minze ergeben ein wunderbares Duett. Allerdings musste ich feststellen, dass die angegebene Zeit von 2 h viel zu knapp berechnet ist, nach ca 3,5 Stunden war immer noch nicht alles gefroren. Allerdings waren dann die Gäste schon da. Für heiße Sommertage ist das auf jeden Fall ein absoluter Knaller.

Dein Fazit zu dem Kochbuch?

DahlMein Fazit zum Kochbuch ist, dass es eine interessante Mischung aus eher nicht alltäglichen Rezepten, aber auch aus bodenständigen Gerichten ist. Und ich werde in nächster Zeit sicher noch das eine oder andere Rezept daraus ausprobieren.

DahlDas Buch ist sehr schön zu lesen und sehr persönlich gehalten. Man hat das Gefühl mit Sophie Dahl in der Küche zu stehen und ein bisschen an ihrem Leben teilzunehmen -das macht Spaß. Auch die Bilder sind sehr ansprechend.
Die Rezepte können mit der tollen Präsentation leider nicht immer mithalten: Sie sind teilweise etwas einfach gehalten und bieten nichts Neues. Manches Rezept funktioniert nicht so gut, wenn man sich an das Rezept hält; für ein gelungenes Gericht muss man nachbessern. Mir hat es beim Nachkochen auch immer wieder in den Fingern gejuckt, etwas raffinierter zu würzen: da könnte etwas mehr Pepp oft nicht schaden. Dennoch stehen noch einige Gerichte auf meiner Nachkochliste – allerdings werde ich die Rezepte dann nach meinem Gusto abwandeln.

DahlDas Kochbuch hat mich mit der Zeit immer mehr für sich eingenommen. Die Rezepte halten, was Sie versprechen und sogar noch mehr, man wird immer wieder positiv überrascht. Die Zutaten sind leicht erhältlich, auch wenn man in einer Kleinstadt wohnt wie ich. Und wenn man erstmal angefangen hat, aus dem Buch zu kochen, bekommt man Lust auf mehr, will tiefer in diese Rezept-Welt eintauchen und weitere Rezepte erschließen.
Ich habe von dem Buch mehr bekommen, als ich erwartet habe und bin froh, es in meiner Sammlung begrüßen zu können.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2012

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