Kochbuch von Skye Gyngell: A year in my kitchen

Kochbuch von Skye Gyngell: A year in my kitchen ★★★☆☆

A Year in My Kitchen
Skye Gyngell, Quadrille Publishing Ltd.

Katharina Höhnk

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Ich liebe charaktervolle Kochbücher und bei diesem war ich mir nach dem ersten vertieften Lesen ganz sicher: Das ist ein Volltreffer! Die Autorin Skye Gyngell führt außerhalb von London das angesagte Restaurant Petersham Nurseries Cafe, das auch eine eigene Gärtnerei hat. 

Skye Gyngell versteht ihr Kochbuch nicht als bloße Weitergabe einer Anzahl von Rezepten, sie möchte dem Leser ihre Idee des Kochens und ihre Erfahrung weitergeben: „A recipe is a simply documentation of a cooking process. Its function is to provide a list of ingedrients and an idea of the method and structure of a dish, which is invaluable to the inexperienced cook. But merely, following a recipe is ultimately an unfulfilling experience unless you learn to apply all your senses …“

Das Buch startet mit Skyes Tool-Box (Zitrone, geröstete Nüsse, gebackene Tomaten etc.): Diese Aromen verwendet sie ganzjährig, um für den Geschmack die ausgewogene Balance zwischen süß, sauer und salzig zu finden. Die anschließenden Rezepte sind saisonal gegliedert: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Im Kapitel Frühling sind z. B. „Carrots with honey, lemon zest and thyme“ zu finden. Die Rezepte beginnen mit einer persönlichen Einleitung von Skye, Erläuterung und wissenwerte Details z. B. „Carrots tends to be a little dull simply boiled, but cooking with honey and butter gives them a deep, caramel flavor …“ Die Zutatenmengen sind tendenziell umfangreicher bis sehr umfangreich. Ich habe bei einem Rezept 18 Zutaten gezählt, eher Gewürze denn Grundzutaten. Die Rezeptbeschreibungen sind ausführlich. Fast jedes Rezept ist mit romantischen Fotos bebildert in einer eigenwilligen erdverbundenen Bildsprache.

Beim Durchstöbern der Reviews habe ich nur Lob in höchsten Tönen gelesen, da fühle ich mich wie bei des Kaisers neuen Kleidern (mit einer Ausnahme): Ich bevorzuge das Werk inzwischen als Leselektüre denn als Kochbuch, nachdem ich einige Rezepte nachgekocht habe. Die Rezepte sind z.T. sehr aufwendig hinsichtlich Zeit und Zutaten (Gesonderte Zeitangaben wären daher hilfreich gewesen.) Das Geschmackserlebnis ist für mich persönlich zu „verspielt“, wenn ich es denn gefunden hatte. Sehr häufig fand ich hinsichtlich des Aromas keine Entsprechung zu dem Aufwand. Da hilft mir ihr Rat wenig: „To appreciate the nature of any dish … you really need to have cooked it several times. It is only then that will you understand its very heart.“ Mein Annahme ist, dass die Restaurantrezepte für das Kochbuch 1:1 übernommen wurden und daher weniger an die Köche zuhause gedacht wurde. Trotzdem: Das Buch nehme ich gerne zu Hand, weil zweifellos viel Herzblut darin steckt.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2008

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