Backbuch von Silke Kobr: Süße Weihnachtsbäckerei

Backbuch von Silke Kobr: Süße Weihnachtsbäckerei ★★★★☆

Süße Weihnachtsbäckerei: Plätzchen, Stollen, Hexenhäuschen
Silke Kobr, Fotos Coco Lang, Christian Verlag (2012)
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Katharina Höhnk

Von

Eine unpratentiöse, liebenswerte Freundin

Beim Plätzchenbacken verhält es sich wie im echten Leben. Die einen möchten es wie immer, die anderen suchen nach Neuem. Ohne den alljährlichen Klassiker Vanillekipferl geht es nicht, aber eine Adventszeit ohne ein neues Plätzchen-Rezept ist für mich keine Adventszeit.

Süsse Weihnachtsbäckerei von Silke Kobr war in diesem Jahr meine Plätzchen-Inspirationsquelle Nummer eins, chronologisch betrachtet. 181 Seiten – da ist es keine Frage, dass schon Ende Oktober die gefüllten Bleche im Ofen landeten. Unsere Pop-up Bakery war der Anlass: Goodies für alle, Plätzchen für alle.

Besonders gefällt mir an dem Buch die Vielfalt: Ausstechplätzchen, Klassiker und Spitzgebäck, aber auch Honigkuchen, Stollen, Zimtwaffeln und Punsch. Dazu Ideen für kulinarische Geschenke zum Selbermachen. Highlight auf der letzten Seite – ein bildschönes Lebkuchenhaus. Mehr braucht die Adventszeit-Liebhaberin an Rezepten eigentlich nicht.

Die Rezepte rangieren zwischen Bekanntem und gefühlsmäßig naheliegenden Varianten. Silke Kobr Rezepte geben sich bodenständig, geradezu unpratentiös. Zeitlosigkeit streicht durch die Seiten. Süße Dekadenzen und verspielte Trends tauchen nur hier und da auf: Plätzchen am Stiel, Schneebällchen, Stollentorte mit Glitzi-Perlen. In der Praxis gingen die Plätzchen leicht von der Hand. Vieles lässt sich bei gut gefüllter Vorratskammer sogar aus dem Stand backen. (Nur die gemahlenen Pistazien konnte ich nicht auftreiben.) Der Wow-Effekt fiel aus, dafür stand ich aber keinen halben Tag in der Küche. Mein Fazit: Die Bitte-wie-jedes-Jahr-Plätzchenbäcker werden auf einer Wolke der Zufriedenheit schweben, die Blicke der Abenteurer (ich!) weiter schweifen.

Eines fand ich sonderbar. Alles kommt so unpratentiös daher. Nur die Texte der Autorin sind manchmal fast ein wenig aus der Zeit gefallen. „Kommt der Chef zu Besuch oder wollen Sie eine neue Freundin mit Ihren Backkünsten beeindrucken?“ Wo kommt denn noch der Chef zu Besuch? Oder: „Seit einigen Jahren finden meine Töchter einen Brief vom Nikolaus. Er … vergisst natürlich Lob und Tadel nicht.“ Ups. Äh, spricht man noch vom Tadeln? Aber vielleicht sieht die Welt hier von Berlin anders aus. Hm.

Coco Lang hat das Buch atmosphärisch wunderschön und liebevoll fotografiert. Viel grobes Holz, Utensilien von Oma, Landhaus-Reminiszenzen und weißes Leinen. State of the Art. Ich glaube, nächstes Jahr bin ich dennoch reif für einen urbaneren Style.

So gesehen passt der Look sehr zu den Rezepten. Hier sind die Liebhaber der Tradition zuhause.

Nachtrag: Die Rezepte mit (fein) gemahlenen Pistazien gaben uns keine Ruhe. Sehr verführerisch, aber im Supermarkt gab es keine nicht. Christiane hat für uns in Berlin geforscht, in türkischen und arabischen Geschäften – auch nicht. Dann wohl nur online. Katharina

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2012

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