Roman: Das Festmahl des John Saturnall

Roman: Das Festmahl des John Saturnall

Das Festmahl des John Saturnall
Lawrence Norfolk, Knaus Verlag (2012)

Katharina Höhnk

Von Katharina Höhnk

Der historische Roman des Engländer Lawrence Norfolk erschafft eine Welt, in der stets das Klappern der Teller und Küchengeräusche zu hören sind. Die Geschichte spielt in einer Zeit, als Frauen noch als Hexen gejagt wurden, die Religion sich vor allem um den Teufel sorgte und Armut reiner Überlebenskampf bedeutete.

John Saturnall, der Held des Romans, lebt mit seiner Mutter im englischen Nowhere. Die beiden werden so gerade von der Dorfgemeinschaft akzeptiert, aber dann schlägt die Ausgrenzung zu. John muss alleine fliehen und wird als Koch an einem aristokratischen Gut angestellt. Und hier entfaltet sich seine überirdische kulinarische Begabung. Er wird gefördert und verliebt sich in das falsche Mädchen. Es zieht ein Religionskrieg vorüber, das Leben auf dem Hof reduziert sich und geht dann weiter. Johns Begabung nimmt seinen Weg.

Wer einmal in England war und Schlösser mit ihren Küchen in Augenschein genommen hat, findet in Norfolks Roman die Zeilen, die die Staubschichten hinwegpusten. Hier zeigt sich der Autor als Historiker, der weiß Fakten in Bilder zu übersetzen. Besonders habe ich die Beschreibungen des Küchenlebens geliebt. Wie John Saturnall Gewürze und kulinarische Kunstwerke zu inszenieren weiß – herrlich. Der Spannungsbogen war für mich vollkommen, als er anlässlich königlichen Besuchs ein Dessert plant und kreiert, das dann der Intrige eines Widersachers in der Vorratskammer schutzlos ausgesetzt ist … Reine Chemie. Super.

Die Liebesgeschichte zwischen John und der Tochter seines Herrn kommt hübsch und distanziert daher. Mit dem Mantel der Unmöglichkeit und des Gegensatzes – Koch liebt Magersüchtige – passt sie sich dem dunklen Zeitalter an, in der die ganze Szenerie spielt. Eine Liebe wie vom Reißbrett, aber warmherzig und unterhaltsam beschrieben. Neben der Kulinaristik und Liebe gibt es noch eine weitere historische Perspektive, die Norfolk einwebt – den Kampf der Religionen oder genauer den Kampf um die Interpretation. Das ist etwas für Kenner, zu denen ich nicht zähle.

Wer immer in diesem Sommer nach England aufbricht und die traumhaften Schlösser und ihre einzigartig aufwendigen Küchen besuchen wird, sollte dieses Buch ins Gepäck packen. Es sorgt ganz sicher für eine schlaflose Nacht, weil man es nicht weglegen möchte. So war es bei mir.

Veröffentlicht im Mai 2013

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