Rezension: Die Zeitschrift deli

Rezension: Die Zeitschrift deli ★☆☆☆☆

Ein Stern: Am besten umtauschen.

Konzept „Alte Rezepte neu layoutet“

Von Katharina Höhnk und Sabine Cikic

“Optisch wie inhaltlich ist DELI frisch und authentisch”, so kündigte der geschätzte Verlag Gruner + Jahr seine neue Zeitschrift deli an. Stimmt leider nicht. Denn frisch sind die Rezepte gar nicht.

deli-96Haben wir doch schon mal gesehen, dachten wir, als wir in der Neuerscheinung blätterten. Wir sind dann unser Zeitschriften-Archiv durchgegangen und haben online nachgeschaut. Bei Rezept-Nummer 65 von 76 haben wir Schluß gemacht. So viele Rezept-Zweitverwertungen haben wir zweifelsfrei gefunden: Rezepte, die in einer anderen Zeitschrift des Verlagshauses und auch online bereits erschienen sind. Manchmal wurden sie für deli marginal verändert. (Siehe Tabelle unten: deli-Rezepte – Erstveröffentlichung – online)

Wir hätten die eine oder andere Rezept-Neuauflage verstanden. Manche Rezepte sind zu gut, als dass sie nur einmal erscheinen dürfen. Aber bei 65 von 76 Rezepten muss man von Konzept sprechen, und sie sind sie ja auch nicht als Best-of-Auswahl deklariert.

Wie man dieses Vorgehen findet, hängt von der Antwort auf die Frage ab, ob Leser erwarten dürfen, dass es sich um neue Rezepte handelt, wenn sie eine Rezept-Zeitschrift von Gruner + Jahr kaufen. Wir finden: ja. Denn warum sollte man sonst dafür Geld ausgeben?

Tabelle: deli-Rezepte – Erstveröffentlichung – online

Beispiel: Echt Zucker!

Veröffentlicht im November 2012

Themen:

18 Kommentare

  1. Susanne

    beim ersten durchblättern, konnte ich die e&t fotostrecken zuordnen und war schwer enttäuscht – was ich dem verlag auch mitgeteilt habe. noch entäuschender – es kam keine reaktion..grüße s.

  2. PollyEsther

    Ich finde Deli ganz nett gemacht und habe (bezeichnenderweise) auch auf Blogs überhaupt davon erfahren, dass es sie gibt. Da wurden wohl reichlich Rezensionsexemplare verteilt. Ich finde die \“normalen\“ Kochzeitschriften im Verhältnis zu Büchern viel zu teuer und hab deswegen da eigentlich nie geguckt.
    Die Brigitte (auch Gruner + Jahr) hat neuerdings (in der vorletzten Ausgabe ist mir das aufgefallen) die alten \“Sammelrezepte\“ wiederbelebt, die die früher mal hatten: 4 Rezepte auf einer Seite zum Ausschneiden. Ein Polenta-Auflauf mit Zucchini und Tomaten war dabei, der vor vielleicht 10 Jahren mal veröffentlicht wurde, aber das finde ich nciht weiter dramatisch.

  3. Astrid

    Über G&J wird sich in diesen Tagen (einmal mehr) aufgeregt – nicht direkt über Rezept- sondern Vermarktungsduplikate (wenn frau es dann so freundlich-verschwommen ausdrücken darf): nämlich im allseits beliebten (G&J) PI-Superstar chefkoch.de. Im Rahmen der Diskussion wird auch (zu Recht!) dieser “Deli” Artikel erwähntverlinkt (wobei man hier abwarten muss, ob der Link nicht von der Verwaltung entfernt wird).

    Nachzulesen:
    http://www.chefkoch.de/forum/2,22,632204/Abzocke-der-Zeitschrift-essen-trinken.html

    • Katharina

      Na, das ist ja ein Knaller, dass da auf dem Extraheft der aktuellen e&t sogar noch 2010 als Jahreszahl steht. Autsch. Galante Wiedervewertung, die teuer ist für die Kunden.
      Merci, Astrid. Wenn die das löschen, dann wird das erst ein Skandal. Wir sind ja nicht in Nordkorea.

  4. Mädchen für alle Fälle

    Für 2,50 Euro pro Heft ist es einach nicht machbar für jedes Heft alle Rezepte neu zu entwickeln. Würde der Preis auf 3,80 Euro bis 4,50 Euro angehoben werden, wäre es vllt. realistisch. Aber sie haben eben auch nur eine Versuchsküche mit einer festen Anzahl an Köchen… Ich mag die Deli trotzdem!

  5. Gerta

    Ich kann mich der hier mehrheitlichen Meinung nur anschließen: sehr enttäuschende Zeitschrift, fei nach dem Motto \“Viel Vermarktungslärm um nichts\”. Ich habe ebenfalls gemerkt, dass viele Rezepte schon in E&t erschienen waren, aber 65 von 76 ist echt dreist.

  6. Maja

    Wahnsinn, was ihr da aufgedeckt habt, Katharina!
    Ich fand die Zeitschrift nach dem ersten Durchblättern ganz nett, aber irgendwie auch recht einfach gestrickt. Ich wäre aber nicht auf die Idee gekommen die Verwurstung zu überprüfen. Das finde ich echt krass!
    Die Bloggergeschichte habe ich damals auch schon in der Facebook-Gruppe mitbekommen.
    Und wie schon gesagt, bei GU ist es ganz ähnlich – Christine und ich haben uns mal die Mühe gemacht und ganze Bücher stichprobenartig bei den Küchengöttern zu überprüfen – Ergebnis ist, dass man die Bücher eigentlich auch nicht mehr kaufen muss, weil die Rezepte alle online stehen.
    Fällt heutzutage echt keinem mehr was neues mehr ein?
    Viele Grüße,
    Maja

  7. Juliane

    Vielen Dank für diese detaillierte Gegenüberstellung. Das ist ja schon sehr entlarvend. Es spricht ja nichts dagegen, das ein oder andere gelungene Rezept mehrmals zu verwenden. Aber 65 von 76 Rezepten… das ist zuviel. Zum Thema Foodblogger und Rezepte liefern für Deli habe ich die gleichen Erfahrungen mit G+J gemacht wie Mel und kann nur bei ihr unterschreiben.

    Viele Grüße und schöner Tag noch,
    Juliane

  8. Sybille

    Ich lese viele Foodmagazine…mir ist auch aufgefallen, dass das nur aufgewärmter Kaffee ist.

  9. Anne

    Wenn man die Tabelle anschaut ist man schon geschockt. Das ein oder andere Rezept lass ich mir ja gefallen, aber diese Menge … Hammer !
    Allerdings hab ich dieses Ärgernis auch schon in Kochbüchern – speziell von GU – bemerkt. Wenn man genau hinschaut, kommen einem auch dort immer wieder rezepte sehr bekannt vor.

  10. Gesche

    Mir gefiel das Magazin bis gerade eigentlich ganz gut. Liegt vielleicht daran, dass ich die Zweitverwertung nicht bemerkt habe und nicht wie Mel angefragt wurde. Aber nachdem was Ihr jetzt hier schreibt, ist nur der Preis und das Layout ganz nett …
    Danke für die Info! Ich denk nochmal drüber nach, ob ich mir die nächste Ausgabe kaufe.

  11. mel

    Die frischen Rezepte wollte man bei der Deli ja gern von Bloggern bekommen. 3 – 5 Rezepte mit Fotos für den Onlineauftritt inkl. Rechteabgabe an Gruner&Jahr für immer. Dafür sollte es dann eine kleine Verlinkung im Onlineauftritt geben. Angepriesen wurde das ganze als Gründung einer neuen und einzigartigen Foodplattform. Nicht nur die technisch professionelle Betreuung des eigenen Onlineauftritts sah mal als Mehrwert für den Blogger. Auch sei der positive Abstrahleffekt der Marke deli auf den Blogger so groß, dass man dort von Verlagsseite eine deutliche Win-Win-Situation sah. Interessanter Gedankengang.

    Liegt es vielleicht daran, dass der Verlag seine Lifestyle-Titel e&t, Brigitte etc. neuerdings unter einer Chefredaktion bündelt?

    Man darf gespannt sein, wie es weitergeht …

  12. feinschmeckerle

    Das ist ja wirklich krass, ich gehe da ganz mit Petra: lieber ein gutes Kochbuch, also wiedervertete Rezepte, wie hier…mal sehen was Bauer in 1,2,3 alles von seinen anderen Magazinen reinpackt. Dazu ein paar “Blogger” und der vermeintlich “neue” Titel ist fertig. Sehr einfach gedacht!

  13. Daniel Briest

    Puuh. Und ich dachte schon, dass es nur mir aufgefallen wäre 🙂

  14. Foodfreak

    Tja, Zweitverwertungen sind eine einfache Methode… im allgemeinen finden die dann aber eher als thematisch sortiertes Sonderheft statt, und werden nicht als \‘neues\’ Magazin verkauft. Auf der anderen Seite sehe ich auch beim britischen OLIVE magazine, das an der BBC dranhängt, dass die im Rahmen von Extras und Beiheftern und Themen sowohl magazinintern als auch quer zum Schwestermagazin GoodFood Zeug sogar binnen 1-3 Jahren recyceln… das scheint einfach Standard zu sein die Halbwertszeit vo Foodmagazinen sinkt wohl. Durchblättern, was nachkochen oder auch nicht, nach 3-4 Monaten wegschmeissen. Das “echt Zucker”-Beispiel ist allerdings wirklich krass…

    Ich muss ganz ehrlich sagen, bei den Preisen der Foodmagazine, die dann noch zu einem gerüttelt Maß an Werbung bestehen, sehe ich immer weniger Grund diese zu kaufen – da kaufe ich lieber ein schönes Kochbuch.

    • Katharina

      Ja, genau diese Schlussfolgerung haben wir auch gezogen. Ein Hoch auf die Kochbücher.

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