Reise: Mitbringsel aus Kanada – Montréal, Québec und Cape Breton

Reise: Mitbringsel aus Kanada – Montréal, Québec und Cape Breton

Von Katharina Höhnk

Kanada ist kein Land des Unerwarteten. Im Gegenteil: Wir wussten vorher, worauf wir uns freuen. Eine traumhaft schöne Natur. Und so war es. Dichte grüne Wälder, tiefblaue Seen, ein göttlich klarer wie kühler Atlantik und eine reine Luft, wie ich sie überall haben möchte. Altmodische Heuscheunen, wie gemalt, warten in der Landschaft.

Gegenüber der grünen Romantik war das kleinstädtische Leben optisch meist funktional interpretiert. Charme ließ sich da nur selten hineininterpretieren, also ab ins Grüne und ans Meer.

kanada4500 km sind wir gefahren: von Montréal quer durch Québec, New Brunswick, Nova Scotia nach Cape Breton und zurück. Außer dem Auto und zwei Übernachtungen bei einem Studienfreund war nichts gebucht. Ein wenig Abenteuer muss sein. Das extra-große Auto war dabei eine weise Entscheidung. Der Mensch hat in diesem Land Platz – in jeder Hinsicht. Das tut gut.

Kulinarisch war Montreal ein Highlight, danach wurde es auf dem Land rar. Sprengsel finden sich natürlich immer. Hier “meine” Orte, die einen Besuch lohnen:

MONTRÉAL

kanadaKÜCHENHELFER: Haushaltswaren Dante
Das ist ein Haushaltwaren-Geschäft in Montréal, wie es wohl kein zweites gibt. Das Sortiment ist einmalig. Die Qual der Wahl läßt grüßen. Plötzlich werden die Augen größer: neben den Muffin-Formen und Pfannen liegen Jagdgewehre in der Vitrine. Wirklich. Der Homecook ist hier auch Jäger. Ein ganzeitlicher Ansatz. Inhaberin Elena Faita ist übrigens Miteigentümerin des legendären Restaurants Au pied de cochon. In ihrer Kochschule Mezza Luna lehren die renommiertesten Küchenchefs von Montreal.
ADRESSE: 6851 Rue Saint Dominique, Montréal, QC H2S 1J7

kanadaKÜCHENHELFER: Monas
Die Restaurant-Köche Montréals kaufen bei Monas ein. Reihen mit Schneebesen und Kochlöffel für starke Arme und große Töpfe stehen neben Regalen, die sich unter den Mega-Pfannen biegen. Hochwertiges steht nicht im Mittelpunkt, sondern Funktionales für den Großbetrieb. Dazwischen: überflüssige Küchenhelfer, die man trotzdem dringend haben muss. Zur Website

kanadaWOCHENMARKT & KOCHBUCHHANDLUNG:
Marché Jean-Talon
Manchmal erkennt man schlagartig, was man nicht hat: Für so einen Markt mit diesem sensationellen Angebot würde ich zwei Berliner Wochenmärkte hergeben (natürlich nicht meinen). Die Frische und Qualität wecken Begehrlichkeiten. Das Geld ist köstlich angelegt. Auch der akute Hunger wird bestens umsorgt. Wir haben Sandwichs mit Bratwurst und Sauerkraut probiert. Das war, bevor ich den Fischladen entdeckte … Ach, und den Kochbuchladen muss ich auch noch erwähnen. Mehr auf Wikipedia

kanadaESSEN: Schwartz‘s
Drei Restaurant-Adressen standen auf meiner Da-möchte-ich-gerne-hin-Liste. Da Familien-Urlaubsreisen solche Listen nicht wirklich mögen, muss man locker bleiben. Die Besuche der Restaurants Joe Beef und Au pied de cochon habe ich verschoben. Dafür hat es auf den letzten Drücker, 4 Stunden vor Rückflug, mit dem Deli „Schwartz’s“ geklappt, das berühmt ist für sein geräuchertes Fleisch. Und wirklich: Es ist so zart, dass es zerfällt. Dazu Pommes, Kohlsalat und eingelegte Gurken. Sehr sättigend. So lässt sich ein Langstreckenflug wuppen. Zur Website

kanadaKOCHBUCH: Au Pied de Cochon – Sugar Shack von Martin Picard
Wie schön, dass es für Fast-geklappt-Restaurantbesuche Trost gibt. Der Besuch im legendären Restaurant Au pied de cochon fiel zwar aus, dafür fiel mir aber dessen neustes Kochbuch in die Hände. Ein Prachtband, an dem Martin Picard zwei Jahre gearbeitet hat. Im Mittelpunkt steht der Ahorn-Sirup, der ein Markenzeichen des Landes sind (er wird in Kanada übrigens vor allem in Dosen verkauft). Klassikerrezepte der Patisserie und herzhafte Gerichte interpretiert er quasi kanadisch. Sogar ein Rezept für Paris Brest inkl. Ahorn-Aroma ist dabei. Wird probiert.

kanadaMONTRÉAL-FÜHRER: 50 Adresses Gourmandes a Montréal
Montreal-Reisende mit Zeit empfehle ich dieses Büchlein. Es stellt 50 „süße“ Adressen samt Foto vor: Boulangerien, Chocolateries und Patisserien. Der französische Einfluss ist offenbar, aber Montreal ist kulturell ein Schmelztigel. Das spiegelt sich in diesen Törtchen-Tempeln wieder. Das Büchlein ist federleicht und daher perfekt für die Handtasche getreu dem Motto “Wenn schon, denn schon – also her mit süßen Teilchen”. PS: Ein weiteres Buch der Serie stellt 50 Restaurants in Montreal vor.

UND MEHR

kanadaHOTEL: LaFerme in Baie-Saint-Paul (Québec)
LaFerme ist ein frisch eröffnetes Design-Hotel mit Zuhause-Qualitäten. Dass man sich schon auf der Schwelle wohlfühlt, ist untertrieben. 
Man möchte sofort bleiben. Es ist Großes geplant; das Hotel ist Teil der Le Massif de Charlevoix-Regionalentwicklung. Mit der Eisenbahn von Quebec aus geht es entlang einer sensationellen Panaorama-Strecke in den kleinen Künstlerort. Man fährt Ski, geht wandern und ist am Wasser. Die Restaurantküche mit eigenem Küchengarten will viel: Das Frühstück a la Carte gehört zu den Top five in meinem Leben. Wow. Zur Website

kanadaBÄCKEREI: Boulangerie Niemand in Kamouraska (Québec)
Auf Reisen spürt man seine Wurzeln. Man vermisst heimatliche Alltäglichkeiten. An erster Stelle bei mir: Brot. Nach einem halben Monat überfiel mich dieses Mal die Sehnsucht nach Abwechslung zu den Tüten-Bagels. In einem kleinen Dorf, im gefühlten Nirvana, wurde meine Sehnsucht erhöht. Gleich neben der Kirche ein Haus mit dem Schild Boulangerie Allemande. Es herrscht Betriebsamkeit. Regale voller buttrig fluffigen Hefegbäck und kernigem Brot erwarten uns. Die zur Rückfront verglaste Backstube gibt einen weiten Blick frei – auf das blaue Meer. Manche machen es richtig. Zur Website

kanadaESSEN: Hummer auf Cape Breton (Nova Scotia)
Ich mag Hummer. Mehr emotional denn als Objekt meiner Kochtöpfe. In Cape Breton angekommen befand ich, dass nun, in Sichtweite der Fanggebiete der Moment reif sei für eine Ausnahme, für ein Hummer-Mahl. Der Kauf bei den Fischern war ein Erlebnis, der Moment des Tötens kurz und die Kochzeit überließ ich dem weisen Rat unserer Vermieterin. Dazu selbstgemachte Mayonnaise. Das Mahl währte drei Tage, so viel Fleisch gaben die Hummer her.

Meine junge Hummer-Lust kühlte aber gleich wieder ab. Ich entdeckte, dass vor Ort Robben beim Hummerfang getötet werden. Die Fischer nutzen ihre Robben-Abschusserlaubnis der Regierung, falls sie ihren Hummer-Fang beeinträchtigen.Während unseres Aufenthalts fanden wir am Strand eine Robbe im Todeskampf (Schussverletzung) und eine tote erschossene Robbe.
Auch in den Ferien gibt es kein Genuss ohne “Aber”. Nur der Hummerfang in Cape Breton, zwecks Schonung streng reglementiert, ist der Fischerei geblieben. Wildlachs und große Fischvorkommen gibt es hier schon lange nicht mehr.

kanadaINSEL: Cape Breton (Nova Scotia)
Cape Breton war unser Ruhepol auf der Reise. Eine Halbinsel, die es mit der Fläche Bayerns aufnehmen kann. Reich gesegnet mit Wasser. Ein kühler, sehr kühler Atlantik umspült die Küste. Inmitten ein riesiger Naturpark. Wale zeigen sich, Robben leben in Küstennähe, Delphine haben wir gesehen. Hier lässt es sich verweilen. Hier wartet Ferienstimmung. Sehr empfehlenswert.

Veröffentlicht im August 2012

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4 Kommentare

  1. Keksmamsell

    Liebe Katharina,
    ich habe mich riesig über deinen Bericht gefreut, habe ich doch selbst vor gar nicht allzu langer Zeit ein Jahr in Montreal gelebt! Da kamen beim Lesen viele Erinnerungen hoch schwelg … Viele der Orte die du beschreibst haben wir auch besucht und gerade Nova Scotia hat mir sehr gefallen. Besonders Lunenburg fand ich traumhaft und auch kulinarisch großartig.
    Ich hatte das Glück mehrfach im Au pied de cochon essen zu dürfen und es ist wirklich spitzenklasse. Die Atmosphere, die Qualität der Küche und die Liebe der Köche zu ihrem Werk spürt man in jedem Gericht. Allerdings sollte man Fleisch sehr mögen und auch eine gute Portion Hunger mitbringen, denn Seniorenteller gibt es dort nicht und auch von leichter Küche kann nicht die Rede sein. Wenn du deinen Besuch dort nachholen willst, solltest du unbedingt an der Theke sitzen, da kann man den Köchen nämlich beim Zaubern zuschauen, sehr beeindruckend! Liebe Grüße
    die Keksmamsell

    • Katharina

      Wow, das muss eine schöne Zeit gewesen. Wir haben dauernd versucht uns vorzustellen, wie die Atmosphere im Winter in Montreal ist. Aber geschafft haben wir es nicht – es ist so sommerlich easy gewesen.
      Klasse Tip mit Au pied de cochon. Das holen wir nach. Überhaupt: “Wir kommen wieder.” 🙂

  2. Buchfink

    Einen tollen Reisebericht hast Du uns geschickt. Canada ist ein altes Sehnsuchtsziel von mir, mal sehen, ob ich noch hinkomme.

    • Katharina

      Oh ja, unbedingt. Das Reisen dort ist so unkompliziert. Ich drücke die Daumen! 🙂

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