Reise: Cours de cuisine – Meine Kochkurse in Paris

Reise: Cours de cuisine – Meine Kochkurse in Paris

Foto: Annahita Aryafar

Annahita Aryafar

Von Annahita Aryafar

Aha, Paris – die Stadt der Liebe… naja, für mich ist Paris doch eher die Stadt der Feinschmecker. Aber vielleicht besteht zwischen der Liebe und dem genüsslichen Essen ja doch ein Zusammenhang, schließlich geht Liebe doch sprichwörtlich auch durch den Magen; nun gut, es lässt sich nicht abstreiten, unsere französischen Nachbarn dürfen sich eines guten Rufes rühmen, sowohl in Sachen Liebe als auch in Sachen Genuss.

AnahitaSo machte ich es mir als begeisterte Hobbyköchin – und vor allem -bäckerin – zur Mission, in den 4 Monaten, in denen ich in Paris leben durfte, vom kulinarischen Talent der Franzosen zu profitieren; damit mich nach der Heimreise zurück nach Deutschland keine quälende Nostalgie zu überkommen droht, habe ich mir gleichzeitig den kleinen Luxus versprochen, an diversen Koch-und Backkursen teilzunehmen, um dem französischen Savoir-faire hinter die Schliche zu kommen…schließlich wusste ich, dass nach einem 4-monatigen Marathon an ofenfrischen Croissants, Pains au chocolats und Escargots au pistaches eine Entzugssymptomatik vorgrammiert wäre.

Also setzte ich mich akribisch ans Werk und tippte mir die Finger wund bei der Suche per Google – zu Beginn noch ganz ohne jegliche Ahnung, was genau ich suchte. Macarons waren zwar der Inbegriff für moderne französische Kleinpatisserie, so ganz hingerissen war ich anfänglich jedoch noch nicht. Deswegen war meine Suche auch erst sehr weitläufig und unbegrenzt – so auch die Suchergebnisse.

Franzosen lieben es, sich – vor allem abends am Familientisch – bei einem 3 Gänge-Menü zu entspannen und über einem Gläschen Wein schöne Momente zu erleben, deshalb waren viele Kurse darauf ausgelegt, ein solche Menü zu einem bestimmten Thema anzubieten; vor allem je näher Weihnachten kam, desto mehr fand man auch die traditionellen Gerichte, die nicht selten Foie gras-lastig waren. Was ich aber suchte, waren die klassischen Dinge – wen will ich hinter’s Licht führen, es ging doch wirklich um alles, worin Butter die Hauptrolle spielt: Blätterteig, Brioche, Tartelette und Financiers! Also grenzte ich endlich die Suche ein, kam aber nicht darüber hinweg, dass Macarons von jedem angeboten wurden; da endlich war der Punkt, an dem ich mich überzeugen lassen wollte von diesem fluftigleichten Mandelschalen-Feingebäck und wer vermochte es am besten? Na klar, Macaron-Meister Pierre Hermé. Und ja, nach meinem ersten Bissen des Mogador-Macarons konnte auch ich mir Paris ( oder viel mehr mein Leben!) nicht mehr ohne diese sinnliche Verführung vorstellen. Somit waren auch Macarons auf meiner To-Do-Liste mit inbegriffen!

Mit diesen neuen Zielen vorm Auge gestaltete sich die Suche auch etwas leichter, dennoch ist die Fülle an Angeboten für Backkurse in Paris erstaunlich. Um es den jungen, kochbegeisterten Französinnen auch zu vereinfachen, widmete sich eie französische Frauenzeitschrift online diesem Thema und sortierte ebenfalls die Anbieter; so stieß ich dann auf Atelier de Sens, die sich mit einer sehr harmonischen und designten Internetseite präsentierten. Da ich in der Woche gearbeitet hab, kamen für mich nur die Wochenenden in Frage; da passte mir ein Macaron-Kurs für einen Samstag Vormittag sehr gut. Die 90 Euro für 4 Stunden habe ich überwiesen, bekam per Mail eine Zusage – und musste am Abend vor besagtem Kurs die enttäuschende Nachricht lesen, dass aufgrund zu geringer Teilnehmerzahl der Kurs nicht stattfinden könne. Das war nun blöd, denn nachfolgend hieß es, man könne einen Alternativtermin wählen oder sich erstmal mit einem Gutschein abtrösten. Da mir aber nicht unlimitierte Zeit in Paris blieb und mir das dann doch zu suspekt wurde, rief ich an, erklärte meinen Ausländerstatus und bekam das Geld zurücküberwiesen.

AnnahitaNächster Versuch: Ziemlich motiviert, am selben Tag noch einen Kurs zu machen, suchte ich abends nach einer Alternative und interessierte mich für das Konzept der Atelier des Chefs : Das Angebot ist divers – kochen, backen, 30 Minuten, 4 Stunden, Mittagessen selbst zubereiten während der eigenen Mittagspause oder doch das 4 Gänge-Menü…und so hatte ich das Glück, mich in letzter Sekunde noch für einen Platz im Macaron-Kurs einzuschreiben! Bonuspunkt: Bezahlen konnte man vor Ort, das Ganze fand zudem im Atelier der Printemps-Filiale bei “Nation” statt. Die sympathische Kursleiterin asiatischer Herkunft begrüßte uns – 12 in der Anzahl – und bat uns direkt, bei Verständlichkeitsproblemen keine Scheu zu haben, nachzufragen.

Dann hieß es sofort ran ans Werk; eingeteilt in Gruppen à 3, lehrte sie uns nach kurzer Vorführung, wie wir mit den bereits abgewogenen Zutaten die Schalen der Macarons anrühren sollten. Dabei hatte jede Gruppe ein individuelles Extra, das sich nach späterer Füllung richtete ( meine Gruppe bekam einen Tropfen orangener Lebensmittelfarbe, da unsere Füllung aus gesalzener Butterkaramell bestand). Jeder musste ran, keiner blieb aussen vor, alles in allem war die Atmosphäre wirklich superbe! Unserer Kursleiterin merkte man an, dass sie im Leiten eines solchen Kurses wie auch in der Ausführung ihres Metiers sehr geübt und geschickt war, sodass ich diesen Kurs jedem empfehle, der sich an das Abenteuer der Macaron-Herstellung zum ersten Mal heranwagen möchte!
Preis: 72 Euro für ca. 2 Stunden, dafür 4 Rezepte und Macarons zum Mitnehmen!

AnahitaDoch das war erst der erste Streich, schließlich ist Frankreich nicht erst seit dem Hype um die Macarons bekannt für seine Küche! Oh nein, viel wichtiger war mir, das Geheimnis um die perfekt buttrigen, luftig-leichten, voluminösen Croissants und Pains au chocolats zu lüften und da ergaben sich bei der Suche schon mehr Schwierigkeiten: Zum einen fiel das Angebot per Netz deutlich geringer aus, zum anderen war mir persönlich wichtig, das Handwerk von Meisterhand beigebracht zu bekommen – schließlich geht es hier um Hefe und jeder, der schon mal mit Hefe gebacken hat, zusätzlich in der Kombination mit Butter, weiss, dass das Gelingen dieses waghalsigen Abenteuers zum Großteil von sehr guter Qualität der Produkte wie auch von guter Technik und Verarbeitung abhängt. Schließlich entschloss ich mich dazu, den Kurs bei Lenotre zum stolzen Preis von 135 Euro als kleine Investition zu sehen und freute mich wie ein Kind, das zum ersten Mal Disney World besucht, an einem frühen Freitagmorgen das Pavillon auf der Champs Elysée zu betreten (hier sollte ich anmerken, dass das nicht das erste Mal war, dass ich einen Fuß in die heiligen Küche gesetzt habe, da ich in Vorbereitung und Entdeckungssuche bereits von einem der Chef-Patissiers auf ein nettes Pläuschen mit Macarons eingeladen wurde und seiner Begeisterung für unseren berühmt-berüchtigten Herrn Lafer lauschen durfte).

Am besagten Freitagmorgen trafen sich also 5 Hefefreunde ein und wurden mit einem kleinen Frühstück aus – wie passend – frisch gebackenen Croissants und Schokocroissants überrascht. Der Kursleiter war diesmal nicht mein Lafer-Freund, sondern ein etwas zu ruhiger und leider auch nach Zigaretten riechender Chefpatissier, der mir nicht auf jede Frage antwortete und die Aufgaben auch nicht gerecht zu verteilen mochte, sodass es mehr auf die Nettigkeit untereinander ankam, dass jeder abwiegen, ausrollen, bestreichen konnte. Sehr zum Vorteil war jedoch, dass in Anbetracht der langen Wartezeiten bei der Herstellung von Hefe-Blätterteig Teige in mehreren Stufen vorbereitet waren, sodass nach den einzelnen Faltungsprozessen der eine Teigblock in den Kühlschrank zu Gehen gelegt wurde und ein bereits aufgegangener Block zum Vorschein kam. Ein weiterer – wirklich alle Freunde aus meinem Arbeits-und Wohnumfeld beglückender – Pluspunkt war, dass jeder Kursteilnehmer einen Block von geschätzten 1000 bis 1500 Gramm zusätzlich zu den frisch gebackenen Teilchen mitnehmen durfte!

AnahitaNeben diesen beiden “großen” – und zu bezahlenden Kursen – habe ich in Paris jedoch auch von der Tatsache profitiert, dass sich in den letzten Jahren das Prinzip etabliert hat, auf den Wochenmärkten an kleinen Lehrstunden mitzumachen! So werden ca. 10 Mal im Jahr solche Aktivitäten an verschiedenen Märkten angeboten, zu denen ich mich 2 Mal per Mail angemeldet habe. Es gab 3 aufeinander folgende Kurse mit Rezepten, die an Saison und Marktlage orientiert waren; das Ganze auch noch umsonst! So stand man also meistens zu 6 oder 7 mit einem Kochleiter hinter einer provisorischen Arbeitsplatte mit Kochplatte und durfte unter den Augen des staunenden – und hungrigen – Marktpublikums in der Gruppe gesunde und schnelle Gerichte zubereiten. Je nach Kochleiter hat man dann mal mehr, mal weniger selbstständig gearbeitet und auch die Rezeptvielfalt war individuell abhängig, aber dafür, dass der Spaß nichts gekostet und bei tollem Wetter in Freiluft stattgefunden hat, gab es wirklich nichts zu meckern. Zudem kommt der Bonus, dass die Franzosen so mal wieder ihre Liebe zu saisonaler Küche beweisen, denn reichlich Märkte mit frischen, tollen Produkten gibt es tatsächlich en masse und das Auge kann sich an der Schönheit der essbaren Natur nie satt sehen!

Zum Schluss kann ich noch von meinem Erlebnis mit einem Koch namens Olivier Berthé erzählen, welcher zwar in seinem eigenen Atelier Kurse zu 100 Euro anbietet, jedoch mit der Unterkunft, in der ich gelebt habe, eine Art Deal hatte: Für nur 3 Euro pro Person kam der Chef persönlich in unsere Gemeinschaftsküche und ließ uns unter Anleitung einen ganzen Abend lang ein Menü kochen, um dann in gemütlicher und fast kumpelhafter Manier mit uns zu speisen (zu meiner Unterkunft sollte man sagen, dass es für junge Frauen, die gerade erst auf ihren eigenen Beinen stehen und sich in Paris ein Leben aufbauen, gedacht ist; dementsprechend kannte man sich per “Du” mit Herrn Berthé und es war tatsächlich eine sehr vertraute Atmosphäre). Zu Weihnachten lud er uns dann zu solch einem Kochkurs in sein Atelier ein, das sehr sauber, jedoch auch sehr übersichtlich ist und das durch einen Regalschrank in die eigentliche Küche mit Arbeitstischen eine Art Esszimmer unterteilt wird, sodass man auch dort nach Zubereitung des Menüs gemeinsam geniessen kann – denn oft ist es leider so, dass das Essen-danach zu kurz kommt in den Kochkursen der Hauptstadt, was wohl durch den hohen Andrang bedingt ist.

AnahitaAlles in allem kann ich jedem nur ans Herz legen, sich ein wenig vom Savoir-faire der Franzosen bei Gelegenheit in einem Koch- oder Backkurs abzugucken, auch wenn es nur spaßeshalber ist: eine Degustation mit gutem Wein ist einem jedenfalls gesichert 😉

Veröffentlicht im Mai 2012

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2 Kommentare

  1. Katharina

    Da schließe ich mich an. 🙂 Merci!

  2. Annick

    Liebe Annahita, um diese Erfahrung(en) kann man Dich nur beneiden – wer wäre da nicht gerne dabei gewesen?! Danke, dass Du uns auf diesem Wege mitgenommen hast.

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