Neue Bücher: Kulinarisches Paris

Neue Bücher: Kulinarisches Paris

Von Katharina Höhnk

Wenn es nach meiner Reise-Sehnsucht ginge, dann würde ich einmal im Jahr nach Paris fahren. Die Stadt ist die Sonne im kulinarischen Universum hier in Europa. Dabei ist es nicht nur das köstliche Angebot im Überfluss, das pure Schwärmerei auslöst, sondern auch der gelebte Genuss.

Es gibt für mich zwei Arten der Stadt zu begegnen und gleichzeitig in gelassener Reisestimmung zu bleiben – sich in einem Viertel treiben zu lassen oder pro Tag nicht mehr als drei Must-see/Must-eat einzuplanen. Für beide Vorgehensweisen gibt es in diesem Frühjahr Neuerscheinungen, die nicht nur die Vorfreude beflügeln, sondern auch das Gefühl vermitteln, nicht das Beste zu verpassen.

 

Paris kulinarisch: Restaurants, Rezepte und Tipps für Genießer
Trish Deseine, Knesebeck Verlag (2014)
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reisefuehrer-paris-deseine-valentinas-coverreisefuehrer-paris-desseine-valentinas

reisefuehrer-paris-desseine-2-valentinasFür Paris-Besucher, denen das köstlichste Paris-Brest mehr am Herzen liegt als die neuesten Kreationen von Phoebe Philo bei Céline, ist Paris kulinarisch wohl DER Stadtführer.

Trish Deseine, versierte Kochbuch-Autorin, hat ihr Adressbüchlein nicht nur geöffnet, sondern mit How-to-Handlungsempfehlungen (inklusive Benimmregeln) gespickt, die Neuankömmlingen im Kosmos Kulinaristik das Leben leichter machen werden. Nebenbei lässt sie auch wissen, was gerade das kulinarische Gespräch bestimmt. Sogar ohne Flugticket liest sich das spannend und amüsant.

Im Mittelpunkt stehen Restaurant-Adressen. Sie verteilen sich auf zwei Kategorien: Lieblinge der Autorin und Klassiker. Es folgen Adressen des Mottos Das Beste vom Besten: Wo grandiose Produkte zu kaufen oder zu verkosten sind – von der Butter über Backzutaten bis Burrata. Und schon folgt das nächste Herzstück, nämlich Tipps für Märkte und Haushaltswaren. Aber das war es noch nicht. Ausführliche Empfehlungen für Palasthotels, Feinschmecker-Touren, Blogs (sic!) und Kochkurse lassen keine Wünsche übrig beim Leser – nur das Einsehen, dass unter sieben Tage gar nichts geht.

 

Süßes Paris: Verliebt in französische Patisserien und Desserts
Michael Paul, Gerstenberg Verlag (2014)
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suesses-paris-michael-paul-cover-valentinassuesses-paris-michael-paul-inside-valentinas

suesses-paris-michael-paul-2-inside-valentinasMichael Paul ist Food-Fotograf, lebt in London, ist Paris verfallen und liest regelmäßig den Le Figaro, zumindest die Patisserie-Rubrik.

Denn die Zeitungs-Empfehlungen, mit denen übrigens auch manche Patisserie wirbt, sind reger Bestandteil seiner Essays über die süßen Klassiker der französischen Backkunst – von der Tarte au Citron bis L‘Opéra. Paul erzählt von dem aromatischen Genuss, der Geschichte des Rezepts, dem aktuellen Stand der Zubereitung und den aktuellen Pariser Meistern des jeweiligen Klassikers – mit persönlichem Couleur und kulinarischem Standpunkt. Ein Basis-Rezept ganz ohne Schnickschnack rundet jedes Porträt ab.

Wessen Mund dann wässrig ist und wer folglich herausfinden möchte, welches z. B. der von Paul erwähnten göttlichen Millefeuilles tatsächlich das beste der Stadt sei, der findet die Anschriften – in diesem Fall von Vandermeersch, Jacques Genin, Gérard Mulot, Philippe Conticini oder Angelina – in einem knappen Adressteil. Nein, Süßes Paris ist eher kein Reiseführer, sondern ein Vorfreude- oder Insider-Buch. Es liest sich als geistreiche Ergänzung zur rein sinnlichen Freude, die ja nie wirklich über einen tiefen Seufzer hinauskommt. Endlich hat einer seine Sprache wiedergefunden.

 

Die Welt von Ladurée Paris
Serge Gleises, Gerstenberg Verlag (2014)
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laduree-paris-valentinas-2Ladurée steht für die Kunst der Macarons und ihre Inszenierung. Erst die romantisch aristokratische Einrahmung führte die Marke in den Olymp der Popularität.

Das Buch von Serge Gleizes anlässlich des 150. Geburtstages des Hauses widmet sich daher diesem Zweitwichtigsten – dem Ambiente, das von einer Schar Innenarchitekten gestaltet wird. Drei Frauen und ihre Zeit stehen dabei stilprägend im Mittelpunkt der Arbeit: Madame de Pompadour, Kaiserien Eugénie und Madeleine Castaing.

Die Corporate-Publikation 

Die Welt von Ladurée zeigt, wie diese Designidee ins Detail umgesetzt wurde – mit Eindrücken aus den aktuellen Salons, Werken und Gemälden aus jenen Epochen. Zusammen wirkt es fast wie ein Moodboard. Die begleitenden Texte kann, muss man aber nicht lesen. Angucken kann so schön sein.

Veröffentlicht im April 2014

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