Kochbuch von Carina Brydling: Natürlich Schwedisch

Kochbuch von Carina Brydling: Natürlich Schwedisch ★★★★☆

Natürlich Schwedisch: Die besten 88 saisonalen Rezepte
Carina Brydling, Christian Verlag (2012)
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Sabine Cikic

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Ein Buch, das fast neidisch macht

Natürlich schwedisch ist ein Kochbuch, das einfach nur neidisch macht. Laut ruft es „Zurück zur Natur!“ und man folgt der sympathischen Köchin und Autorin, Carina Brydling“ staunend durch schwedische Landschaften, ihre Jahreszeiten und regionalen Spezialitäten.

Von der schwedischen Küche habe ich gelinde gesagt nur eine vage Vorstellung. Ich war noch nie in Schweden und das Essen in Filialen berühmter Möbelhäuser hat mich auch noch nie besonders angelacht. Mit dem Buch von Carina Brydling nun kann ich meine Vorstellung jedoch deutlich erweitern, und was ich sehe, macht eindeutig Lust auf mehr.

Das Buch ist unterteilt in vier umfangreiche Jahreszeiten-Kapitel, gefolgt von zahlreichen Grundrezepten, die Brydling für ihre Gerichte verwendet und entsprechend stets in ihrem Vorrat hat. In letzterem Kapitel versammelt sie nicht bloß Rezepte für Dressings und Brühen, sondern hier wird auch Frischkäse gemacht und Preiselbeerketchup und Großmutters Moltebeerkonfitüre eingekocht. Das klingt doch schon mal sehr spannend!

Interessanterweise beginnt Brydling mit dem Winter. Vielleicht ist das ihre Lieblingsjahreszeit, vielleicht auch nur eine Idee des Verlages (Christian), da das Buch zumindest in Deutschland in dieser Jahreszeit erschienen ist. Eine ungewöhnliche und durchaus charmante Idee. Die Rezepte sind fast durchwegs großartig fotografiert, nur bei ganz wenigen existiert kein Bild. Die matten, griffigen Seiten sind hervorragend gestaltet – schön zu sehen, dass auch mit mehrfarbigem Textlayout eine dezente, edle Optik erreicht werden kann. Neben den Fotos zu den Rezepten sehen wir immer wieder tolle schwedische Natur, interessante Gesichter von Produzenten, und durchaus immer mal die Autorin, Carina Brydling. Auch das in einem erfreulich dezentem Maß.

Braucht man bei anderen Büchern vielleicht manches Mal komplizierte Küchengerätschaften, derer man nicht habhaft ist, sind es hier so eher die Zutaten, die mich die Stirn runzeln lassen und vermutlich auch andere, gewiefte „Zutatenjäger“ vor Herausforderungen stellen dürften. Giersch und Brennnessel, wenn man keinen eigenen Garten hat und sicher sein möchte, dass nicht schon die halbe Hundebevölkerung aus der Nachbarschaft die Qualität überprüft hat? Moltebeeren? Geräucherte Flunder? Statt mich zu ärgern sinniere ich jedoch eher, wie erbärmlich mein großstädtisches Dasein doch wieder ist, wenn ich die Autorin freundlich lächelnd inmitten junger Birkenzweige sehe, die sie selbstverständlich für ihre Rezepte verwendet. Aber man muss nicht verzagen. Die allermeisten Rezepte können wir problemlos auch in Deutschland nachkochen.

Und die Rezepte schmecken, wie die Landschaft aussieht. Natürlich und immer wieder überraschend. Und ich stelle mir vor, wie gut sie erst in der richtigen Umgebung schmecken mögen, nicht einfach nur in meiner „normalen“ Küche. Ich will nach Schweden! Carina Brydling schreibt zum Beispiel in einem Rezept, das sich „Bärenbraten mit Pastinaken und eingelegten Zwiebeln“ nennt, man möge Bärenbraten oder ersatzweise Elch- oder Rinderbraten verwenden. Nö, das will ich gar nicht. Rinderbraten? So ist das doch gar nicht gemeint, das Rezept. Das würde Brydling sicher nicht gutheißen, denn sie hat sich voll und ganz der regionalen Küche verschrieben, zelebriert die Jahreszeiten und unterstützt viele Kleinproduzenten. In diesem Sinne wäre es nur konsequent, eine Berliner Variante des Bärenbratens zu machen. Da fällt mir ein, wir haben ja Bären in Berlin… hmmm!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2012

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