Cocktailbuch von Natalie Bovis: Edible Cocktails (engl.)

Cocktailbuch von Natalie Bovis: Edible Cocktails (engl.) ★★★★☆

Edible Cocktails – From Garden to Glass – Seasonal Cocktails with a Fresh Twist
Natalie Bovis, Adams Media (2012)

Annick Payne

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Küche und Bar treffen sich

In edible cocktails treffen Küche und Bar aufeinander und zeigen, dass alles, was essbar ist, mit etwas Geschick auch trinkbar wird. Natalie Bovis Cocktailband bietet eine inspirierende Variante des “homemade” Kochbuchgenres, in diesem Falle auf die alkoholische Drinks bezogen. Ich habe an mancher Stelle gelacht, an anderer gestaunt, mal auch ungläubig den Kopf geschüttelt, letztlich zeigen mir meine Notizen eines: ich muss mehr Parties feiern!

Natalie Bovis Buch gefällt mir auf Anhieb, das griffige Taschenbuchformat, das ansprechende Layout in den Naturtönen beige, braun und grün, dazu haufenweise Fotos: aus der Natur, beim Zubereiten, im Glas. Der Band beginnt mit einer Einführung in die Welt der Cocktails: welche Küchengeräte man benötigt, Zutaten, Cocktailparaphernalia, Gläser, alkoholische und alkoholfreie Zutaten einer gut bestückten Hausbar. Das folgende Kapitel “Cocktailgarten” hat Schmunzelfaktor (stellt Euch vor, es gibt Schrebergärten! Regenwasser kann man sammeln!), in dem man als Europäer einige Klischees bedient sieht. Richtig los geht es ab Kapitel drei “Grape to Glass”, wo sich die ersten Cocktailrezepte finden. Selbstgemachte Cocktailzutaten umfassen eine große Bandbreite, frische Kräuter, hausgemachte Liköre und Sirupe, kandierte Limetten und – für den kleinen Pyromanen – abgefackelte Zutaten wie Orangenscheiben oder Sirup aus angekokelten Salbeiblättern. Eine Küche ist notwendig, ein Garten nicht zwingend.

Bovis bietet Rezepte für Sirup, Marmelade, Püree und “Shrubs”, süß-saure Obstkonserven. Hieraus lässt sich viel nachkochen, egal ob es im Cocktailglas landen soll oder nicht. Und richtig spannend wird es im Kapitel “Mixing it up”. Denn neben den Schätzen der Erde, schreibt Bovis, solle man unbedingt unerwartete Zutaten wie Fleisch, Milchprodukte, Eier etc. verwenden. Fleisch im Cocktail? Ja wirklich, da wäre z.B. Bourbon, in den man für einige Tage gebratenen Speck legt. Kann ich mir sogar vorstellen, Rauchbier experimentiert mit ähnlichen Geschmacksnuancen. Aber ob mein Umfeld schon reif für fleischhaltige Cocktails ist? Prosciutto und Vodka, Chorizo und Mezcal? Höchstens für besonders carnivore Gäste oder für die Bacon-passt-zu-allem-Fraktion.

Positiv fällt mir auf, dass Bovis alle Zutaten, nicht nur die verwendeten Alkoholika für den Uneingeweihten erläutert; dies mag an mancher Stelle überflüssig wirken, wenn man beispielsweise schon von Ouzo oder Hibiskus gehört hat, aber an anderer Stelle war ich sehr dankbar für diese zusätzlichen Informationen, insbesondere, wenn es um die eigentlichen Cocktailkreationen geht, denn hier stellt die Autorin u.a. die große weite Welt ihrer Heimat vor, die für mich manchmal ebenso fremd ist, wie ein Underberg für den amerikanischen Leser. Doch es soll nicht der Eindruck entstehen, das Buch richte sich nur an unerfahrene Cocktailtrinker, selbst eingefleischte Profimixer können in diesem Band einiges an Inspiration mitnehmen, die vielen frischen Zutaten, die in Bovis’ Cocktails landen, sind mir in einer kommerziellen Cocktailbar in diesem Maße noch nicht untergekommen.

Eine weitere Frage, die vermutlich den ein oder anderen Leser interessiert, ist, lassen sich mit den Rezepten aus diesem Buch auch diejenigen beglücken, die keinen Alkohol trinken? Hier wird es schwierig. Während eine Reihe an Zutaten wie Sirupe, Marmeladen und Agua Frescas alkoholfrei sind, sind so gut wie alle Cocktails alkoholisch, gelegentlich werden alkoholfreie Varianten erwähnt, doch ein Kapitel mit alkoholfreien Cocktails sucht man hier vergebens. Stattdessen gibt es ein Kapitel zu Öko-cocktails mit ökologisch einwandfrei produzierten Alkoholika. Wer Rezepte nicht allzu wörtlich nimmt, wird leicht auf passende Substitute kommen, doch grundsätzlich gilt: dieser Band ist nicht jugendfrei.

Empfehlenswert sind die “essbaren Cocktails” für alle, die gerne Cocktails trinken und Inspiration jenseits der Klassiker suchen. Die Autorin beherrscht zwar das traditionelle Repertoire von Bellini bis Mai Tai, spannend wird es meiner Meinung nach aber überall dort, wo vielfältige Kräuter und frisches Obst bzw. Gemüse ins Spiel kommen. Z.B. beim “Garden Bloom”, einem Cocktail auf Weißweinbasis mit Birnen und Lavendel-Rosmarin Sirup. Das ist Sommerfeeling pur! “Edible Cocktails” ist ein rundum gelungener Band für kräuterliebende Cocktailtrinker, die gerne kochen; eine Quelle der Inspiration, insbesondere wenn man über gelegentlich absurd selbstverständlich anmutende Erklärungen lachen kann – nach ein oder zwei Cocktails geht das bestimmt!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Oktober 2012

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