Kochbuch von Margit Kunzke: Andalusien – Küche & Kultur

Kochbuch von Margit Kunzke: Andalusien – Küche & Kultur ★★★★☆

Andalusien: Küche und Kultur. Für die Sinne
Margit Kunzke, Günter Beer, GU (2006)
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Dietmar Adam

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Fürs Fernweh

Andalusien gehörte in letzter Zeit eindeutig zu meinen Lieblingszielen. Ein angenehmes Klima, selbst zu Zeiten, in denen man hier trübsinnig werden könnte, reizvolle Landschaften und jede Menge Kultur. Und natürlich Südfrüchte wie Orangen und Oliven, aber auch im zeitigen Frühjahr geschmacklose Erdbeeren, die dann in deutschen Supermärkten landen. Leider habe ich es versäumt, typisch andalusische Speisen an Ort und Stelle zu probieren. Das konnte ich jetzt – dem Kochbuch von Margit Kunzke sei dank – daheim nachholen.

Wie schon der Titel verspricht, geht es in dem reich illustrierten Buch nicht nur um das Essen, sondern auch um Kultur. Die Autorin lebt schon seit langem in Spanien und arbeitet dort als Journalistin für deutschsprachige Zeitungen. Man merkt, dass sie ihre neue Heimat nicht nur gut kennt, sondern viel Sympathie für Land und Leute hegt. Gut gelungen finde ich ihre informativen Berichte über Kulinarisches, wie etwa über Olivenöl, Stockfisch, Schinken oder Sherry. Mit Stierkampf und Flamenco werden aber auch bekannte nichtkulinarische Stereotypen angesprochen. Ohnehin wagt das Buch den Spagat zum Reiseführer, was keine Kritik sein soll. Die Gliederung richtet sich nach den Provinzen Andalusiens. Einleitend werden in jedem Kapitel touristische und kulturelle Besonderheiten geschildert, bevor dann aufgetischt wird. Diese geografische Ordnung ist für Reiseführer natürlich nahe liegend, für ein Kochbuch jedoch wenig hilfreich. Welcher Leser sucht schon gezielt nach Spezialitäten der Provinz Jaén, um nur ein Beispiel zu bringen? Mir hätte eine Trennung der beiden Bereiche besser gefallen.

Dieses (auf den ersten Blick) Durcheinander von Suppen, Vorspeisen, Fleischspeisen und Desserts sollte aber nicht ablenken von den vielen schmackhaften Rezepten, die präsentiert werden. Etliche davon haben ihre eigene weit zurückreichende Geschichte, manchmal bis zu den Römern, meistens aber zu den Mauren, die Andalusien nicht nur kulturell prägten, sondern eben auch die leiblichen Genüsse zu schätzen wussten. Doch auch die Agonie, in die diese fruchtbare Region nach dem Ende der Maurenherrschaft fiel, hat Spuren in der Küche hinterlassen. Wie auch im ländlichen Italien war Jahrhunderte lang Sparsamkeit angesagt. Dass eine Cucina povera jedoch nicht gleichbedeutend sein muss mit Geschmacklosigkeit und Eintönigkeit, beweisen nicht wenige Rezeptbeispiele. Schon das erste Rezept, die Mandelsuppe „Ajoblanco“ besteht aus einfachen Zutaten: Brot vom Vortag, Knoblauch, Mandeln, Öl und Essig.

Soll es etwas feierlicher und feiner zugehen, ist ein Sofrito angesagt, eine Mischung aus verschiedenen Zutaten wie Zwiebeln, Tomaten und Paprika, die – in kleine Stücke geschnitten – angebraten werden und ganz wesentlich den Geschmack des jeweiligen Essens bestimmen, ganz gleich ob es sich um ein vegetarisches Schmorgericht handelt oder Fisch oder Fleisch. Während mich die zahlreichen Suppen und Eintöpfe nicht so sehr ansprachen, war ich umso begeisterter von den Gerichten, die in der Fastenzeit verboten sind sowie den herrlichen Nachspeisen. Kochtechnisch wird der Leser vor keine großen Probleme gestellt, zumal die Autorin Wert legt auf präzise Anweisungen, die mitunter ergänzt werden durch Tipps und Alternativen. Einige wenige editorische Fehler (s.u.) konnten den positiven Gesamteindruck, den das Buch bei mir hinterlassen hat, nicht schmälern.

Erwähnen möchte ich noch den informativen Anhang mit einer Art Glossar von Speisen und Spezialitäten, nützlichen Adressen, Menüvorschlägen und einem guten Register.

Mein Fazit: es wird viel geboten, von kundigen Beiträgen zu Land und Leuten, Geschichte und Kultur, bis hin zu den über 120 Rezepten, die eine traditionsreiche und vitale Regionalküche in ihrer ganzen Vielfalt widerspiegeln. Nicht zu vergessen die unendlich vielen opulenten Fotos. Wen da nicht das Fernweh packt.

 

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2012

2 Kommentare

  1. Katharina

    Wir freuen uns auch. Es gab nämlich einige Anläufe, aber jetzt ist es geschafft, auch weil Margit dran blieb.

  2. Buchfink

    Das finde ich klasse, dass Dietmar
    hier ein schon etwas älteres Kochbuch rezensiert, und dazu noch von der wunderbaren Margit Kunzke, die wir auch von ihrem schönen Blog \“Kochbuch für Max und Moritz\” kennen.

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