Laura Schenone: The Lost Ravioli Recipes of Hoboken

Laura Schenone: The Lost Ravioli Recipes of Hoboken

The Lost Ravioli Recipes of Hoboken
A Search for food and family
Laura Schenone, W .W. Norton & Company

Die US-Amerikanerin Laura Schenone liest das lang gesuchte Ravioli-Rezept ihrer italienischen Ur-Großmutter Adalgia. Sie stolpert über eine Zutat. „Cream Cheese?“ Sie ist verwirrt. Das kann nicht richtig sein. Das muss ein amerikanischer Ersatz sein. „But a substitution for what? – And so the journey begins.“ schreibt sie.

Die Food-Journalistin Laura Schenone steht mitten im Leben: Sie hat Familie, einen Job und Freunde. Plötzlich stellt sie fest, dass etwas Besonderes fehlt: Ein Familienrezept, das eine Geschichte erzählt, zu dem sie dazu gehört und das sie weiter geben kann. „A recipe I could trace from family, back into history, further and further back, into an ancient past.“

Laura Schenones Wurzeln sind vielfältig: Ihre Urgroßeltern wanderten aus Irland, Deutschland, Kroatien und Italien in die USA ein. Für letzteren Familien-Zweig entscheidet sie sich, nämlich für das Weihnachts-Ravioli-Rezept ihrer Ur-Großmutter Adalgia. Der Start der Suche gestaltet sich schwierig, denn es finden sich nur spärliche Erinnerungen. Ihre Urgroßeltern entkamen ärmlichsten Verhältnissen der Region Genuas und waren vor allem, angekommen in den USA, damit beschäftigt zu überleben. Dann lebte die Familie den amerikanischen Traum vom sozialen Aufstieg. Außerdem: Das Familienleben ihrer Eltern ist eingefroren aufgrund von alten Streitigkeiten und daher gibt es kaum Kontakt zu anderen Verwandten. Laura Schenone erzählt davon und findet neue sowie alte Quellen. Ihre erzählerische Suche startet mit wenig und ich musste hier Ausdauer beweisen. Ihre Familiengeschichte hat mich erst im zweiten Drittel des Buches gefesselt. Hier beginnt die Familie mit all ihren Widersprüchen zu leben und die Suche ist mehr als eine bloße Rezeptsuche. Dann verwebt Laura Schenone die Auswanderung Ihrer Ur-Großeltern, ihre Beziehungen zu Eltern sowie Geschwistern und die kulinarischen Aspekte sehr spannend.

Laura SchenoneSchließlich fliegt sie auf den alten Kontinent in die Region nah Genua auf der Suche nach dem Original-Rezept und dem Wissen der Zubereitung. Sie findet die Spuren der echten Armut, die die Auswanderer bewog, ihr Glück an anderer Stelle zu suchen, kleine Familiengeheimnisse und regionale Spezialitäten, die in keinem Nachschlagewerk zu finden sind. Vor allem: Italienische Mamas, die tagtäglich ihr Wissen praktizieren. Leider sind nur wenige Menschen da, denen sie es weitergeben können. Besonders gefallen haben mir die fast dokumentarische Wiedergabe der Begegnungen mit Menschen, die ihr bei der Suche mit Wissen über Zutaten und Zubereitung weiterhalfen. In einem Dialog mit dem italienischen Journalisten Giovanni Rebora stehen sich die unterschiedlichen Bedürfnisse einer Emigrantin und einem Food-Experten gegenüber, der beobachtet, wie sich seine Land verändert. Das Anliegen ihrer Suche ist, Tradition zu erhalten. Giovanni Rebora antwortet darauf „No. We don’t worry so much about saving traditions. Traditions change all of the time…We want to save the culture of food here.“

Vielsagend die Pesto-Anekdote: Eine 76-jährige italienische „Mama“ zeigt ihr die Zubereitung. Zunächst fügt sie dem Basilikum einige Tropfen Wasser hinzu, damit das Pesto cremiger wird. Statt Olivenöl fügt sie Mascarpone zu. „The people from the Slow Food Movement would call us vampires. But look around here. Do you see olive trees living this high up in the mountains? No, it’s too cold. Sure, some wealthy people could afford olive oil, or maybe the trattoria. Even a few workers might have been paid in olive oil. But most farmers here made butter and cream at home. So it was common to eat pasta sauced with nothing but cream.“

Aber erst ein zweiter Italienbesuch mit Ehemann und Kindern lässt den Knoten platzen: Laura Schenone findet den Ursprung des Cream Cheese für das Ravioli Rezept, nimmt italienische Lebensklugheit mit und die Pasta-Zubereitung als Video-Aufnahme. Sie übt solange die Pasta-Zubereitung, dass sie bis zum nächsten Weihnachtsfest den Bogen raus hat und Adalgias Tradition fortsetzen kann.
Als ich das Buch zuklappte, dachte ich an unser Weihnachtsessen: Schlesische Würstchen. Wie lange wird es die noch geben?

Veröffentlicht im Oktober 2008

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