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Katharina Höhnk

Kulinarische Literatur: Dreck von Bill Buford

Katharina Höhnk

Von Katharina Höhnk

Bill Buford, Journalist des New Yorker, siedelt für vier Jahre mit seiner Familie von New York nach Lyon um. Sein Antrieb: Er will die französische Küche und vor allem die Haute Cuisine erlernen.

Über Bill Buford:

1954 in Lousiana geboren, studierte in Berkeley und Cambridge, war Gründungsredakteur und sechzehn Jahre lang Herausgeber des Literaturmagazins „Granta“ und später Verleger bei Granta Books. Von 1995 bis 2002 arbeitete er als Literaturredakteur für den „New Yorker“, für den er auch heute noch tätig ist. Buford lebt in New York.

Zur Lesprobe

Lyon hat er nicht zufällig gewählt. Die Stadt in der Auvergne-Rhône-Alpes-Region im Südosten des Landes ist ein Mekka der Kulinaristik – mit gastronomischer Geschichte, die bis in die Antike reicht. Bis heute ist sie verbunden mit berühmten Namen, Sternen und vor allem der „Bistronomie“.

Eine Reportage dieser Art schrieb Buford schon einmal: Hitze: Abenteuer eines Amateurs als Küchensklave hieß sein Titel zuvor. Damals war Italien der Ort seines Berichts.

Der Ausgangspunkt erscheint ähnlich, aber das Setting ist doch ein anderes, und das wirkt sich auch auf seine Erzählung aus: Buford ist fünfzig und Vater von dreijährigen Zwillingen, seine Frau Sommelière, sie spricht fließend Französisch — im Gegensatz zu ihm. Seine frühere Kultivierung der Küchen-Macho-Kultur der Nullerjahre gehört der Vergangenheit an, er ist nachdenklicher geworden.

Burger vs. Confit

Trotz besten Netzwerks zu französischen US-Köchen, die ihm den Weg in Lyon ebnen wollen, fällt es ihm aber nicht leicht, sein Vorhaben umzusetzen, Anschluss zu finden. Dazu trägt bei, dass ihm als US-Amerikaner zunächst die volle Breitseite des gastronomischen Selbstbewusstseins der Grande Nation entgegenschlägt und er die Sprache, nun ja, allenfalls marginal beherrscht. Das liest sich interessant, durchaus amüsant, aber es vermag nicht den Spannungsbogen eines Buches mit knapp 550 Seiten zu tragen.

Das gelingt vielmehr seiner Recherche, warum Lyon sich zum Mekka der Kulinaristik entwickelt hat. Spannend ist dabei die Frage, welche Rolle die italienische Renaissance und vor allem die Verheiratung von Katharina von Medici nach Frankreich dabei spielte. Schließlich das einzigartige Paradox dieser gastronomischen Männerdomäne: In Lyon waren es Küchenchefinnen im 19. Jahrhundert, die wesentlich zum Ruhm der Stadt beitrugen. In einer dieser Küchen begann auch Bocuse Laufbahn.

Lesenswert!

Dreck von Bill Buford ist eine lesenswerte Reportage für alle, die Frankreich lieben, an seiner Geschichte interessiert sind und einmal spüren wollen, wie es ist, ausgerechnet als US-Amerikaner ein Plätzchen im kulinarischen Elfenbeinturm Frankreichs zu ergattern.

Veröffentlicht im April 2021

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