Kulinarische Belletristik, Comics und mehr, 2013

Kulinarische Belletristik, Comics und mehr, 2013

Katharina Höhnk

Von Katharina Höhnk

Ich gebe es zu. Nicht nur Kochbücher lese ich wie Romane, sondern auch Sachbücher, Lebensweisheiten, Comics und andere Genre, wenn die Handlung in der Welt der Küchen, Töpfe und Gewürze spielt. Hier kommen meine Tipps für Euch.

 
 

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Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte

Michael Pollan, Antje Kunstmann Verlag
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Michael Pollan ist ein renommierter US-Journalist, der die Lebensmittelindustrie und ihre kommerziellen Wirrungen im Blick hat. Seine Stärke ist, dass er neben den erschütternden Fakten seinen Zuhörern immer einen Weg bietet, daran zu glauben, etwas ändern zu können. Auf diesen positiven Aspekt fokussiert sich Essen Sie nichts, was Ihre Großmutter nicht als Essen erkannt hätte
 mit 83 kurzweiligen und vor allem merkbaren Einsichten, wie man sich gesund ernährt. Pollan geht auch auf das französische Paradox ein („weißes“ Baguette, viel Fleisch und Rotwein – und trotzdem sind die Franzosen gesund!!), dem man sich natürlich dann erst recht anschließen will. Für aufgeklärte Foodies ist wenig neu, aber von Pollans Klarheit kann man nicht genug kriegen. Pädagogisch gesehen gehört das Buch besonders in die Hände derer, die Theorie („Ich möchte mich gesund ernähren!“) und Praxis („Äh, keine Zeit dazu!“) nicht so recht zusammenbekommen. Oder noch subtiler – man schenkt es einem Ahnungslosen („Veggie-Day? Niemals.“)

 

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In der Küche mit Alain Passard

Christophe Blain, Reprodukt Verlag
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Was macht einen alten Comic-Hasen wie mich happy? Die Comic-Neuerscheinungen in Sachen Kulinaristik. Ich hatte vor Kurzem die von Guillaume Long vorgestellt. Hier kommt der nächste Comic, den ich nicht mehr hergeben werde. Entstanden ist er in der Küche von Alain Passard. Christophe Blain zeichnet den Meister der frz. Kochkunst mit feinem Strich. Interessant ist, wie hier die Stärke des Genres deutlich wird. Ein Comic erzählt an der Stelle weiter, an der ein Kochbuch schweigsam wird – von den sinnlichen Zwischentönen und dem Moment an sich. Man erfährt aber auch, was die Mitarbeiter sagen, wenn Passard in die Küche kommt: „Achtung, Papa ist jetzt da.“ Rührend. Wer hätte das gedacht.

 

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A Delicious Life – New Food Entrepreneurs

gestalten Verlag
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Handemade, Homenade, Pop up-Restaurants, Manufakturen … Überall gehen neue kulinarische Projekte an den Start. Was sind das nur für Leute und Gründungsideen, fragt man sich. Die Macher wollen nicht nur mit Köstlichem verführen, sondern auch ausdrücken, in was für einer Welt sie leben möchten. Der Bildband A Delicious Life – New Food Entrepreneurs gibt in Coffeetable-Book-Manier Einblicke in die von Portland bis Helsinki, von Sydney bis Berlin. Inspirierend für alle, die Teil der Szene sind, am letzten Schliff für ihr Konzept feilen oder nimmersatte Foodies sind.

 

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On Food and Cooking
 – Das Standardwerk der Küchenwissenschaft
Harold McGee
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Harold McGee, in kulinarischen Kreisen auch bekannt als The Curious Cook, ist Autor des legendären Werks On Food and Cooking, das erstmals 1984 erschien. McGee erläutert darin Herkunft, Geschichte und biochemischen Aufbau von Lebensmitteln und was bei deren Garvorgang passiert. Seines Zeichens US-Amerikaner beherrscht er die Kunst, komplexe Sachverhalte einfach darzustellen und sogar zu unterhalten. Das überarbeite Standardwerk hat nun der Matthaes-Verlag ins Deutsche übersetzen lassen. Danke. Man darf sich freuen. Bald mehr dazu.

 

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Martin Walker, Diogenes Verlag
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In Frankreich lebt das Klischee, in diesem Buch auch. Aber das liest sich charmant. Bruno Courrèges ist Polizist in einem französischen Städtchen – und Feinschmecker. Seine Fälle verweben Kriminalfälle und kulinarische Themen. In Delikatessen ist es die umstrittene Stopfleber. Heißes Thema. Bruno, der Held, ist ein Mann der Gerechtigkeit, eigener Wege und des Unterstatements. Das ist manchmal zu viel des Guten, aber der in den Plot eingebaute subtile Widerstand gegen die Regelungswut der EU-Behörden gleicht das wieder auf. Es wird einmal mehr offensichtlich, was hier passiert – Traditionen werden zerstört. Die Krimis von Martin Walker sind so gut wie ein ehrlicher Wein und das ist ein Kompliment. Davon kann man nicht genug im Haus haben.

Veröffentlicht im Dezember 2013

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