Kochuch von Claudia Roden: Spanien – Das Kochbuch

Kochuch von Claudia Roden: Spanien – Das Kochbuch ★★★★☆

Spanien. Das Kochbuch
Claudia Roden, Fotos Jason Lowe, Christian Verlag (2012)
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Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Besonders für Homecooks, die authentische Rezepte lieben und historisch interessiert sind.

Spanien – Das Kochbuch ist ein Opus. Das ist seine Stärke und seine kleine Schwäche. Die kulinarische Kulturgeschichte Spaniens, die hier nachzulesen ist, ist einzigartig. Claudia Roden hat sich einmal mehr um ihren Ruf verdient gemacht. Die Sammlung der traditionellen Rezepte ist umfangreich. 510 Seiten wollen entdeckt werden. Nur eine Zutat fehlt für mich im Kochtopf: die Gegenwart.

Claudia Roden ist eine Autorin, für die Rezepte wie Spuren im Sand sind. Eine Spur in die Vergangenheit, zu der Geschichte einer Region. Sie will Gerichten nicht ein modernes Antlitz geben, sondern davon erzählen, warum ein Gericht so und nicht anderes zubereitet wird. Ihr Interesse gilt der Vergangenheit. Hier nahm ihre kulinarische Passion auch ihren Anfang.

Claudia Roden wuchs in Kairo auf. Sie studierte Kunst in Paris und London. Die Sehnsucht nach der Heimat ließ sie die Gerichte kochen, mit denen sie aufgewachsen war. Das ging soweit, dass sie sich ganz dem kulinarischen Sujet zuwandte. A Book of Middle Eastern Food (1968) war ihr erster Bestseller. Es folgten weitere. Immer im Schlepptau: Auszeichnungen und Preise. Sie ist eine angesehene Autorität ihres Fachs und stellv. Vorsitzende des Oxford Food Symposiums . Dabei nutzt sie als Autorin die Tatsache, keine ausgebildete Historikerin zu sein, als Freiheit, indem sie ihre eigene Geschichte und Erlebnisse einbringt. Die Erzählungen werden lebendiger.

rodenGewicht hat ihre Neuerscheinung Spanien – Das Kochbuch schon praktisch: 510 Seiten hat das Werk und wiegt fast 2 kg. Es ist einzigartig wegen der kulinarischen Kulturgeschichte Spaniens, die Claudia Roden recherchiert hat. Ihre Darstellung beginnt mit der Zeit der Convivencia, als Muslime, Juden und Christen Jahrhunderte friedlich zusammenlebten. Eine kulturelle Blütezeit, auch für die Küche. Die Koexistenz fand 1492 ein brutales Ende. Das kulinarische Erbe blieb. „The rich variety, the sensual charakter and comlexity of Spanish cooking today is in part the result of that long convivencia.“, schreibt Claudia Roden (Zitate aus der englischen Ausgabe). Sie führt uns dann bis in die Gegenwart, in die einzelnen Regionen und zu Besonderheiten, die die spanische Küche prägen.

Nach 124 Seiten beginnen die Rezepte: Vorspeisen, Tapas, Fonds, Saucen, Dressing bis Desserts, Gebäck und Getränke. Die Rezepte spiegeln die traditionelle Küche Spaniens wieder. Die Bandbreite ist überwältigend in der Menge, aber in der Auswahl nicht. Bekannte Klassiker wie die gefüllten Paprika mit Safran-Reis und Tomatensauce oder Schweinebraten mit Äpfeln dominieren den Fundus. Natürlich nicht nur. Das Quitten-Aioli hätte ich gerne probiert, war aber zu spät dran. Für den Thunfisch-Auflauf gewissermaßen auch (Thunfisch kaufe ich nicht mehr). Die Zutatenlisten bergen so gut wie nie Herausforderungen. Die Zubereitungsbeschreibung sind wie immer bei Claudia Roden: angenehm genau. Besonders liebe ich ihre Hinweise zu den Variationen. Sie geben Freiheit.

Sonderbarer Weise wollten mein Appetit und ihre Rezepte nicht so recht zusammenkommen. Das Fest der Post-it-Kleber fiel aus. Mit etwas Mühe wählte ich die Rezepte aus für meine Rezension. Das lag auch zum Teil an Papier und Druck, aber auch daran, dass die kulinarische Gegenwart mit feinen Raffinessen hier keinen Platz gefunden hat. Jason Lowes Rezeptfotos , die sonst zum Anbeißen sind, haben hier eine kleine Staubschicht. Das trifft unbeabsichtigt das Thema, aber nicht den immer Gaumen.

Apropos Kunst des Büchermachens: Der deutsche und englische Verlag haben sich die Arbeit gemacht, die amerikanische Originalausgabe wesentlich übersichtlicher und knackiger zu gestalten, soweit das bei 510 Seiten möglich ist. Sehr gelungen.

Spanien – Ein Kochbuch ist ein Kochbuch, das in die Vergangenheit verliebt ist. Ein Werk für Leser mit viel Zeit und Freude an historischen Zusammenhängen.

 

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Oktober 2011

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