Kochbuch von Yvette van Boven: Weihnachten in Amsterdam

Kochbuch von Yvette van Boven: Weihnachten in Amsterdam ★★★★★

Weihnachten in Amsterdam
Yvette van Boven
Fotos: Oof Verschuren
DuMont Buchverlag (2019)
Mehr über den Verlag

Katja Böttger

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Wie feiern die Niederländerinnen und Niederländer das Weihnachtsfest? Gibt es in Amsterdam zu Heiligabend auch Würstchen mit Kartoffelsalat oder Fondue – so wie unter deutschen Dächern? Und dann an den Weihnachtstagen die Gans mit Rotkohl und Kartoffelknödeln?

… halt, noch mal auf Anfang. Die Fragen sind falsch gestellt. Es geht ja schon damit los, dass in den Niederlanden der Sinterclaas den Kindern die Geschenke bringt, und der kommt bereits am 6. Dezember und stiehlt der Weihnacht ein bisschen die Show. Und überhaupt, wer sind „die Niederländerinnen und Niederländer“ – gibt es nicht auch bei uns mit unseren bunten Familien und Wahlverwandtschaften, Christen und Nicht-Christen, längst unzählige individuelle kleine Traditionen und Gebräuche jenseits von Tannenbaum und Kartoffelsalat?

Kochbuchautorin Yvette van Boven

Vielleicht hat auch Yvette van Boven (Foto links) darüber nachgedacht, als sie das Buch konzipierte. Sie liebt das große Familienfest, aber nicht die piefigen Traditionen, schreibt sie. Und so gibt sie auch keine Anleitung für ein perfekt orchestriertes traditionelles Weihnachtsfest. Stattdessen: ein reicher Fundus an winterlichen Menüs für festliche Anlässe, die gut in die Jahreszeit und somit natürlich auch zum Weihnachtsfest passen. Dazu Tipps, wie man mit vorausschauender Planung und einer gesunden Portion Non-Perfektionismus Stress vermeiden kann. Mein Lieblingstipp für den Start in den Tag eines großen Dinners: Ausgiebig mit dem Hund spazieren gehen und Efeu für die Tischdeko sammeln.

„Home Made“ lässt grüßen

Blättere ich „Weihnachten in Amsterdam“ an beliebiger Stelle auf, erkenne ich sofort die „Home Made“-Handschrift, mit diesen genussvollen Fotos und den verspielten kleinen Illustrationen. Auch die Rezeptfotos sind gewohnt dunkel, warm und rustikal. Dazwischen sind Winter und Amsterdam in Szene gesetzt, mit nebeligen Grachten und viel Grau oder mit klirrend klaren Landschaften.

Die Kapitel decken alle feiertäglichen kulinarischen Bedürfnisse ab: Frühstück, Appetithäppchen und Suppen, kleine und größere Gerichte, Beilagen und Desserts sowie Getränke mit oder ohne Alkohol. Dazu gibt es Menüvorschläge vom Brunch über Buffets bis zu Mehrgangmenüs, romantisch für zwei oder festlich für ganze Familienclans.

Kochbuch von Yvette van Boven: Weihnachten in Amsterdam

Ein ganzes Menü habe ich dann doch nicht nachgekocht. Bei den rustikalen Hauptgängen bin ich mit Blick auf unsere Gäste nicht so recht fündig geworden. Dafür kann Yvette van Boven nichts. Umso mehr haben mich aber die kleinen Gerichte, Beilagen und Getränke angesprochen.

Alle Kostproben gelangen tadellos. Die Rezepte sind unprätentiös, schlafwandlerisch gelingsicher und im Ergebnis total stimmig. Yvette van Bovens kulinarische Handschrift ist eher deftig, und sie lässt auch gerne ihre irischen Wurzeln durchblicken, das kenne ich schon von den anderen Home-Made-Büchern. So auch hier: Es geht rustikal zu; wer Wild, Fett, Pilze, kräftige Käsesorten und gerne auch Alkohol im Essen mag, ist hier bestens bedient.

Mitgedacht

Plus: Yvette van Boven hat Leute wie mich im Blick, gemäßigt ambitionierte Feiertagsköchinnen und -köche, die zwar gerne mal lecker auftischen, aber meist nur zwei Hände und einen Ofen besitzen, im Jonglieren eine Niete sind und zwischendurch auch furchtbar gerne mal etwas Zeit mit den Gästen verbringen möchten.

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Wie fügen sich die Arbeitsschritte in den Gesamtablauf? Was lässt sich gut vorbereiten? An welcher Stelle kann ich unterbrechen und die unfertige „Vor-Speise“ in den Kühlschrank schieben, um sie dann kurz vor dem Servieren zu finalisieren, und wie viel Garzeit muss ich dann noch draufschlagen? Was lasse ich lieber gleich ganz bleiben? Auf all diese Fragen gibt sie gute Hinweise, die einer entspannten Feiertagsköchin einiges an Vordenken abnehmen.

Ein Beispiel ist die Pavlova, die bis kurz vor dem Servieren im Backofen stehen soll, die Tür soll man nicht öffnen. Theoretisch eine tolle Sache – aber wessen Backofen wird nicht am Kochabend ständig anderweitig benötigt? Ihre Lösung: Eine Trifle-Variante. Gleicher Genuss bei weniger Aufwand – eine Win-Win-Situation für Köchin und Gäste.

Ein inspirierendes Winter- und Weihnachtskochbuch. Die Küche ist bodenständig und rustikal, nicht gerade subtil, dabei aber immer stilvoll und geschmacklich eine Wucht, und die Gestaltung ist einfach nur schön. Ist das Weihnachten in Amsterdam? Vielleicht. Aber Weihnachten bei Yvette van Boven, das ist es ganz sicher, und das ist wundervoll.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2020

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