Kochbuch von Yvette van Boven: Home Made. Winter

Kochbuch von Yvette van Boven: Home Made. Winter ★★★★☆

Home Made – Winter
Yvette van Boven, Fotos O. Verschuren, Dumont Verlag (2012)
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Sabine Cikic

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Wie begeistert waren wir vom Vorgänger – kann Yvette van Boven noch einmal ein so wunderbares Kochbuch schreiben? Ist Home Made Winter ein würdiger Nachfolger von Home Made ? Besser sogar?

Das Hauptthema im Winter scheint zu sein: Futtern, Kalorien reinfahren, Winterspeck anlegen. So scheint es mir zumindest nach einer ersten gründlicheren Lektüre der Rezepte in „Home Made Winter“ von Yvette van Boven. Die Kapitelstruktur unterstützt meine Vermutung, direkt nach dem ersten Kapitel „Frühstück, Brunch und kleine Mahlzeiten“ kommt „Kuchen“! Dann „Drinks“, „Snacks und Vorspeisen“, „Hauptgerichte“, „Desserts“ und ein Anhang. Das kann was werden, denke ich, und ziehe los zum Einkaufen. Bepackt mit Vorräten an Sahne, Butter und Eiern, die bei mir normalerweise für ein Jahr reichen würden, gefühlt, kehre ich zurück. Ich will ja keine Memme sein.

Ganz klar womit ich anfange: Banoffee Pie, der Name eine Kombination aus Banane und Toffee. Für den Karamell koche ich eine geschlossene Dose gezuckerte Kondensmilch drei (3!) Stunden in einem Wasserbad vor sich hin. Länger sogar, denn zwischendurch habe ich die glatt vergessen. Unglaublich, aber es funktioniert tatsächlich: in der Dose hat sich eine dicke Karamellsauce gebildet! Der restliche Kuchen ist schnell gemacht und noch viel schneller beim Kaffeekränzchen vernichtet.

Ich koche mich kreuz und quer durchs Buch. Suppen, die keinen allzu bleibenden Eindruck hinterlassen. Kuchen und Desserts, die mir häufig zu süß sind, manchmal auch zu schlicht. Ein Chutney, das ich fast genauso schon aus dem Vorgängerwerk kenne, ein anderes Chutney, das mir auch nach längerem Ziehenlassen im Glas immer noch zu streng nach Essig schmeckt. Ein Baileys, der uns eines Morgens das Frühstück verschönt und für dessen Zubereitung kaum drei Minuten vergehen. Persönliche Highlights gibt es, aber irgendwie nicht so viele, wie ich erwartet hatte. Ich bin zufrieden, aber das Wow bleibt aus.

Je mehr ich mich mit dem Buch auseinandersetze, umso irritierender finde ich übrigens die Sortierung der Rezepte. Es gibt das Kapitel „Kuchen“, aber in „Desserts“ sind auch Kuchen und Torten zu finden. In „Frühstück, Brunch und kleine Mahlzeiten“ finde ich zu wenige Rezepte, die ich wirklich zum Frühstück essen wollte, der Übergang vom „Bannock-Brot“ über selbstgemachte Butter und Joghurt zu „Winterliche[m] Salat mit warmem Ziegenkäse und Blutwurst“ erfolgt mir zu abrupt.

Echte „Home Made“-Rezepte gibt es eigentlich gar nicht so viele (insgesamt sind es sechs Rezepte, die mit Schritt-für-Schritt-Fotos zeigen, wie man z.B. auch Apfelwein oder Wurst selbst herstellen kann). Größtenteils handelt es sich um ganz normale Rezepte, die erst durch die Gesamtaufmachung des Buches gewinnen. Kochen ist eben Handarbeit, das Attribut „Home Made“ ist da redundant, oder? Nicht fair finde ich, dass van Boven an einigen Stellen auf Anleitungen in ihrem ersten Buch verweist. Nicht jeder hat das.

Bei allem Vergleich zum Vorgänger: Das Buch ist soooo schön! Wieder freue ich mich über die liebevolle, abwechslungsreiche Gestaltung der Seiten, die vielen Fotos, nicht nur vom Essen. Toll, dass das wieder so wunderbar gelungen ist! Doch trotz aller Schönheit reicht es dieses Mal nicht für 5 Sterne, denn die Rezepte wirken wie mit heißer Nadel gestrickt. Hoffen wir, dass uns Home Made Sommer, welches uns Yvette van Boven in ihrem Vorwort ankündigt, wieder vollends begeistern wird.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Dezember 2012

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