Kochbuch von Yvette van Boven: Home Made. Sommer

Kochbuch von Yvette van Boven: Home Made. Sommer ★★★★☆

Home Made. Sommer
Yvette van Boven, Fotos Oof Verschuren
DuMont Buchverlag (2013)
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Patricia Rahemipour

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Am Ende ist er wirklich selbst gemacht. Dieser Sommer. So wie in Yvette van Bovens Kochbuch versprochen. Mein eigener heißer Sommer, denn ich habe sie gekocht. Ich habe die Gerichte für einen hausgemachten Sommer gekocht und gemocht.

Die Rede ist von Yvette van Boves Sommerkochbuch mit dem verheißenden Namen Home Made. Sommer. Die Autorin ist eine niederländische Köchin mit eigenem Restaurant in Amsterdam und einer großen Familie in Holland, die gern ihren Sommer in der Provence verbringt. Home Made. Sommer ist der Nachfolger des vorher bekochten Winters und des legendären Erstlings – schon deshalb waren die Erwartungen hoch. Ich war also gespannt.

Wie es der Zufall wollte, sollte uns unser diesjähriger Sommerurlaub nach Holland führen. Meine Kindheitserinnerungen an dieses Land sind vielfältig. Im Ruhrgebiet aufzuwachsen heißt schließlich jedes Wochenende in Holland zu verbringen. Die Dünen und die wunderbare Nordsee sind in meinen Erinnerungen präsenter als Schokomel und Frikandel geblieben – und das ist in meinem Fall sehr ungewöhnlich, denn Essen nahm schon immer einen großen Stellenwert in meinem Leben ein.

Mit wieder aufgefrischten Erinnerungen sind wir nun zurück und jetzt weiß ich es wieder. Holländisches Essen ist furchtbar. Alles frittiert. Wenig Abwechslung. Und bis auf ein paar Highlights wie Muscheln oder Matjes, ungenießbar jenseits kulinarischer Hotspots. Sogar der zart schmelzende Matjes wird durch das labbrige süße Brötchen, in dem er serviert wird, abgewertet. Zum Glück hatte ich Home Made. Sommer in den Koffer gepackt. Erleichtert sah ich auf den ersten Blick, dass sich die Autorin nicht an ihren Wurzeln orientierte, sondern nach Frankreich blickte, wo sie ihre Sommer verbringt. Eine Bereicherung.

Das visuelle Konzept des Buches ist nicht originell, aber schön. Die Bilder sind von guter Qualität. Die Rezepte sind häufig illustriert. Man darf viele Blicke auf die Autorin werfen, aber dieser Trend scheint sich in den vergangenen Jahren eh verfestigt zu haben. Die Rezepte sind nach sommerlichen Kategorien wie Frühstück, Brunch oder Grillen geordnet. Die Mengenangaben und Zeitangaben sind angenehm verlässlich. Lediglich das Layout erschwert bisweilen nicht nur das Lesen, sondern macht es mitunter unmöglich Mengenangaben zu entziffern. Ein deutlicher Minuspunkt.

Elderblossom-boven-2Es findet sich sogar ein Kapitel zu Sommergetränken, was ich immer sehr ansprechend finde und sie sollten mein Einstieg ins Buch sein. Meine Schwester hatte sich angekündigt. Wir wollten den heißen Tag auf unserem Balkon mit leckeren Getränken und einem Salat beschließen. Eine gute Entscheidung. Und aufgrund des großen Erfolgs hat mein Mann selbstlos die Kategorie der alkoholischen Sommergetränke weiter abgearbeitet. Danke, Andi.

Am folgenden Tag waren wir zum Grillen eingeladen. Hier konnte ich gleich die Marinaden ausprobieren. Sie kamen sehr gut an. Schließlich gab es noch eine Reihe von Picknicks und auch hier griff ich wieder nach Yvette, um meine Mitbringsel zu kochen.

Wie bei keinem anderen Buch bisher, wurden die Rezepte aus dem „Sommerbuch“ also von den unterschiedlichsten Leuten probiert und die Rückmeldungen waren durchweg positiv. Das Konzept geht insgesamt auf, weil Yvette van Boven sich stark am Lebensgefühl des Sommers orientiert hat und daher für unterschiedlichste Ereignisse mit Rezepten vorsorgt. Der Sommer wird draußen gelebt. Mal in der Stadt und dann braucht es ein leichtes Rezept für Zuhause und mal draußen beim Grillen mit der richtigen Marinade und den vorbereiteten Beilagen. Dabei sind die Rezepte hauptsächlich Eigenkreationen, wie man sie in ihrem Restaurant bekommt (leider haben wir das nicht geschafft) oder wie man sie aus Frankreich kennt. Aber auch arabische oder asiatische Einflüsse werden sichtbar, die die Einwanderer aus den Kolonien mit nach Holland gebracht haben.

Hier passt der kulinarische Rezepte-Mix aber vor allem deshalb, weil er so unkonventionell wie persönlich ist. Auf jeden Fall hatten wir in diesem Jahr einen echter Sommer – auch wegen Yvette van Boven. Und er schmeckte gut.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2013

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