Kochbuch von Young-Mi Park-Snowden: Kimchi Princess

Kochbuch von Young-Mi Park-Snowden: Kimchi Princess ★★★★★

Kimchi Princess – Koreans Cook It Better
Young-Mi Park Snowden
Fotos Silvio Knezevic
Gräfe und Unzer Verlag (2017)
Mehr über den Verlag

Katharina Höhnk

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Die Eröffnung des Restaurants Kimchi Princess in Berlin-Kreuzberg war 2009 ein Ereignis. Hatte bisher die koreanische Gastronomie in der Hauptstadt ein stilles Nischendasein gewählt, wurden die Karten nun neu gemischt.

Inhaberin Young-Mi Park-Snowden hatte eine Location geschaffen, die Atmosphäre und Coolness vereinte. Das Restaurant intim in schwarz-roten Farben getaucht, die Gäste casual beisammen an langen dunklen Holztischen und die Karte randvoll gefüllt mit eindrücklichen Namen, die man sich als Europäer sogar sofort merken konnte. Alles von einem Beat begleitet, der lauter je länger der Abend wurde. Ein Restaurant mit Club-Anleihen. Der Laden brummte. „Warst Du schon im Kimchi Princess?“, war die Frage der Saison im Zirkel der Food-Neugierigen und Nachteulen.

Bibimbap mit dem Löffel!

Hier genoss ich zusammen mit unserer Christiane mein erstes Bibimbap und lernte, es durchzurühren und mit dem Löffel zu essen. (Anders als im Buch beschrieben hat aber nicht der Ober Hand angelegt …) Es folgten weitere Eindrücke mit Reisschalen. Irgendwann wurde ich dann untreu – die Gastronomie in der Hauptstadt explodierte und ja, der Sound war mir schlicht zu laut.

Nun gibt es das Buch zum Restaurant, das jetzt aufgeklappt neben meinem Laptop liegend so gesehen auf mich überraschend still wirkt. Aber das ist nicht die einzige neue Facette. Interessanterweise gibt das Kochbuch auch eine andere Seite preis, die im Getöse des Restaurants naturgemäß untergeht – seine Inhaberin Young-Mi Park-Snowden, die heute mehrere Restaurants führt.

Chefin sein heißt nicht gleich Autorin sein zu können. Young-Mi Park-Snowden füllt diese weitere Rolle souverän aus – als professionelle Gastgeberin und Kulturvermittlerin mit ihrem Team an der Seite. Sie führt den Leser gleich zu Beginn persönlich und informativ durch ihre Biografie und die Küche mit ihren Besonderheiten. Auf Letzteres blickt sie mit einem geschulten Blick von außen: Aufgewachsen in Wolfsburg als Tochter von Koreanern, erlebte sie die ganze Welt der koreanischen Küche zunächst nur alle paar Jahre bei Verwandten in Korea, bis sie für ein Studienjahr in Seoul eintauchte. Wohl auch deshalb hat sie nicht nur die Tradition im Blick, sondern auch die Gegenwart des Tigerstaates.

Ich war zum Beispiel überrascht zu lesen, dass in dem Land, das per se für besonders gesundes Essen steht, die Koreaner eine weitere Optimierung für notwendig erachten. Der heißeste Food-Trend sei Wellbeing-Food, schreibt Young-Mi Park-Snowden, und ausgerechnet die bei uns geliebte, dabei gesundheitlich völlig unbeachtete Kürbissuppe würde als Energie-Booster gegessen.

Mehr als Restaurant-Rezepte & Classics

Das Kochbuch Kimchi Princess wird aber nicht nur von diesen Perspektiven geprägt. Hier schreibt auch eine Berlinerin, Mutter und Kreative. Das verraten die Kapitel selber nicht auf Anhieb – Korean Basics und Classics, Banchan, Barbecue und Vorspeisen, Süßes & Drinks –, aber wer liest, ist bekanntlich im Vorteil.

Der Glasnudelsalat (Jap-chae) sei der ideale Kita-Fest-Salat. Tränen bei übrig gebliebenem Reis müssen nicht mehr sein dank des Reste-Rezepts für gebratenen Kimchi-Reis. Und wenn Ebbe im Portemonnaie ist, dann könnte man den koreanischen Ratschlag befolgen, Pajeon zu essen, einen Meeresfrüchte-Pfannkuchen, der hier zwar nicht ganz so preiswert ist, aber im Nu auf dem Tisch.

Das feine Kapitel Süßes & Drinks will, nein, muss erwähnt werden. Hier findet sich eine skandalös tolle Variation des Moscow Mule zubereitet mit Soju, eine koreanische Spirituose, die das Restaurant bzw. seine Bar am 1. Mai korea-style-mäßig im Plastik-Zip-Beutel mit Strohhalm in Kreuzberg verkauft, da an dem immer noch berüchtigten Tag der Arbeiterkämpfe jedes wurfgeschosstaugliche Etwas verboten ist. Bei mir hat das Rezept nicht am 1. Mai, sondern den ganzen Sommer für Easy-Momente gesorgt – dank Soju völlig katerfrei (!). Eingebettet ist das Rezept übrigens zwischen Zimtpunsch mit Pinienkernen und Honig-Ingwer-Tee, die meinen Winter bereichern werden.

Bemerkenswert sind für mich die Family-Style Eintöpfe und Pfannen, die erfrischend scharf und unbekannt aromatisch klingen. Das Hühnchenschmorgericht Andong Jjimdak, das in Südkorea genossen einen Schärfe-Frontalangriff auf unsere Schleimhäute auslöste, findet sich hier in so fabelhafter Ausführung, dass es eines unserer Lieblingsgerichte geworden ist – ich darf mir eines töchterlichen Freudenschreis sicher sein, wenn es auf der Tafel steht (was wahrlich nicht selbstverständlich ist). Und auch ich schwärme: diese Sauce.

Wer das Kochbuch Kimchi Princess in die Hand nimmt, wird überrascht sein: dem braven Cover mit dem frechen Untertitel Koreans cook it better folgt ein kraftvoll-cooles Layout, das an das Berliner Restaurant anknüpft. Die kulinarische und erzählerische Breite sind seine Stärken. Abseits der bekannten Klassiker finden sich köstlich-pragmatisch Praktisches, Überraschendes und Trendiges. Das Kochbuch hat unseren Ordner der Lieblingsrezepte deutlich bereichert und erhellende wie unterhaltende Momente beschert.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Dezember 2017

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