Kochbuch von Yotam Ottolenghi & Sami Tamimi: Jerusalem

Kochbuch von Yotam Ottolenghi & Sami Tamimi: Jerusalem ★★★★★

Jerusalem: Das Kochbuch

Yotam Ottolenghi, Sami Tamimi, Dorling Kindersley Verlag

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Heike Dölling

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Jerusalem – ich erhielt mein Exemplar schon im Dezember frisch aus England eingeflogen als Geschenk von einem Gast, der meine Leidenschaft kannte. Ein wahres Prachtstück, signiert von Yotam und Sami im passenden Stoffbeutel. Wow! Hatte die Aufmachung der beiden Vorgänger für Diskussionsstoff gesorgt, so kam dieses Buch edel mit Leinen bezogen und mit einem goldfarbenen Ornament aus Schriftzeichen der arabischen und hebräischen Sprache verziert in meine Küche.

Und erst der Inhalt … Hilfe, ich müsste mindestens 2 Wochen Urlaub nehmen, um mich Tag für Tag genussvoll durch das Buch zu kochen und es zu lesen. Beim ersten Blättern geht mein Herz auf, denn das ist die Küche, die ich liebe, hier bin ich kulinarisch zu Hause. 126 Rezepte aus der Stadt der drei Weltreligionen – ein gekonnter Mix aus traditionellen Gerichten und Klassikern im neuen Gewand à la Ottolenghi. Zubereitet mit den typischen heimatlichen Zutaten wie Cardamom, Sumac, Mandeln, Rosenwasser, Dattelsirup, Granatapfel u.v.m. Für mich ist das eine Sehnsuchtsküche! Kulinarischer Wandertag im Orient! Üppig – gewürzig – farbig!

Die 318 Seiten sind bebildert mit den gewohnt guten Foodfotos von Jonathan Lovekin, die einfach nur Appetit machen. Die Bilder aus Jerusalem, die die Atmosphäre dieser besonderen Stadt und ihrer Bewohner einfangen, stammen von Adam Hinton. Sie könnten nicht besser sein, denn sie sind so typisch und zeigen wie lebendig die spezielle Atmosphäre dieser einzigartigen Stadt ist mit ihrer Vielfalt in Licht und Farben.

Es ist ein sehr persönliches Buch der zwei Freunde Yotam und Sami geworden. Die beiden haben ihre Geburtstadt vor über 20 Jahren verlassen. Sami ist Palästinenser und stammt aus dem moslemischen östlichen Teil der Stadt. Yotam ist im jüdischen Westen aufgewachsen. Sie lernten sich erst 30 Jahre später in London kennen. In der Einführung heisst es, dass Geschmack und Geruch von Jerusalem ihre Muttersprache sei, Jerusalem habe sie kulinarisch zu dem gemacht, was sie sind, es sei ihre kulinarische DNA. Diese Stadt ist ein Treffpunkt zwischen Europa, Asien und Afrika. Heute sind Yotam Ottolenghi und Sami Tamimi Freunde und Geschäftspartner in London.

Die ersten 18 Seiten stimmen den Leser ein: Vorwort, das Essen in Jerusalem, die Leidenschaft, die dort in der Luft ist.  Es folgt ein Kapitel über die Rezepte selbst, die sie z.T. modernsiert und ihrem persönlichen Stil und Geschmack angepasst haben. Und schließlich ein Kapitel über Ursprung und Anspruch von Originalität bei Rezepten und die Geschichte der Stadt.

Nun zu den Rezepten: Gemüse, Hülsenfrüchte und Körner (eins meiner Lieblingskapitel), Suppen, Gefülltes, Fleisch, Fisch, Pikantes Gebäck, Süssigkeiten, Desserts, Gewürze und Basics. Alle Rezepte werden ausführlich vorgestellt, woher sie stammen und von wem. Viele sind mit wunderbar persönlichen Anekdoten versehen. Die Beschreibung ist genau und alles läßt sich gut umsetzen und hat man die Basis Zutaten sowie Gewürze in der Vorratskammer, dann sind sie kein Problem.

Das Genialste an diesem Buch ist die Mischung. Es ist kulinarisch hochkarätig, philosophisch, irgendwie auch politisch, humorvoll und voller liebevollen Kindheitserinnerungen und Geschichten. Man sieht förmlich Samis Mutter Na’ama in der Küche stehen und Ruth, Yotams Mutter, Schulbrote mit Schinken (?) schmieren.

Es sind auch die dazwischen gestreuten Kapitelchen z. B. über Za’tar, Baba ghanoush, Falafel, Keeping kosher und alle möglichen Fleischbällchen – Jerusalem als Welthauptstadt von Kibbeh (Gefülltes), die mir so gut gefallen. Man kann alles mögliche füllen und jede der vielen Kulturen in der Stadt kennt mindestens ein Gericht. Meine Tagesmutter in Haifa konnte stundenlang in der Küche stehen und alle möglichen Gemüse aufs Köstlichste füllen – leider mussten sich damals unsere Wege trennen, weil sie mehr füllte als sittete!

Dass Yotam Ottolenghi und Sami Tamimi kochen können, das wissen wir schon aus den beiden ersten Büchern, aber hier ist ihnen etwas ganz Besonderes gelungen (Buch 1, Buch 2). Meine israelische Freundin wollte dieses Meisterwerk zu Pessach ihren 3 Söhnen schenken. Ausverkauft! Ich verstehe sehr gut, dass die erste Auflage weg ging wie warme Semmeln. Dieses Buch gehört in jede Kochbuchsammlung.

Als Schlusswort: Die Idee der beiden, dass vielleicht „Hummus“ die verschieden Menschen in der Stadt friedlich vereinen könnte, ist wunderbar!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2013

11 Kommentare

  1. PollyEsther

    Za’atar habe ich für 2 Euro im marokkanischen Laden gefunden – das ist getrockneter Thymian, Sesam und Salz, das kann man sich also auch selbst machen. Benutzt habe ich das für den Ofenkürbis mit Tahinsauce, den ich auch mit Hokkaido statt Butternut-Kürbis gemacht habe:
    http://fotoefornelli.com/de/2014/10/zucca-arrosto-con-salsa-di-tahina/

    Die Pistaziensuppe findet man u.a. hier:
    http://www.bushcook.de/2013/10/jerusalem-menu-pistaziensuppe.html

  2. besseressen

    Eine schöne und zu recht lobende Besprechung. Habe das Buch als Geburtstagsgeschenk erhalten. Der erste Versuch daraus war Pistaziensuppe – zusammen mit Safran, Orangen, Zitronen, Ingwer und Lauch. Auch sehr zu empfehlen!

    (Außer Rosenwasser. Daran kann ich mich einfach nicht gewöhnen).

    • Katharina

      Danke! Ah, sehr interessant. Gleich ein Post-it gesetzt. 🙂

    • PollyEsther

      Die Pistaziensuppe ist der Kracher und lohnt den hohen Zeitaufwand – Pistazien schälen, häuten, rösten – das dauert.
      Tomaten-Couscous und Möhrensalat fand ich eher langweilig, aber das kann ja Zufall sein.
      Harissa und Sumach kriegt man ja problemlos, bei Za’atar wird es schon schwieriger …

  3. Kristina

    Kristina 15.10.2013

    Habe mich spontan in dieses Buch verliebt und von meinen Freundinnen im Mai geschenkt bekommen.
    Seitdem fristen viele andere ein trauriges Dasein, weil ich nicht anders kann, als täglich daraus zu kochen, abends in meiner zugegebenermaßen winzigkleinen Küche – doch es geht. Alles stimmt aufs feinste, alles gelingt, überrascht und schmeckt irgendwie trotzdem nach zu Hause. Empfehlenswert in jedem Fall der Salat mit Safranhähnchen und Kräutern, Mejadra, Puten-Zucchini-burger und GRAUPENSALAT mit PETERSILIE!! Was soll ich noch sagen, ich habe keine Zeit zum Schreiben, ich muss weiterkochen…

  4. Heike

    Für diese Küche sind Koriander, Cumin, Piment ganz und gemahlen unerläßlich, Kardamom, Tumeric, Chiliflakes Paprika süss, Za’atar und Sumac, Zimt und Nelken, Sternanis, Fenchel, Anis und Muskatblüte seltener. Frisch ist natürlich Petersilie, Koriander, Minze ( Na Na ) stark vertreten. Immer sollte auch gutes Tahini im Haus sein, ich liebe das weisse cremige Tahini vom Libanesen oder aus Israel. Für die süssen Sachen braucht man Vanillestangen, Orangenblüten und Rosenwasser. Viel Spaß beim Schenken, es ist wirklich ein tolles Buch!

  5. Joanna

    Mein Mann hat mich mit diesem Buch überascht. Es ist so gut einfach nur lesen macht Spass und Hunger. danke für die rezension. Joanna

  6. coffee addict

    Hallo, vielen Dank für diese Rezension! Ich will das Buch verschenken und dazu noch ein paar exotische Gewürze oder Kräuter, die man braucht. Welche Gewürze oder Kräuter würdest du sagen kommen ganz oft vor? Das wäre ganz lieb von dir, wenn du mir da ein paar Tipps geben würdest, da ich es nicht mehr schaffen werde, das Buch zu bestellen, selbst reinzugucken und dann eventuell ausgefallen Sachen im Internet zu bestellen. Vielen Dank, würde mich sehr über Antwort freuen!!!!

    • Katharina

      Na klar, machen wir. Schreibe gleich Heike. Sie meldet sich in Kürze.

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