Kochbuch von Yohanis Gebreyesus: Ethiopia

Kochbuch von Yohanis Gebreyesus: Ethiopia ★★★★★

Ethiopia – Rezepte aus einem
einzigartigen Land
Yohanis Gebreyesus
Fotos: Peter Cassidy
Knesebeck Verlag (2019)

Julia Eckl-Dorna

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Warum wird der Kochbuchmarkt von Büchern zum Thema Asien geradezu überschwemmt, während es kaum Neuerscheinungen gibt, die den afrikanischen Kontinent beleuchten? Diese Frage stelle ich mir schon länger und seit „Ethiopia“ umso mehr. Sind Sie so wie ich neugierig auf kulinarisches Neuland? Dann sind Sie bei Yohanis Gebreyesus in den besten Händen.

Vor ein paar Monaten streiften wir am Abend hungrig durch die Stadt und waren zum ersten Mal äthiopisch essen. Begeistert aßen wir uns durch die Speisekarte und konnten nicht genug bekommen von den einfachen und gleichzeitig geschmacklich vielschichtigen Gerichten. Bonus für die Kinder: In Äthiopien isst man alles mit den Fingern! Zufällig entdeckte ich, dass bei Valentinas gerade ein äthiopisches Kochbuch zur Rezension zu vergeben war und schlug begeistert zu. Seitdem durchzieht der Duft nach Berbere (äthiopische Gewürzmischung), diversen Eintöpfen und Injera (äthiopisches Fladenbrot aus Teffmehl) unsere Küche und wärmt uns an dunklen Winterabenden.

Ein Globetrotter kehrt zurück

Kochbuchautor Yohanis Gebreyesus

Yohanis Gebreyesus (Foto links), geboren und aufgewachsen im Herzen Äthiopiens in Addis Abeba, absolvierte seine Kochausbildung am renommierten Institut Paul Bocuse und arbeitete dann einige Jahre in Edelrestaurants Südfrankreichs sowie in einem kalifornischen Luxusresort. Nach Äthiopien zurückgekehrt kocht er in seiner eigenen TV-Show, wobei er die verschiedensten Regionen und kulinarischen Kostbarkeiten seines Landes kennenlernte. Diese neue Begegnung mit seinem eigenen Land prägte ihn und so ist auch sein Kochbuch ein Streifzug quer durch Äthiopien. Mittlerweile betreibt er sein eigenes Restaurant „Antica“ in Addis Abeba, dem bald auch ein Hotel folgen soll.

Teff – das kommende „Superfood“?

Hinter einem unauffällig gehaltenen Einband verbirgt sich eine eigene Welt. Zahlreiche Bilder begleiten nicht nur die Speisen (und setzen sie gekonnt in Szene), sondern gewähren dem Leser auch einen Einblick in Land und Leute. Sie wecken in mir sofort die Lust, den Koffer zu packen und loszuziehen, um dieses Land kennenzulernen.

Kochbuch von Yohanis Gebreyesus: Ethiopia

Zutaten und Zubereitungen der jeweiligen Speisen sind genau beschrieben, und die Zwischentexte bringen einem die verschiedenen Zutaten und die vielschichtige Kultur eines Landes, das etwa dreimal so groß wie Deutschland ist, näher. So erfährt man, dass „Teff“, eine indigene Getreidsorte, die seit 3000 Jahren in Äthiopien kultiviert wird, etwa die Größe von Mohnsamen hat und ein Kraftpaket an Nährstoffen wie Eisen, Kalzium, Eiweiß und Ballaststoffen darstellt. Da es auch glutenfrei ist, wird nun Teff auch in einigen US-Staaten und Teilen Europas kultiviert. Wer weiß, vielleicht ist es in ein paar Jahren als Superfood in aller Munde?

Die Beschaffung der diversen Zutaten für die Gerichte hat sich als nicht ganz einfach herausgestellt. Wenn auch Teffmehl und Berbere in einem gut sortierten Afrika-/Asien-Geschäft zu finden waren, so konnte ich zum Beispiel Koseret, ein Oregano-ähnliches Kraut, weder im Geschäft noch im Internethandel finden. Der Autor dürfte die Schwierigkeiten in der Beschaffung schon vorausgeahnt haben und so ist sympathischer Weise für jede exotische Zutat auch eine Alternative im Buch angegeben.

Slowfood im besten Sinne

Unsere Begeisterung für die äthiopische Küche (und Gebreyesus ’ geniales Kochbuch) wächst mit jedem ausprobierten Rezept: Das glasierte Brathähnchen in Sesamkruste enthält durch den Schwarzkümmel den speziellen Pep. Der scharfe Rindfleischeintopf ist sofort aufgegessen, und auch die vegetarischen Speisen wie Kartoffeln und Kohl in Ingwer-Kurkuma Sauce begeistern restlos.

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Glücklicherweise sind alle mit viel Soße, die mit Injera (einem in der Pfanne gebratenen landestypischen Fladenbrot) aufgetunkt werden kann. Einzig der Gersten-Porridge überzeugt Kinder mehr als Erwachsene, aber das ist bei der Fülle an großartigen Rezepten vernachlässigbar. Bei „Ethiopia“ besinnt man sich wieder, wie viel Geschmack einfach durch langsames Kochen auch bei wenigen Zutaten entstehen kann. Es braucht nicht zwei Seiten Angaben, meist genügen wenige Zeilen und eine überlegte Auswahl an Gewürzen. So unterstreicht Kardamom gekonnt den Geschmack des zarten, in Buttermilch eingelegten Hähnchens. Mit ein wenig Brühe und Kurkuma war eine perfekte Sauce dazu fertig. So einfach kann gutes Kochen sein.

„Ethiopia“ überzeugt mit (einfacher) Ausgewogenheit und stimmigen Rezepten. Ein Kochbuch, das mich noch lange begleiten wird – Injera hat bereits einen fixen Platz in unserem Beilagenrepertoire erobert. Bleibt nur zu hoffen, dass Afrika in Zukunft stärker den Kochbuchmarkt erobert!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Februar 2020

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