Kochbuch von Yi Yang-Cha, A. E. Möller: Koreanisch vegetarisch

Kochbuch von Yi Yang-Cha, A. E. Möller: Koreanisch vegetarisch ★★★★☆

Koreanisch vegetarisch
Yi Yang-Cha, Armin E. Möller, Hädecke Verlag (2011)
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Christiane Schwert

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

„Haben Sie heute schon gegessen?“, fragen sich Koreaner zur Begrüßung. Ein tolles Land, denke ich, und bin gespannt auf die Rezepte! Koreanisch Vegetarisch ist ein sympathisches kleines Kochbuch, angenehm unprätentiös und uneitel und ganz dem Nachkoch und dem Sujet, der koreanischen Küche, zugewandt. Zurückhaltend, auch in der Aufmachung, zeigt es aber beim Nachkochen eindeutig seine Stärken: einfache, schmackhafte Gerichte, leicht nachzukochen und eben mal was anderes, nämlich koreanisch!

In Korea, so erfahre ich im Vorwort, waren Fisch und Fleisch stets teuer. Daher sind in diesem essbegeisterten Land viele einfallsreiche Gemüserezepte entstanden. Die meisten Koreaner sind zudem davon überzeugt, dass das richtige Essen den Gang zum Arzt erspart. Und da auch Fett jeder Art immer kostspielig war, ist die koreanische Küche, wie sie Yi Yang-Cha und Armin E. Möller vorstellen, leicht und damit ganz im Zeitgeist.

Die Autoren schaffen einen gekonnten Zugang zu den vegetarischen Speisen und ihrer Zubereitung. Wir erfahren etwas über die koreanische Küche im Allgemeinen, über spezielle Kochtechniken und besondere Zutaten. Schließlich kommen die Rezepte: Pasten, Snacks und Suppen, aber auch Reis- und Nudelgerichte, Festtagsküche und süße Speisen.

In unserer auch kulinarisch globalisierten Welt mag es vielleicht etwas altbacken anmuten. Aber während ich mediterrane Gerichte immer wieder essen kann, ist es bei asiatischen so, dass sich schnell eine gewisse Übersättigung einstellt. Nicht so bei der hier vorgestellten koreanischen Küche. Wie oft steht man vor Kühl- und Küchenschrank und hat keine rechte Idee. Umso erstaunlicher für mich, wie aus unscheinbaren, vorrätigen Zutaten mit wenigen Handgriffen ein ungeahntes kleines Gericht werden kann! Die scheinbar simplen Speisen werden hier so zubereitet, dass sie eine kleine, aber entscheidende geschmackliche Wendung nehmen.

Während man sich bei manch anderen asiatischen Länderküchen zunächst ein gewisses Repertoire an Zutaten „erarbeiten“ muss, benötigt man hier für viele Rezepte nur einige Basics: helle und dunkle Sojasauce, Sesamkörner und Sesamöl sind ein guter Anfang. Letzteres hat für mich ganz neu an Bedeutung gewonnen. Ein geschenktes Fläschchen stand unberührt im Schrank, nun ist es leer und ich habe es verstanden! Das es eben nicht nur Öl ist, sondern vielmehr ein Würzmittel! Durch die Reduktion auf einige wenige Zutaten, die bewusst eingesetzt werden, treten diese ganz neu hervor!

Die Rezepte an sich scheinen oft zu bescheiden, um als Hauptgericht zu bestehen. Tatsächlich ist es ein Wesensmerkmal der koreanischen Küche, möglichst viele verschiedene Speisen anzubieten. Und möglichst von unterschiedlicher Farbgebung. Da die meisten Rezepte leicht nachzukochen sind, ist es auch für den ungeübten Nichtkoreaner kein allzu großer Aufwand ein kleines „Buffet“ bereitzustellen. Mir hat besonders der Gedanke, verschiedene farbliche Kontraste auf den Tisch zu bringen, sehr gut gefallen. Außerdem bringt es Freude in geselliger Runde aus vielen kleinen Schüsselchen zu kosten. So schlägt Yang-Cha eine Vorspeisenplatte vor, die ich sofort nachgekocht habe: Möhrenbeilage (orange), Gurkenbeilage (grün), Pilzbeilage (dunkelbraun) und Zwiebel-Eierküchlein (rund und gelb). Das sind zugegeben unaufregende Rezepttitel, aber erstaunlich lecker und in der Kombination schon rein optisch eine Freude. Die Portionen sind allerdings manchmal etwas knapp bemessen (das kann der Zufriedenheit ja unter Umständen einen Abbruch tun), sie sind aber vermutlich eben als Teil unter anderen zu verstehen.

Nur wenige der Rezepte sind bebildert, vielmehr finden sich einige Fotografien des koreanischen Alltags. Das Layout entspricht dem Inhalt. Es ist unaufgeregt und begleitet eben den Inhalt, ohne ihn zu dominieren. Die Rezeptbeschreibungen sind übersichtlich strukturiert, verständlich beschrieben und leicht nachzukochen. Nur die Zeitangaben für die Zubereitung fand ich etwas großzügig bemessen, aber das macht ja nichts.

Koreanisch Vegetarisch ist inhaltlich und gestalterisch mehr solide gut, als ein genialer Wurf. Was aber nicht negativ zu verstehen ist. Denn dieses Buch werde ich gewiss häufiger in die Hand als einen großartigen Kochband mit genialen, aber komplizierten Gerichten. Es ist eine echte Abwechslung für die schnelle Alltagsküche, mit Rezepten, die rundum zufrieden machen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Oktober 2011

4 Kommentare

  1. ipaintmyworld

    Die Rezension klingt spannend und lädt dazu ein, sich selbst in koreanischer Küche zu versuchen. Ich denke, ich werde es ausprobieren, schiefgehen kann offenbar wenig.

    • Katharina

      Wirklich, schiefgehen fast ausgeschlossen, würde ich sogar sagen.

  2. Doris

    Liebe Katharina, ich kann die Beurteilung von Christiane über das Buch und die Rezepte komplett bestätigen. Ich möchte noch ein Kim Chi-Rezept erwähnen, dass lecker ist und wirklich schnell geht. Kim Chi wird traditionell zu allen koreanischen Gerichten serviert. In diesem Rezept wird dafür Chinakohl verwendet (Seite 73). Selbst meine koreanischen Freunde haben es gelobt.
    Liebe Grüße Doris

    • Katharina

      Mmh, das klingt gut. Ich finde Kim Chi super, habe jetzt drei verschiedene Rezepte hinter mir. Dank Dir!

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