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Valentinas-Kochbuch.de – kochen, essen, glücklich sein | April 24, 2017

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Kochbuch von Yelda Yilmaz & Swantje Havermann: Food Swap ★ ★ ★ ★

Kochbuch von Yelda Yilmaz & Swantje Havermann: Food Swap
Rezension

Food Swap – Selbst gemachte Köstlichkeiten
zum Tauschen und Teilen
Yelda Yilmaz & Swantje Havermann
Edel Verlag (2016)
Mehr über den Verlag

VIER STERNE: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Dietmar Adam Von

Wieder mal ein neuer Trend in der Szene, der mich auf dem falschen Bein erwischt: Food Swap. Nie gehört. Was soll das nur sein? Aha, es geht ums Tauschen und Teilen von selbst gemachten Köstlichkeiten. Da bin ich doch dabei. Hat es aber früher auch schon gegeben. Zumindest wenn Oma ihre prall gefüllte Vorratskammer öffnete. Na ja, das war nicht ganz das Gleiche, denn sie erwartete keine Gegengabe, höchstens in Form eines lieben Dankeschöns.

Wie so vieles kommt Food Swap aus Amerika. Die Idee dazu klingt sympathisch: warum nicht die Möglichkeiten der Vernetzung nutzen, um Leute zusammenzubringen, die im heimischen Kämmerlein allerlei Köstlichkeiten herstellen und nun Abnehmer außerhalb des Familien- und Freundeskreises suchen? Auch reizt die Gelegenheit, bei gelegentlichen Treffen die Produkte und Rezepte anderer kennenzulernen. Doch wie das so häufig ist, scheint meine beginnende Euphorie in eine Zeit zu fallen, in der zumindest in München mehr Absagen als Termine auf der Tagesordnung stehen. Schade.

Eine enorme Bandbreite

Also wende ich mich lieber dem Buch zu, das von zwei Frauen (links ein Foto der beiden Autorinnen) erarbeitet wurde, die in Hamburg aktiv sind. Die Bandbreite der Rezepte ist groß, das zeigt schon das Inhaltsverzeichnis: Brot, Brotaufstriche, Marmeladen & Chutneys, eingelegt & eingemacht, Kleingebäck, Knabberkram, aus der Flasche.

Das klingt gut und entsprechend umfangreich wurde dann die Liste, die ich mir beim ersten Durchblättern zum Nachkochen anlegte. Anders als in Omas Vorratskammer offenbart sich hier die Vielfalt der heutigen Zeit, schließlich gab es anno dunnemals aber auch noch kein Internet. Und mit der Vielfalt einher gehen natürlich auch die aktuellen Trends wie diverse Superfoods oder Rezepte, die auf Unverträglichkeiten Rücksicht nehmen. Aber das hält sich in Grenzen, sodass ich als progressiver Traditionalist nicht angefangen habe zu murren.

Auch die optische Qualität überzeugt mit Appetit anregenden, nicht überkandidelten Fotos – fast jedes Rezept hat ein eigenes. Schön auch, dass einige Themen wie Marmelade und Fermentieren Einleitungen bekommen haben, in denen grundlegende Dinge erläutert werden. Ich befürchte nur, dass das für absolute Anfänger nicht ganz ausreichen wird. Es ist schon etwas abenteuerlich, ein solch komplexes Thema wie Sauerteig auf einer halben Seite abzuhandeln. Auch zur Frage der Haltbarkeit hätte ich mir oft etwas genauere Aussagen gewünscht.

Auch Traditionelles kann überraschen

Aber es gibt natürlich auch viele Rezepte, bei denen die Gefahr des Scheiterns wesentlich geringer ausfällt. Etwa beim Liptauer, einem deftigen Brotaufstrich, den ich bisher noch nicht kannte und der flugs in mein Repertoire Einzug gehalten hat. Genial auch das eingesalzene Suppengemüse, das sich ganz ohne künstliche Konservierungsstoffe lange im Kühlschrank hält. Gefallen haben mir auch die zahlreichen originellen Rezepte für süße oder pikante Knabbereien und Plätzchen. Aber auch die Marmeladen und die sonstigen Aufstriche können sich sehen lassen. Diese Aufzählung bleibt unvollständig – und vieles wartet noch darauf, von mir ausprobiert zu werden.

Mitunter war ich mit einigen Zubereitungsanleitungen etwas unzufrieden, wenn sie arg knapp ausgefallen sind. Als positiv hingegen habe ich die jeweiligen Einleitungen zu den Rezepten gefunden, in denen vorab auf Besonderheiten hingewiesen wird.

Ein schönes Buch zu einer guten Idee mit vielen kreativen Anregungen für Leute, die gerne über den eigenen Vorrat hinaus anderen Menschen mit ihren kulinarischen Werken eine Freude bereiten möchten.

Nachgekochte Rezepte:

Cranberry-Chutney
Mmh, ist das gut. Die herben Cranberrys eignen sich hervorragend für ein Chutney. Allerdings habe ich auf den 3:1-Gelierzucker zugunsten von Rohrzucker verzichtet.

Lemon Curd
Lemon Curd habe ich schon häufiger gemacht, es ist einfach zu köstlich. Gereizt hat mich hier der Hinweis auf eine Variante, bei der Mangofruchtfleisch hinzugefügt wird. Da es nicht so einfach ist, eine wirklich gute Mango zu bekommen, habe ich mich für pürierte Mango aus der Dose entschieden und war mit dem Ergebnis ziemlich zufrieden.

Eingemachter Kürbis
Ein feines, ziemlich traditionelles Rezept. Zehn Nelken waren mir etwas zu viel, die Hälfte war gerade recht. Nachdem ich im Urlaub eingemachten Kürbis mit Limettenscheiben schätzen lernen durfte, habe ich das Rezept in diese Richtung erweitert.

Karamellcreme
Die Anleitung sieht vor, dass man zuerst Zucker schmelzen lässt und dann Wasser dazu gibt, und warnt, dass es spritzen kann. Ich habe da lieber meine erprobte Methode gewählt und gleich den Zucker mit etwas Wasser erhitzt, bis er karamellisiert. Da spritzt garantiert nichts. Die Creme ist wie zu erwarten sehr delikat, allerdings auch äußerst üppig.

Geschrieben im April 2017