Kochbuch von Virginia Horstmann: Zucker, Zimt und Liebe

Kochbuch von Virginia Horstmann: Zucker, Zimt und Liebe ★★★★☆

Zucker, Zimt und Liebe
Jeannys süße Rezepte
Virginia Horstmann
Hölker Verlag (2014)
Mehr über den Verlag

Katharina Höhnk

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Großmutters Stickschürze, Pastellfarben, Vintage-Requisiten in der Küche, Perlenarmband am Handgelenk und ein hingebungsvoller Blick auf den Kuchenteig. Die gute alte Zeit gedeiht hier weiter, Verlässlichkeit und Liebe schweben in der Luft. Eine nostalgisch warme Inszenierung präsentiert Virginia Horstmann ihren Lesern – in der Kochbuch-Neuerscheinung wie im Web. Mit ihrem Blog Zucker, Zimt und Liebe hat sie im Meer der kulinarischen Websites einen ganz eigenen Farbtupfer gesetzt.

Es ist die Saison der Blogger-Kochbücher. Nachdem viele Jahre nur vereinzelt Titel erschienen sind, ist der Bann gebrochen. Die Verlage vertrauen darauf, dass Blogger auch in der Offline-Welt ihre Fans begeistern und neue finden werden. Virginia Horstmann hat „erst“ vor zwei Jahren losgelegt und sich innerhalb kürzester Zeit ein strahlendes Renommee erarbeitet. Geholfen hat ihr auch, dass sie gelungene Projekte ins Leben gerufen hat als Initiatorin von Post aus meiner Küche und mit ihren Seminaren über Food-Fotografie.

Genug des Lobes? Nein. Wenn über Blogger und ihre Kochbücher gesprochen wird, fehlt mir in der Regel ein anerkennender Aspekt, der einen großen Unterschied macht. Normalerweise stemmt ein ganzes Team eine kulinarische Publikation und zwar Autor, Stylist und Fotograf. Manchmal sogar noch ein Koch. Die Web‘ler sind dagegen echte Einzeltäter – bei ihnen kommt alles aus einer Hand und so ist es nur natürlich, dass die Stärken in Sachen Text, Kulinarik und Optik sich unterschiedlich verteilen. Jedes Sujet ist schließlich eine für sich stehende Profession.

kochbuch-virgina-horstmann-zucker-valentinas-chaiBei Virginia ist das anders. Ihre Begabung ist es aus einer Idee eine Inszenierung aus einem Guss zu formen – kein Aspekt kommt zu kurz. Interessanterweise bricht die Autorin nur auf facebook mit dem lieblich süßen Bild, was mir gefällt: Hier gibt es auch Reise-Fotos, Familiäres und Package-Begeisterungs-Statements mit Humor. Die feine Selbstironie, ihr sympathisches Augenzwinkern fanden in dem Kochbuch textlich etwas und den anknüpfenden Merchandising-Produkten leider keinen Platz. Schade, sind sie doch Zeugnis ihrer Stilsicherheit.

Kommen wir zu Valentinas Hauptaugenmerk – dem kulinarischen Fokus: Die Rezepte verteilen sich auf Kapitel der süßen Lust aus dem Backofen: Kleine süße Sünden, Für den Kuchenteller, Aus der Keksdose, Französische Tartes & American Pies, Im Schokoladenhimmel. Sie spiegeln den optischen Retro-Blick mit Zimtschnecken, Amerikaner und Zuckerkringel perfekt wieder. Marmelade und Fruchtmus statt frische Früchte erleben hier eine kleine Renaissance wie z.B. in dem Apfelmuskuchen – genau so wie zu Großmutters Zeiten, als die Saison der Obstsorten noch ein Gesetz ohne Aber in der Küche bedeutete. Der Einfluss aus UK/USA ist bei Virgina ebenso unübersehbar: alleine acht Pies stehen zur Auswahl. Nicht alles ist neu. Einige Rezepte finden sich auf ihrem Blog wieder wie z.B die Birnen-Tarte-Tatin und Orangen-Amerikaner.

Wer wenig Zeit fürs Einkaufen hat, für den ist das Buch eine Freude – man schlägt es auf, sucht ein Rezept und stellt fest, man kann es aus der Vorratskammer backen. Allerdings sollte er zu den Conaisseuren gehören, für die der süße krümelige Teig im Vordergrund steht bzw. das einzig wahre ist und weniger leichtfüssige Kompositionen mit frischen Früchten oder Crème. Hübsch anzusehen sind die süßen Werke allesamt, zuhause in ihrer Schlichtheit und auf den Fotos samt Styling. Diese Gewichtung setzt sich fort – die innovativen Ideen in diesem Backbuch entspringen mehr der Optik als dem kulinarischen Gedanken wie z.B. bei der Blaubeer-Torte – ein Hingucker-Traum aus einem hochgewachsenen Kuchenteig, weiß getüncht mit ein paar Blaubeeren als i-Tüpfelchen. Wie ein elegantes Sommerkleid. Trägt man gerne, sieht man gerne. Die Rezepte ließen sich alle leicht nachbacken. Der Genuss der probierten Rezepte fiel ganz unterschiedlich aus – von Ruckzuck-weg-Begeisterung bis höflichen Mienen.

Zucker, Zimt und Liebe ist eine gelungene Fortsetzung des Blogs bzw. Übertrag von dort in ein Buch. Dem nostalgischen Blick bleibt das Kochbuch treu mit einfachen Rezepten inkl. little Twist und hübschem Look, die man meist direkt aus der Vorratskammer backen kann. Hier ist eine inspirierende Bloggerin am Werk.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2014

Meistgelesen

Themen A-Z