Kochbuch von Virginia Horstmann: Frühstücksglück

Kochbuch von Virginia Horstmann: Frühstücksglück ★★★☆☆

Frühstücksglück
45 leckere Gründe morgens aufzustehen
Virginia Horstmann
Illustrationen Julia Marquardt
Autorenfoto Jessica Preuhs
Hölker Verlag (2015)
Mehr über den Verlag

Christiane Schwert

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Das Frühstück ist eine bei uns eher stiefmütterlich behandelte Mahlzeit. Unter der Woche gibt es Müsli mit Obst und Joghurt. Wochenends wechselt es zwischen Pfannkuchen und Brötchen mit süßem Aufstrich. Warum also nicht etwas Schwung in das morgendliche Einerlei bringen?

Virginia Horstmann ist über ihren Foodblog „Zucker, Zimt und Liebe“ in die Printwelt vorgestoßen. Das vorliegende Kochbuch ist innerhalb kürzester Zeit nun schon ihr drittes! Bekannt wurde sie vor allem durch ihre „süßen“ Rezepte. Im „Frühstücksglück“ nun erweitert sie ihr Repertoire und bietet uns Lesern eine echte „One-Woman-Show“: Sowohl der Text, als auch die Fotos und Rezepte sind von ihr. Hut ab!

Luftig & leicht

Von dem Buch – mit Lesebändchen – war ich gleich auf den ersten Blick sehr begeistert. Es gehört für mich, rein gestalterisch, zu einem der schönsten der letzten Zeit. Ganz luftig und leicht kommt es mit seinem elegant geprägten Schriftzug daher. Schade nur, dass sich die köstlich ausschauenden Pancakes nicht im Buch finden lassen. Auch den abgebildeten Obstsalat und das Müsli mit den dicken Schokostücken konnte ich nicht entdecken…

Was sich findet, sind Rezepte zu Bagels, Brot & Brötchen (seltsamerweise gibt es dann aber kein einziges Brötchen-Rezept, hm.), Pfannkuchenträume, Sandwiches & Aufstriche, das Gelbe vom Ei, Müsli, Obst & Jogurt, Süße Morgenbäckerei und Smoothies & Wachmacher. Und alle sind bebildert.

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Variationen & Spielereien

Da sind einige hübsche Ideen versammelt, wie z.B. flüssigen Honig mit Kräutern oder Gewürzen zu aromatisieren. Auch das Schokowirbelbrot sieht gut aus und steht noch auf meiner Nachbackliste. Hübsch für Kinder finde ich die Marmorwaffeln, in denen abwechselnd dunkler und heller Teig ins Waffeleisen gegeben wird. Toll sind die Apfel-Nuss-Schnecken, die mit der fruchtigen Füllung echt gewinnen.

Bei einigen anderen Rezepten erschließt sich mir nicht ganz die kulinarische Notwendigkeit, wie etwa bei den Zimtschnecken-Pancakes, die zunächst eben wie Pancakes zubereitet werden. Dann wird in der Pfanne spiralförmig eine Butter-Zucker-Zimt-Masse aufgespritzt. Das ist mir zu viel Spielerei …

Oder: Mit einem Plätzchenausstecher ein Herz in eine Scheibe Toast zu stechen und in dem Loch dann ein Ei zu braten. Ja, ganz witzig. Aber brauch ich dazu ein Kochbuch? Und sind das echte Alternativen zu meinem bisherigen Frühstück?

Der praktikable Aspekt des Frühstücks

Erschwerend kommt hinzu, dass das Frühstück die einzige Mahlzeit ist, die nicht viel zeitlichen Vorlauf hat. Also, um die Bagels gehen zu lassen, in Natron-Lauge zu baden und zu backen, braucht es ja schon etwas Zeit. Da liegen bei der Bäckerin (mir) und der hungrigen Familie (den Anderen) an einem Samstagmorgen schnell die Nerven blank. Hier hätte ich Tipps hilfreich gefunden, wie man Rezepte schon so vorbereiten kann, dass man am Morgen eben nicht so lang in der Küche steht.

So braucht der von mir anvisierte Laugenzopf bis zu seiner Fertigstellung stolze 2,5 Stunden. Da muss ich mir ja den Wecker stellen! Perfekt für ein spätes Frühstück fand ich das Frankfurter-Kräuter-Omelette mit Schnittlauch-Quark oder schön für ein Brunch-Buffet: der rote Bete-Aufstrich. Dies alles war gut beschrieben und ließ sich leicht nachkochen, weder braucht es viel Equipment noch besondere Vorkenntnisse.

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Zeit für mehr Tiefe

Virginia Horstmann (links ein Foto von ihr) hat mit ihrem Blog und auch mit ihren Kochbüchern einen ganz eigenen, sehr zeitgeistigen Stil kreiert. Hier wird der kerligen Attitüde eines Tim Mälzers liebreizende Mädchenbäckerei entgegengesetzt. Natürlich muss man das mögen, aber ich finde es in sich sehr stimmig! Die Fotos sind super und überhaupt die ganze Präsentation sehr liebevoll. Ja, mit Blümchen und schönen Accessoires wird nicht gegeizt, doch steht stets das fertige Produkt im Vordergrund. Und: Ich fühle mich als Leserin inspiriert und nicht erschlagen.

Wenn ich mir dennoch etwas wünschen dürfte, wäre es mehr kulinarische Substanz. Da gibt es viele nette Ideen, fraglos gekonnt in Szene gesetzt. Jeanny beherrscht ihr Fach! Doch sind einige Rezepte lediglich Varianten von Bekanntem: In einen normalen Crêpes-Teig kommt Himbeer-Püree oder Kaiserschmarrn wird mit Kokosmilch und -raspeln gepimpt. Und die eigenen kulinarischen Kreationen, wie obige Zimtschnecken-Pancakes, finde ich beinah gewollt kreativ. Kurzum: Vielleicht ist es an der Zeit kulinarisch etwas nachzulegen, um auch noch die Köchinnen zu inspirieren, die schon viel ausprobiert haben.

„Frühstücksglück“ ist ein nettes Buch, kein Must-have, aber eine hübsche Ergänzung im Kochbuchregal. Optisch und gestalterisch ganz auf der Höhe der Zeit. Auf Rezeptebene gibt es durchaus pfiffige Ideen, nur hätte ich mir manchmal noch mehr kulinarische Tiefe gewünscht. Ein Buch für Frauen, die ihre Mädels zum Sektfrühstück einladen wollen.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im September 2015

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