Kochbuch von Vincent Klink: Meine mediterrane Küche

Kochbuch von Vincent Klink: Meine mediterrane Küche ★★★☆☆

Meine mediterrane Küche: Kochkunst
Vincent Klink, Fotos W. Schardt, GU Verlag (2010)
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Christiane Schwert

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Vincent Klink ist ein guter Typ! Ich glaube, das ist eine durchaus mehrheitsfähige Aussage. Na, und die mediterrane Küche ist echt lecker! Da gibt es auch kaum Gegenstimmen. Sollte da das neue Kochbuch von Klink („Meine mediterrane Küche“) nicht der absolute Knaller sein? Ich wurde etwas enttäuscht, denn die Klinksche Interpretation der Mittelmeerküche bietet auf zwar solidem Niveau leider nur wenig Neues.

Im medialen Kochzirkus dieser Tage ist Vincent Klink eine rühmliche Ausnahme: Trotz jahrelanger Fernsehpräsenz wirkt er authentisch, aufrecht und als Person interessant. Der hat was zu sagen, denkt man sich und würde ihn gern mal auf ein Glas Wein treffen. Ein Koch mit beinah intellektuellem Anspruch, der nicht frisch und saisonal predigt, um schließlich irgendwelchen dubiosen Fertigprodukten Gesicht und Namen zu leihen. Von so einem Typ erwartet man/ich beim Kauf seines Kochbuchs natürlich auch etwas mehr.

Und hier liegt das Problem dieses Buchs, in der Erwartungshaltung des Lesers/Käufers: wo Klink draufsteht, sollte auch Klink drin sein und zwar möglichst viel. Deswegen wollte ich zumindest das Buch ja haben. Doch nicht unbedingt in Form von Fotos (trotzdem witzig das Cover: Klink mit keckem Strohhütlein reckt die Nase aus einem Distelfeld…) oder der vorausgehenden Lobhudelei seiner Kochassistentin vom SWR, sondern ganz einfach auf Ebene der Gerichte und ihrer Zubereitungsweisen. Doch den Rezepten fehlt eben das Typische, ich hätte mir gewünscht, dass sie mehr seine Person, ja seine Kochphilosophie abspiegeln, was ich bei anderen Büchern populärer Fernsehköche durchaus schon so erlebt habe.

Auch die inhaltliche Klammer „mediterrane Küche“ finde ich etwas dünn bzw. beliebig, bestenfalls ein gutes Verkaufsargument für den Verlag. Die mediterrane Küche ist ja schon seit Jahren in deutschen Küchen heimisch und der Klinkschen Auslegung mangelt es an Spezifischem. Das Inhaltsverzeichnis bietet auch keine Überraschungen, sondern richtet sich im Wesentlichen nach der Menüfolge. Durchaus erwähnenswert sind jedoch die immer wieder eingestreuten Exkurse innerhalb der einzelnen Kapitel, etwa zu Gemüse, Saucen, Innereien etc. Davon hätte ich mir mehr gewünscht.

Trotz aller Kritik sind die Rezepte natürlich zuverlässig und gut. Intendierter Käufer ist wohl der Zuschauer von Klinks Kochshow, was heißt, alles wird fundiert erklärt und der Nachkoch an die Hand genommen. Die Zutaten sind meist leicht erhältlich und die Gerichte sehen ansprechend aus, schmecken und sind gelingsicher. Wie natürlich das ganze Buch eben solide ist, dabei klar und übersichtlich strukturiert, mit Food-Fotos, die dem Zeitgeist entsprechen und schön anzuschauen sind.

Nur: es könnte, wenn man es nicht wüsste, eben auch ein Buch zur mediterranen Küche in bewährter GU-Qualität von einem weniger bekannten Autor sein. Drum bin ich auch nicht völlig enttäuscht, denn schließlich ist es trotzdem eine anständige Rezeptsammlung. Und ich finde immer noch, dass Klink ein guter Typ ist!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im März 2011

1 Kommentare

  1. Margit

    Mir geht es genauso. Ich schätze Vincent Klink, Doch von diesem Kochbuch bin ich mehr als enttäuscht. Es bringt nichts Neues. Es bringt nicht einmal echte Mittelmeerküche. Deswegen lautet wohl der Titel „Meine Mittelmeerküche“. Allein die Verwendung von Olivenöl, Knoblauch und Rosmarin macht kein Gericht zu einem Mittelmeergericht. Den Geist der Mittelmeerküche, einfach, frisch und authentisch hat Vincent Klink nicht erfasst. Er bietet in dem Buch seine Vorstellung von Mittelmeerküche. Hätte „Karl Maier“ das Buch geschrieben, kein Verlag hätte es gedruckt. Was mich besonders enttäuscht, sind Fehlinterpretationen der Mittelmeerküche, die einem Spitzenkoch wie Vincent Klink nicht hätten passieren dürfen. So hat z.B. das Kapitel „Ohne Soß’ nichts los“ (S. 92) in der Mittelmeerküche nichts zu suchen. Die kennt Saucen in dem Ausmaß wie sie die Deutschen haben wollen, überhaupt nicht. Gerade ohne Soß’ ist in der Mittelmeerküche sehr viel los. Wenn man weiß, was Mittelmeerküche ist. Auch Lachs ist eigentlich kein Fisch, der in der echten Mittelmeerküche vorkommt. Trotzdem hat Vincent Klink gleich drei Lachsrezepte aufgeführt. .
    Peinlich wird es, so meine ich, wenn Vincent Klink von Sepia und Calamares spricht (S. 115). Er behauptet, daß die Tintenfische kurz nach der Anlandung bretthart würden und wegen ihrer eher barocken Formen nicht in die Transportkiste passten. Deshalb würden die Fischer sie weich klopfen. War Herr Klink noch nie in einem Mittlemeerhafen? Tintenfische leben oft auch dann noch, wenn sie in die Versteigerungshalle kommen. Sie sind bereits in Kisten verpackt. Da muß man nichts weich klopfen. Die Fischer hätten auf dem Kutter auch gar keine Zeit dazu. In einer Fernsehsendung hat Klink sogar einmal behauptet, man müsse Muscardini und Calamares vor der Verwendung in Salzwasser 30 Minuten weich kochen. Diese derart mißhandelten Calamares kann ich wie Gummibälle durch die Küche hopsen lassen oder sie haben eine unangenehm schwammige Konsistenz. Nur zum essen sind sie nicht mehr geeignet.

    Sicher sind die Rezepte alles in allem recht ordentlich. Nur sind viele eben keine typischen Mittelmeerrezepte. Deshalb bleibt Vincent Klink ein guter Typ. Doch sein Buch ist kein guter Tip.

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