Kochbuch von Valentine Warner: Frisch kochen – jetzt!

Kochbuch von Valentine Warner: Frisch kochen – jetzt! ★★★★☆

Frisch kochen – jetzt
Valentine Warner, Fackelträger Verlag (2010)
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Patricia Rahemipour

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Ein Koch mit viel Gefühl für Zutaten

Ein Maler, der kocht? Ein Koch, der malt? Das verspricht erstmal nicht viel. Doch hier kocht jemand, der viel Gefühl für Zutaten hat und dessen kreative Seite den spielerischen Umgang mit ihnen vielleicht erst ermöglicht. Dass Mr. Warner uns in seinem Kochbuch auch noch Proben seiner Zeichenfähigkeiten gibt, ist nur ein weiteres Highlight dieses gelungenen Buches. 

Ich hasse den Winter, ich hasse den Winter, ich hasse den Winter.
Und der Herbst ist die Vorstufe des Winters, also auch schon ziemlich schlimm. Und dann ein Kochbuch mit Herbstgerichten. Was um alles in der Welt hat mich eigentlich dazu bewegt, mir ein solches Kochbuch auszusuchen?

Es war wie immer das Aussehen. Oberflächlich wie ich bin, habe ich mich von Äußerlichkeiten blenden lassen. Da strahlt einem das sympathische Lächeln des Autors Valentine Warner auf Frisch Kochen Jetzt entgegen und vermittelt den Eindruck, dass der Winter vielleicht doch nicht so schlimm ist. Trotz meines hohen Alters bin ich ja immer bereit, mich von neuem überzeugen zu lassen.

Beherzt schlug ich also das viel versprechende Werk auf und wurde nicht enttäuscht. Zunächst zum Inhaltsverzeichnis. Es ist übersichtlich nach Kategorien geordnet, die nicht weniger und nicht mehr als beispielsweise “Fisch und Meeresfrüchte” heißen. In den jeweiligen Kapiteln finden sich dann wiederum die Gerichte nach Fischarten geordnet. Diese Ordnung finde ich überzeugend, da ich häufig mit Appetit auf der Suche nach Rezepten bin und hier auch fündig werde, wenn mal wieder ein Blumenkohl in meinem Kühlschrank auf Verarbeitung wartet.

Neue Themenkategorien sind mit Illustrationen Warners ausgestaltet. Die immer leicht ironischen Zeichnungen zum Thema spiegeln die Art in der Warner Rezepte schreibt bereits hervorragend wider. Reich bebildert ist das ganze auch mit Fotografien, die nicht nur die Gerichte, sondern auch die Beschaffung der Zutaten (Valentine bei der Jagd) zeigen.

warnerMit dem textlichen Einstieg ins Kochbuch wird der Leser auf die wesentlichen Punkte “eingeschworen”, die das Kochen von Valentine Warner (Foto links) maßgeblich beeinflussen. Allen voran steht das jahreszeitliche Kochen mit frischen Zutaten. Allein die humorige Art diese Überzeugung dem Leser näher zu bringen, bewirkt nicht nur, dass man diesem Anliegen mit großer Ernsthaftigkeit folgt, sondern auch, dass man sich als Leser nicht überrumpelt fühlt. Nicht nur die einleitenden Texte sind ausführlich. Auch die Rezepte an sich haben geradezu epischen Charakter. Das schreckte mich nur wenig, meinen Freund aber beispielsweise sehr. Er war nicht bereit, auch nur ein Gericht auszuprobieren, weil er dann ja einen ganzen Roman lesen müsste.

Dabei sind sie so lohnenswert. Es macht Spaß zu lesen, dass der moppelige Valentine Warner als Kind in der Schulkantine alle Hänseleien vergaß, wenn er von dem frisch zubereiteten Pflaumen-Crumble aß. Neben diesen kurzen Teasern zu den Gerichten, die die persönliche Note des Buchs unterstreichen, finden sich immer wieder auch sehr informative Texte zu den Zutaten an sich. Warner erklärt den Unterschied zwischen Zucht- und Wildenten, der einem zwar irgendwie bewusst ist, man ihn aber dennoch nicht genau benennen konnte.

Die Genauigkeit der Begleittexte ist auch den Rezeptbeschreibungen zu eigen. Es gibt Gerichte, die stehen und fallen mit der entsprechenden Zubereitung. Und genau auf diese kribbeligen Punkte weißt Warner hin. Er scheut sich nicht zu schreiben, dass dünne Zwiebelringe, wirklich dünn zu sein haben. Er gibt Tipps zum Anrichten des Salats, warnt wenn etwas nicht wieder erwärmt werden kann und so weiter. Ich hatte beim Kochen seiner Rezepte jedenfalls das Gefühl, als übernehme er die volle Verantwortung für die Gerichte und ihr Gelingen. Er hat sie keinesfalls mit der Publikation des Kochbuchs aus der Hand gegeben. Fast bekommt man den Eindruck, man könne ihn anrufen, wenn etwas nicht funktioniert.

Doch nicht auf ganzer Linie; ich hätte da auch ein paar kleinere Kritikpunkte. Und das liegt nicht am Winter. Viele Rezepte zeugen von einem sehr phantasievollem Umgang mit Zutaten (Meeraal mit Pastinaken), aber recht konservativem Einsatz von Gewürzen. So taucht “gefühlt” sehr häufig Senfpulver oder eine andere Senfart als Gewürz auf. Das ist sicher mal lecker, aber macht doch einen recht einheitlichen Geschmack. Am zweithäufigsten werden übrigens Anchovis genannt, von denen er jedesmal betont, man könne sie auch weglassen. Irgendwann mochte ich das nicht mehr lesen. Geschweige denn ausprobieren und ehrlich, ich mag Anchovis. Sehr sogar.

Einen letzten Punkt hätte ich noch: Da viele der Kochbuchleser nicht in direkter Umgebung von Produzenten leben, ist es bisweilen schwierig bis unmöglich die Zutaten für die Rezepte zu besorgen. Es ist also nicht unbedingt ein Kochbuch für jeden Tag, wenn auch viele Gerichte sicher für jeden Tag taugen.

Nachdem Valentine’s Buch und ich nun für einige Wochen Partner in der Küche waren, kann ich mich nur schwer verabschieden. Es bleiben aber noch zahlreiche Gerichte, die ich ausprobieren will und werde. Und falls ich mal ein paar brandfrischen Flusskrebsen über den Weg laufe, werde ich sie umgehend mit Haselnuss-Pastiz Paste zubereiten.
Übrigens: Den Winter mag ich immer noch nicht, aber es gibt ja zum Glück noch viel zu kochen …

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2010

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