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Viel Freude
Katharina Höhnk

Kochbuch von Ursula Schersch: Die Welt im Einmachglas ★★★★★

Die Welt im Einmachglas –
Hausgemachtes von nah und fern
Ursula Schersch
Gräfe und Unzer Verlag (2020)
Mehr über den Verlag

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Christiane Schwert

Von

Das Kochbuch der Stunde: Während draußen die Welt ein Stück in die Ferne gerückt ist, wächst der Impuls, es sich mit Vorräten aus aller Welt gemütlich zu machen. Ursula Scherschs Buch Die Welt im Einmachglas erreicht mich also genau zum richtigen Zeit-punkt, mit viel Zeit zu Hause und dem Bedürfnis, sich der Vorratshaltung zu widmen.

Ursula Schersch (Foto unten) ist kulinarisch breit aufgestellt. So betreibt sie gleich zwei Foodblogs – einmal Taste of Travel, wo sie Rezepte aus aller Welt vorstellt, die sie von ihren vielen Reisen (ihr zweite Leidenschaft neben dem Kochen) mitbringt, und Li’l Vienna, der sich an ein englischsprachiges Publikum richtet mit Schwerpunkt auf der österreichischen Küche. Sie war außerdem lange Redakteurin beim Standard und hat einige Zeit in Boston gelebt. Nun arbeitet sie als eine Art kulinarische Allrounderin, ist Food-Fotografin und -Stylistin und entwickelt Rezeptideen – da ist es fast erstaunlich, dass dies erst ihr erstes Kochbuch ist.

Kochbuchautorin Ursula Schersch

Das Buch kommt mir gerade recht. Inmitten der andauernden bedrückenden Nachrichten macht es mit seinem knallgelben Zitronen-Cover (dem Bild zu den „Marokkanischen Salzzitronen“) direkt Laune. Ich bin gleich hochmotiviert, es gibt so viel zu entdecken. Rezepte, die ich immer schon mal machen wollte, aber auch viel Neues, unterteilt die Autorin in sechs Unterkapitel: Süßes: Marmelade, Konfitüre und Co. (wie Malaysische Kokoscreme); Aus dem Gemüsebeet (wie Watermelon Rind Pickles!); Saucen, Kräuter & Gewürze (wie Ketjap Manis oder Brühpulver); Raffiniertes aus Milch & Eiern (z. B. Gebeizte Eigelbe); Brot, Gebäck & Snacks (wie Sauerteigfocaccia) und schließlich Getränke: Sirup, Schnaps & Fermentiertes (z. B. Kombucha oder Himbeer Shrub).

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Dabei stolpere ich kurz über das Brotkapitel – die Rezepte sehen ohne Zweifel verlockend aus – aber wie passt das Brot ins Einmachglas? Bei dem Gebäck mit Sauerteig passt die Kategorisierung, aber bei z. B. Brioche-Buns mit Hefe? Egal! Zunächst erfahre ich etwas über die Theorie der Haltbarmachung: Einkochen im Glas, Fermentation, Trocknen und Einlegen, aber auch über die richtigen Gläser und die benötigten Küchenutensilien. Eine Doppelseite widmet die Autorin dem wichtigen Thema Hygiene. Es ist doch auch zu ärgerlich, wenn man voller Vorfreude dann ein verschimmeltes Glas Pflaumenmus aus dem Vorratsschrank holt.

Einmachen mit Saisonkalender

Kochbuch von Ursula Schersch: Die Welt im Einmachglas

Ich erlebe Frau Schersch schon hier als eine sehr sorgfältige Autorin, die tatsächlich alle Aspekte der Haltbarmachung von Lebensmitteln berücksichtigt, ohne dabei zu ausführlich zu werden. Am Ende des Buchs findet sich, für die in den Rezepten verwendeten Grundprodukte, ein Saisonkalender: Mein Glück ist perfekt. Denn das ist, was mir besonders Freude dabei macht: die Nähe zur kulinarischen Gartensaison, verbunden mit Vorfreude und Planung und einer Art „Nachfreude“ über den reich bestückten Vorratsschrank, wenn man die Schätzchen rausholt und sich an den Sommer erinnert.

Auch an mir geht die „Corona-Brot-Backwelle“ nicht spurlos vorbei. Angeregt durch Scherschs appetitliche Bilder von Sauerteig-Topfbrot und Bialys setze ich sofort meinen ersten Sauerteig an. Und obwohl ich ihn hege und pflege, will er sich nicht recht erheben – das ist es nämlich, was er eigentlich tun soll. Das ist komisch, denn die Rezepte sind gut beschrieben. Umso mehr freue ich mich über die ersten Löwenzahnblüten, die mühevoll gezupft zu einem leckeren „Honig“ verarbeitet werden, der gut und irgendwie grün schmeckt.

Zu Beginn jeder Rezeptseite finden sich Informationen zur voraussichtlichen Menge des Rezepts, der Haltbarkeit und der Zubereitungszeit. Es folgen manchmal ein paar knappe Sätze zum Charakter des Rezepts und dann die meist sehr übersichtlichen Zutatenlisten. Für mich ein Teil des Spaßes, da keine Besorgungsorgien nötig sind.

Inklusive „Verwendungs“-Rezept

Und besonders positiv aufgefallen ist mir, dass es zu einigen Rezepten gleich ein passendes „Verwendungs“-Rezept gibt. Also zum Zwetschgenröster gibt es auf der folgenden Seite ein Kaiserschmarrn-Rezept, zum Limoncello den passenden Kuchen und zu den Banh-Mi-Pickles die Beschreibung für ein Banh-Mi-Sandwich. Das finde ich sehr durchdacht, denn tatsächlich fehlt es einem nach der ersten Begeisterung ja manchmal an „Verwertungsmöglichkeiten“ für das Eingemachte.

Die Rezepte sind alle mit sehr reduzierten Foodfotos illustriert, die auch von Ursula Schersch inszeniert und geschossen wurden. Ich sage doch, eine Allrounderin! Sie arrangiert auf einem meist weißen, maximal marmorierten Untergrund, sodass die kulinarischen Ergebnisse, in Gläsern oder schlichten Gefäßen angerichtet, ohne Ablenkung im Mittelpunkt stehen.

Mit „Die Welt im Einmachglas“ ist Ursula Schersch ein rundum durchdachtes Kompendium gelungen, an dem vor allem die Auswahl der Rezepte mit einem internationalen Blick für Eingemachtes überzeugt. Eine Fundgrube für Homecooks, die über den Tellerrand blicken. Gefreut hätte ich mich, wenn der Verlag beim Layout mehr Frische gewagt hätte. Das Cover macht es bereits vor.

Veröffentlicht im Dezember 2020

2 Kommentare

  1. Barbara

    Ich kann nur sagen, Sauerteig ist eine Diva… Manchmal passt denn Tierchen einfach irgendwas nicht. Beim nächsten Versuch klappt’s bestimmt besser.
    Das Buch klingt wahnsinnig interessant und steht schon auf der Wunschliste

  2. Thea

    Dieses Buch habe ich vor einiger Zeit gewonnen und meiner Lieblingsnachbarin geschenkt. Sie legt es nur noch aus der Hand, wenn sie einen beruflichen Einsatz hat. Ansonsten profitiere auch ich durch viele Kostproben. Sehr empfehlenswert, sagt sie – und auch ich.

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