Kochbuch von Ursula Heinzelmann: Die China-Küche des Herrn Wu: Rezepte aus dem „Hot Spot“ Berlin

Kochbuch von Ursula Heinzelmann: Die China-Küche des Herrn Wu: Rezepte aus dem „Hot Spot“ Berlin ★★★★☆

Die China-Küche des Herrn Wu:
Rezepte aus dem „Hot Spot“ Berlin

Ursula Heinzelmann, Fotos Manuel Krug
TreTorri Verlag (2014)
Mehr über den Verlag

Sabine Cikic

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Köstliche chinesisch-chinesische Gerichte, die auch zu Hause gelingen verspricht uns das Kochbuch des Restaurant „Hot Spot“ in Berlin, das einen ausgezeichneten Ruf genießt – für sein Essen und seinen Wein.

Verheißungsvoll werden wir beim Aufklappen des Buches von einem doppelseitigen Foto begrüßt. Darauf zu sehen: Weinflaschen, viele Weinflaschen. Wer sich nun wundert, wie das zusammenpasst, was das soll in einem Buch über chinesische Küche, der kennt das Restaurant „Hot Spot“ in Berlin noch nicht (oder hat zumindest noch nie davon gehört). Dessen Chef, Wu Jianhua, der lieber „Herr Wu“ genannt werden möchte, hat ein inniges Verhältnis zum Wein – im Buch wird gar die Frage gestellt, wie der „Prinz“ (Herr Wu) zu seiner „Prinzessin“ (dem Wein) gekommen sei! Über Jahre hat Herr Wu nämlich seine Kenntnisse geschult, Winzer aufgesucht, und nach und nach mehr Weine in sein Angebot aufgenommen, immer bemüht, den bestmöglichen Wein zum jeweiligen Gericht ausfindig zu machen. Wer im „Hot Spot“ Bier zum Essen bestellt, hat selber schuld!

kochbuch-hotspot-herr-wu-valentinasDie Erwartungen werden gesteigert: das Vorwort stammt von Wein-Experte Stuart Pigott, und die Autorin Ursula Heinzelmann ist selbst gelernte Sommelière. Aber leider, leider: der Wein verlässt die ersten Seiten nicht. Zu den einzelnen Rezepten werden nicht passende Weine bzw. Rebsorten empfohlen. Wie schön wäre es gewesen, wenn uns Herr Wu und Frau Heinzelmann zu jedem Gericht erläutert hätten, warum und wie welcher Wein das jeweilige Gericht perfekt ergänzt.

Uns bleiben ja aber noch die Rezepte! Sie sind thematisch eigenwillig sortieren, was aber nicht weiter stört. Ob „Ein ganz normaler „Ho Spot“-Abend“, „Es ist Winter, uns ist kalt“ oder „Wir feiern am großen runden Tisch“ – egal. Ich blättere das Buch von vorne nach hinten durch und zurück und markiere eifrig Rezepte, die ich nachkochen möchte. Und stelle fest, dass ich ganz so viele Gäste doch nicht einladen werde, denn es sind wirklich sehr viele Rezepte, die mich verlocken.

Gäste: Ich koche oft, wirklich oft, chinesisch, und ganz besonders gerne für Gäste – dann kann man einfach mehr Gerichte ausprobieren. Es gibt nichts Schöneres, als gemeinsam vor einer reich gedeckten Tafel zu sitzen und zu schmausen, und der Duft, der beim Kochen chinesischer Gerichte in der Küche entsteht, macht mich regelrecht süchtig, hat mich noch aus jeder emotionalen Schieflage rausgeholt. Nach chinesischem Brauch berechnet sich die Anzahl der servierten Gerichte in Anlehnung an die Anzahl der erwarteten Gäste. Für 4 Personen kocht man also mindestens 4 verschiedene Gerichte, am besten ein oder zwei mehr, für 10 Personen also mindestens 10 Gerichte PLUS. Da kommt schon was zusammen und man sollte unbedingt für Helfer bei den Vorbereitungsarbeiten sorgen …

Es ist gerade nicht üblich und auch nicht praktikabel, Rezepte einfach zu verdoppeln. Häufig würde das Zubereiten im Wok dann gar nicht mehr in einer Tour erfolgen können, sondern müsste das Gericht in mehreren Portionen gegart werden. Und da die Chinesen es dann lieber vielfältig haben, werden eben entsprechend mehr verschiedene Gerichte zubereitet. Das gefällt mir sehr!

kochbuch-hotspot-heinzelmann-valentinas-visIn diesem Zusammenhang verstehe ich nicht, warum die angegebenen Mengen in den Rezepten „für vier Portionen nach europäischer Vorstellung konzipiert“ wurden. So ist der Hinweis bei einigen Rezepten, dass sie besser gelingen, wenn nur die Hälfte der Zutaten verwendet wird, unumgänglich. Und bei einigen Gerichten hatten wir auch deutlich mehr Mengen auf dem Tisch stehen, als uns lieb war und als ins Menü gepasst hätte.

Die Auswahl der Rezepte, die es ins Buch geschafft haben, ist abwechslungsreich und bietet auch was für den abenteuerlustigen Gaumen. Alle Rezepte sind wirklich auch zu Hause nachkochbar, man sollte allerdings den Gang in den Asienladen nicht scheuen, denn einige spezielle Zutaten sind unabdingbar. Immer wieder staune ich jedoch, wie unterschiedlich diese wenigen Spezial-Zutaten eingesetzt werden und wie facettenreich die Gerichte schmecken.

Ein Buch für alle, die nicht das Glück haben, in der Nähe eines großartigen China-Restaurants zu wohnen. Und für Fans des „Hot Spot“ sowieso. Wenn sie denn ohne die Weinempfehlungen des Herrn Wu leben können.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Oktober 2014

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