Kochbuch von Ursula Furrer-Heim: Kochen für Freunde

Kochbuch von Ursula Furrer-Heim: Kochen für Freunde ★★★★☆

Kochen für Freunde – Genial
einfach, zum Vorbereiten
Ursula Furrer-Heim
Fotos: Patrick Zemp
AT Verlag (2018)
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Sylvia Peters

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

So wie beim Pawlowschen Hund schon die Schritte des Besitzers den Speichelfluss auslösen können, geht es mir bei einem Titel wie diesem. Die klassische Konditionierung also. Und da wir eine neue Wohnung haben, die unbedingt ausgeführt werden muss wie der Familienbernhardiner, macht das Einladen doppelt Spaß.

Viele Freunde scheint Kochbuchautorin Ursula Furrer-Heim (Foto unten) allerdings nicht zu haben, denn die Rezepte sind jeweils nur für vier Personen ausgelegt. Vielleicht geht es ihr wie meiner Mutter, die, sofern Besuch da ist, vor lauter Aufregung keinen Bissen herunter bekommt. Auf jeden Fall hat die Autorin offensichtlich eine große Liebe zu Schlagsahne und Käse – in über 20 Rezepten wird Sahne verwendet, in rund 15 diverse Käse, von Parmesan über Ricotta bis Greyezer. Und so stelle ich mir Frau Furrer-Heim vor, wie sie Unmengen an Schlagsahne in sich reinschaufelt und sich ins Fäustchen lacht, weil ja zum Glück nur vier Leute anwesend sind.

Kochbuchautorin Ursula Furrer-Heim

Gefallen haben mir sofort die Größe des Bandes, etwas schmaler, aber hoch, und der wertige Einband, bei dem man denkt, schon beim Durchblättern ein Schneidbrett in der Hand zu haben. Die Fotos sind in diesem Schnell-mal-was-gekocht-Style, der in etwa das Pendant zum Out-of-bed-Style ist. Sieht total lässig aus, aber jede Haarsträhne ist exakt geplant. Da krümelt sich der Pfeffer übers Brett, am Messer klebt noch das Rote-Bete-Püree, dazu ein paar malerisch hingetupfte Kleckse auf ebenso malerisch vom Holzwurm durchbohrten Holzbrettern. Es gibt zu jedem Rezept ein Foto, alles sieht lecker und durchaus nicht überstylt aus. Und das Beste: Man kriegt es genau so hin, wenn man sich (mit wenigen Ausnahmen) ans Rezept hält.

Erst poetisch, dann eindeutig

Eingeteilt sind die Rezepte nach Saison bzw. Jahreszeiten, ohne diese explizit zu nennen. Unter den poetischen Überschriften „Die Kräuter sprießen“, „So schmeckt Sonne“, „Rascheln im Laubwald“ und „Die Schneeflocken tanzen“ versammeln sich jeweils fünf Menüs, die wiederum der klassischen Dreiteilung in Vorspeise, Hauptgericht und Nachspeise folgen. Die Benennung ist manchmal nicht ganz nachzuvollziehen, etwa wenn die Pasta mit Spinat „erfrischend“ genannt wird oder ein Menü „Bluffermenü“ heißt. Die einzelnen Rezepte heißen dann ehrlich und schlicht nach ihren Zutaten.

Auf den ersten Blick war mir besonders die Optik sympathisch, aber der kulinarische Meckerfritze in mir mäkelte an den sich augenscheinlich dauernd wiederholenden Zutaten herum: Sahne, Frischkäse, mal Vollrahm (Schlagsahne), mal Halbrahm, mal Doppelfrisch und dauernd, Augenroll, Maizena in der Soße. Aber beim Nachkochen kam als Endprodukt so viel Leckeres auf die Teller, das ich nahezu uneingeschränkt jedes Rezept empfehlen kann, trotz oder gerade wegen der Fallhöhe. Es gibt eine Menge Klassiker wie Blattsalat mit Erdbeeren oder Knusperkäse, Crème brulée, Panna Cotta, Marroni-Suppe, Lamm, Ofengemüse, Melonensalat, Kartoffelsalat und dergleichen, aber stets mit einem kleinen „Oho!“. Die Hühnerbrüstchen, die ich in Parmaschinken eingewickelt und mit einem trockenen Rieslingsekt in Schäumchenform sowie den süßsauren Belugalinsen serviert hatte, würde ich selbst öfter essen und mir dazu nur andere Gäste als meine eigene Familie einladen.

Diese Soßen!

Das Rezept für den Cheesecake (!) mit Streuseln dagegen, der im Glas serviert und mit Magerquark (?!) serviert werden soll, ist an Lieblosigkeit kaum zu übertreffen. Warum wurde ausgerechnet hier solch ein freudloses Kalorienzähler-Rezept ausgewählt? Schlagsahne alle? Auch etwas unverständlich war mir, warum man für einen Gewürz-Eiscake Vanilleeis als fertiges Produkt kaufen soll, dieses antaut, ein paar Gewürze dazu gibt und offensichtlich mit Löffelbiskuits als Boden schichtet (die tauchen im Rezept aber nicht gesondert auf, nur auf der Zutatenliste und dem Foto) – und dann wieder einfriert. Das ist irgendwie Mummenschanz. Und Finger weg von den Dosenbrötchen, wenn man noch nie Brot gebacken hat. Hier ist die Anleitung einfach zu kurz – „Zutaten zu einem glatten Teig kneten“. Nix mit Hefe auflösen oder so. Lohnt sich bei so wenig Gästen nicht.

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Das sind aber die einzigen Ausreißer nach unten. Besonders die Soßen haben es mir angetan, nix mit stundenlangem Köcheln und Schmoren: etwas Sahne, Maizena, Bratensaucenpulver und zack, fertig. Den Geschmack machen hier die Kräuter, mal Oliven, getrocknete Tomaten, Wermut, Portwein oder Ähnliches. Wertet das langweiligste Schweinefilet auf. Inzwischen steht das Buch an vorderster Fensterbrettfront, weil ich mir weder den Basilikum-Kartoffelstampf mit Ofentomaten noch das Roastbeef an Noilly-Prat-Sauce entgehen lassen will – und schon gar nicht das marinierte Lammnierstück mit Limettenhonig, womit wir bei der absoluten Stärke des Buches angelangt sind.

Neben den Soßen gefallen wirklich die Fleischstücke und die Vorspeisen. Die Zutaten kann man ja einfach verdoppeln und verdreifachen, wenngleich ich dennoch verwundert war, nicht von Anfang an auf Rezepte zu treffen, die für mindestens sechs Personen ausgelegt sind, da sich das ja deutlich auf die Zubereitungszeit auswirkt. Die Zusammenstellung der Menüs ist aber in sich rund, und die Zeitpläne, die sich dazu finden, sind recht hilfreich. Hinreißend finde ich die Tipps für Vegetarier, die ungefähr so gehen: „Fleisch einfach weglassen“.

Ein tolles Buch als Zaunpfahl-Winke-Geschenk, das sagt: Lad doch mal wieder Leute ein. Schön auch für die Sommerferien. Und für den Sonntagsbrunch. Und sogar für die beste Freundin.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Oktober 2019

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