Kochbuch von Ursula Ferrigno: Lemons & Limes

Kochbuch von Ursula Ferrigno: Lemons & Limes ★★★☆☆

Lemons & Limes – Die besten Rezepte mit Zitrone und Limette
Ursula Ferrigno
Fotos: Clare Winfield
Ars Vivendi Verlag (2018)

Doris Brandl

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Bei einer Food-Autorin und Köchin, die an Kochschulen in England, Italien und Irland lehrte, in den USA kochte, in Sendungen der BBC auftrat, diverse Artikel und über 18 Kochbücher veröffentlicht hat, waren meine Erwartungen an dieses Buch hoch. Und das im Kontext mit dem Inbegriff frischen Aromas – kaum zu toppen. Es kam dann anders.

Der Sommer 2018 verwöhnte uns mehr als genug und mein Repertoire für die kalte Küche näherte sich dem Ende. Angesichts der Hitze noch an den heißen Herd stellen? Nein danke! Aber täglich nur Salatblätter knabbern mag ich auch nicht. Wie gerufen kam da Ursula Ferrignos neues Buch. Die Italienerin ist an der einmalig schönen Amalfiküste aufgewachsen, umgeben von Zitrusfrüchten. Den Wert dieser Früchte vermittelte ihr ihre Familie schon von klein auf. Wie naheliegend erscheint es da, die altvertrauten Aromen mit ihren internationalen Koch-Erfahrungen zu verbinden.

Leuchtend gelb, grün, prall und saftig sind die Hauptdarsteller auf dem himmelblauen Buchdeckel abgebildet, die Innenseiten zartgelb oder grün unterlegt und beim Aufschlagen des Buches lassen mir die abgebildeten Zitronenscheiben das Wasser im Mund zusammenlaufen. Nach kurzer Einführung, was im Buch zu erwarten ist, geht’s auch schon los. 160 Seiten mit 75 Rezepten, aufgeteilt in die Kapitel: Häppchen, Suppen und Salate, Fleisch und Geflügel, Fisch und Meeresfrüchte, Vegetarisches und Beilagen, Süßes und Getränke.

Konzentriert auf das Wesentliche

In verschiedenen Schriftarten – mal GROSS, mal fett – stehen die Rezepte meist mit kleiner Anekdote vorneweg, einer überschaubaren Zutatenliste und gut beschriebenen Arbeitsabläufen auf einer Seite, lesefreundlich und übersichtlich. Gegenüber hat die Fotografin Clare Winfield jedes Gericht appetitlich rustikal in Szene gesetzt. Keine überflüssigen Fotos von Tafelrunden, Menschen oder Landschaften. Ursula Ferrigno (Foto links) hat sich auf das Wesentliche konzentriert, die Rezepte. Das gefällt mir.

Und womit fange ich an? Ein Blick auf meinen Balkon und die vielen reifen Tomaten in den Töpfen gibt den Ausschlag. Ich starte mit der Tomaten-Koriander-Salsa zu Tandoori-Lammkoteletts. Angenehm leicht und erfrischend ist die Salsa, die gegrillten Lammkoteletts verlieren leider durch die aufgestrichene Tandooripaste ihren schönen Eigengeschmack.

Dagegen ist der mit Granatapfelsirup glasierte Lachs auf Zitronen-Blumenkohl-Püree ein rundum gelungenes Gericht. Für das Blumenkohlpüree (wie ein lauwarmer Salat) habe ich die doppelte Menge vom Zitronenöl genommen – das passt perfekt zum Lachs. Tatsächlich wird der Lachs mit Granatapfelsirup begossen (ungewöhnlich – aber gut!) und mit Granatapfelkernen bestreut. Köstlich!

Viele neue Anregungen finde ich, wobei Zitronen und Limetten meist eine gewürzgebende und eher untergeordnete Rolle spielen. Aber bei Ceviche, Zitronen-Limetten-Sirup, Limoncello oder Limettenmarmelade kommen sie zu vollem Einsatz. Erfrischend, aber mir ein wenig zu wässrig ist die Limetten-Minze-Granita. Die wird nochmals mit der halben Wassermenge ausprobiert. Sie passt immer gut als Unterbrechung in einem mehrgängigen Menü. Und nicht unerwähnt lassen möchte ich die köstliche Safran-Limetten-Aioli, die zu jeglichem Gemüse passt, nicht nur zum grünen Spargel, wie im Rezept.

Ein Zitronenbäumchen für den Balkon?

Ganz unauffällig zwischendurch gibt es kurze Einblicke in die Geschichte, den Anbau und – sehr interessant: das Einlegen und Konservieren von Zitronen und Limetten. Hier findet sich auch ein Rezept zu eingelegten Salzzitronen (Seite 101), das leider im Register nicht gleich zu finden ist, aber dazu später. Auch gesundheitliche Aspekte werden angesprochen. Na klar, als Vitamin-C-Bomben sind sie bekannt, aber ein wahres Detoxmittel soll warmes Wasser mit Schale und Saft sein. Ich werde es testen! Wer sich für den eigenen Zitronenvorrat ein Bäumchen im Freien aufstellen will, für den gibt es ebenfalls nützliche Tipps.

Nicht alle ausprobierten Rezepte haben mich begeistert. So waren die Mini-Spanakopita mit Feta-Zitronen-Füllung viel zu trocken und fad. Auf 1½ kg Spinat kommt nur der Abrieb einer Zitrone, aber keinerlei Saft. So auch die Zucchinitaler, die mir beim Braten auseinanderfielen und trotz Kräutern kaum Geschmack hatten. Nur die hinterher aufgeträufelte Zitrone hauchte ihnen Leben ein.

Ebenfalls nicht begeistert haben mich die Gnocchi aus Spinat, Erbsen und Ricotta. Hierfür wird der Zitronen-Ricotta selbst hergestellt. Allerdings ergab das Rezept dafür nur die Hälfte der benötigten Menge für die Gnocchi. Mit den Erbsen, Parmesan, Semmelbröseln und Mehl werden die Gnocchi sehr kompakt. Die im Kapitel „Vegetarisches und Beilagen“ aufgeführten Rezepte würde ich eher nur als Beilagen bezeichnen, mehr nicht. Wobei auch in den anderen Kapiteln Vegetarisches zu finden ist. Insgesamt überwiegen aber Fisch- und Fleischgerichte.

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Wie schon eingangs angedeutet, hat mich das Register mehrmals im Stich gelassen. Das Lamm finde ich nur unter Tandoori, weil es damit gewürzt wird. Den Hähnchensalat entdecke ich bei Karotten und bei Gurke, weil dies weitere Zutaten des Salates sind oder direkt bei K wie „Knackiger Hähnchensalat“. Das leckere Lachsgericht „Mit Granatapfelsirup glasierter Lachs auf Zitronen-Blumenkohl-Püree“ ist nicht etwa bei den anderen Lachsrezepten zu finden, auch nicht unter Granatapfel, sondern beim „Blumenkohl“ und zusätzlich unter „Gerösteter Blumenkohl“. Diese Beispiele könnte ich beliebig fortsetzten. Warum kann man die Rezepte nicht einfach bei den Hauptzutaten auflisten?

Die Rezepte sind einfach und gut umzusetzen. Dabei gab es überraschend und erfrischend Köstliches wie auch manche Enttäuschung. Einige Gerichte, die lediglich Zitronen- oder Limettenabrieb beinhalten, finde ich etwas schwach. Gehört doch Zitronen- und Limettenschale zur Abrundung ganz vieler Speisen und hier hätte ich sie eher als Hauptdarsteller erwartet. Manches verdient sicherlich eine zweite Chance mit einem ordentlichen Schuss der sauren Säfte. Regelrecht verzweifeln ließ mich allerdings das Register.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Januar 2019

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