Kochbuch von Ulrike Skadow: Suppen – Rezepte aus aller Welt

Kochbuch von Ulrike Skadow: Suppen – Rezepte aus aller Welt ★★★★☆

Suppen – Rezepte aus aller Welt
Ulrike Skadow
Fotos Nicolas Leser
Cover-Foto Peter Schulte
Stiftung Warentest (2016)

Heike Hartmann

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Neugierig auf fremde Töpfe? Originalrezepte und Flair aus allen Ecken der Welt, von Marokko über Kolumbien bis nach Korea: Die Welt lässt sich auch über den hauseigenen Suppentopf entdecken.

Die Stiftung Warentest tummelt sich seit einiger Zeit auch auf dem Kochbuchmarkt und legt nun ein Kochbuch für Suppen vor. Suppen liegen als „Soulfood“ voll im Trend – Suppenküchen boomen als gesunde Alternativen zu Kantinen für die Mittagspause, versprechen sie doch gesundes, nährstoffreiches und schmackhaftes Essen, ohne dabei das Kalorienkonto zu sehr zu belasten. Foodstylistin Ulrike Skadow und Fotograf Nicolas Leser stehen hinter den 80 Suppenrezepten, mit denen sie uns mit auf Weltreise nehmen möchten und machen damit neugierig auf exotische Geschmackserlebnisse im hauseigenen Suppentopf. Man merkt es den Rezepten an, dass die die Autoren jahrelang in alle Teile dieser Welt gereist sind und unzähligen Suppenköchen über die Schulter geschaut haben müssen, um ihre „Originalrezepte“ mit nach Hause zu nehmen.

Das Buch gliedert sich in „kontinentübergreifende Genussregionen“, die die Autoren ausmachen, denn Suppenrezepte machen nicht an der Grenze halt wie vor allem in den entfernteren Regionen wie Afrika und indischer Ozean, Fernost und Pazifik, USA und Kanada, Mittel- und Südamerika. Ein bewundernswert umfassender Anspruch. Vorangestellt wird jedem Kapitel eine bebilderte Erläuterung der wichtigsten Spezialzutaten der Genussregionen, wobei Bekanntes wie Unbekanntes seinen Platz erhält: Von Suppengrün für Europa über Gewürze wie „Guasca“, das kleinblütige Knopfkraut, das in die kolumbianische Kartoffel-Hähnchensuppe hineinkommt, bis zu Kartoffeln und Zwiebeln im Kapitel Südamerika reicht – wer hat’s gewusst: da kommen die beiden Knollengewächse ja ursprünglich her.

Zutaten aus aller Welt in einem Topf

Den Rezepten vorangestellt werden Erläuterungen zu Zutaten und Historie der Rezepte. Das ergibt eine Art ethnologischen Blick auf Gerichte und länderspezifische Traditionen. Farbenfroh ist die Bildgestaltung, wobei mit einer Kombination von Fotos und Handillustrationen gearbeitet wird. Leider wurde nicht jedes Rezept mit einem Foto versehen.

Die Zutatenlisten sind teilweise ziemlich lang – in die indonesische Knochenbrühe mit Fleischklößchen und Nudeln kommen allein 20 Zutaten. Auch ist die Zubereitung bei vielen Rezepten sehr zeitintensiv: Nicht nur beim costa-ricanischen Fleischeintopf wandern Suppenfleisch und Gemüse erst mal für drei Stunden in den Topf, bevor es weitergeht.

Natürlich braucht es für einen guten Eintopf Zeit und Geduld. Wenn die vielen Zutaten und langen Kochzeiten zur Tiefgründigkeit gereichen, hat dieser Ansatz sicher seinen guten und berechtigten Grund. Ich frage mich bloß, ob hier nicht zeitgemäße „Abkürzungen“ möglich wären? Wer auf der Suche für ein schnelles Süppchen für den Alltags-Feierabend ist, wird in diesem Buch eher weniger fündig. Auch der Gewürzschrank sollte gut sortiert sein und der Gang in den Asiamarkt oder wahlweise ins afrikanische, orientalische oder südamerikanische Lebensmittelgeschäft eingeplant sein.

Zeit & Aroma

Bei den nachgekochten Rezepten erziele ich dann aber erfreulich gute Ergebnisse. Zunächst mache ich mich an die iranische Granatapfelsuppe, denn erstens liebe ich Granatäpfel und zweitens kommen Hackbällchen rein. Mit gelben Erbsen und Reis ist gut für Kohlehydrate gesorgt, aber dafür auch am nächsten Tag für eine sehr breiige Konsistenz, wenn beides noch in der Flüssigkeit nachquellt. Die Empfehlung lautet daher eindeutig, die Suppe am Kochtag zu verzehren. Die Granatäpfel geben eine schöne frische und knackige Note und vor allem auch hübsche rote Farbtupfer neben den grünen vom Spinat, denn der Suppengrund ist doch sehr bräunlich gefärbt.

Die Mulligatawny-Soup englisch-indischen Ursprungs wollte ich als „Dinner for one“-Fan schon immer mal machen. Sie bekommt hier durch die Anröstung der vielen Gewürze eine schöne Tiefgründigkeit, Gemüse, Kartoffeln, Apfel und Linsen geben die Basis, und Tamarinde sorgt für den besonderen Touch. Geht auch vegetarisch ohne das im Rezept vorgesehene Hähnchenfleisch bestens durch.

Die Rezepte erweisen sich als deftig im besten Sinne. Die Orientierung liegt auf Originalrezepten mit allem Drum und Dran. Wer auf der Suche nach einem Basis-Kochbuch für Suppenklassiker und dabei offen für Ausflüge ins Exotische ist, liegt mit diesem Werk richtig. Zeit sollte aber als Grundzutat mitgebracht werden.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im November 2017

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