Nachschlagewerk von Udo Pini: Das Bio-Food Handbuch

Nachschlagewerk von Udo Pini: Das Bio-Food Handbuch ★★★★☆

Das Bio-Food Handbuch
Udo Pini
h.f. ullmann (2014)

Susanne Heldt-Zedler

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Geht es Ihnen wie mir? Sind Sie ein begeisterter Leser des Erstlings von Udo Pini, des Gourmet-Handbuchs? Freund seines „gastronomischen“ Humors? Kleine Kostprobe daraus:

>>GAST<<
Jener Fremdling (lat. hospes, von der Sanskrit-Wurzel ghas = essen), der einst als Feind den Göttern geopfert wurde. Mit zunehmender Verfeinerung der Sitten wurde er Mit-Esser oder vom zubereitenden Gewerbe bloß Ausgenommener.“  


Es war und ist „gefährlich“ sein früheres, aber nach wie vor aktuelles Werk aus dem Regal zu holen, denn es bleibt meist nicht beim Nachlesen des einen gesuchten Begriffs! Daher war ich begeistert zu hören, dass sich Udo Pini auf das Thema „BIO“ gestürzt hat.

Udo Pini, Baujahr 1941, war Gründungsredakteur von Zeit- und FAZ-Magazin und schreibt in seinem Stil bereits seit 1970. Seit 1986 unabhängig, veröffentlicht er in verschiedenen Magazinen. Er war unter anderem viele Jahre Feinschmecker-Autor. Dies und viele Auslandsreisen schärften seinen Blick und seine Zunge für verschiedene Genüsse. Sein Wissen gipfelte 2000 in seinem ersten Werk  Das Gourmet Handbuch. Nun, mehr als 10 Jahre später, erschien sein neues Buch Das Bio-Food-Handbuch.

Ich muss mich hier ausdrücklich entschuldigen, aber mein erster Eindruck von diesem neuen Band ist sehr zwiespältig. Das Innere ist analog zum ersten sehr hochwertig gestaltet. Die Texte sind zweispaltig gestaltet und der Inhalt mit vielen, ja sehr vielen tollen Fotos unterfüttert. Aber ich habe immer den Eindruck, dass ich mit jedem Lesen den Umschlag immer schmutziger mache. Bitte wer verwendet ein helles Cover mit rauer Struktur für ein Buch, dass man immer wieder in die Hand nimmt? Ich sage nur: gewöhnungsbedürftig. Aber das ist „Jammern auf hohem Niveau“. Dennoch habe ich das Buch schon abgemessen und werde mir in Kürze einen Umschlag aus Kunststoff kaufen, auch wenn das nicht konsequent „Bio“ ist. (Schmunzel.) Nun zum eigentlichem Werk.

Ich glaube, im Leben eines jeden Liebhabers von Kochbüchern und begeistertem Leser von Valentinas-Kochbuch.de gab es einen Punkt, wo das Thema Bio-Lebensmittel aufkam. Ob schon durch das Elternhaus oder, wie in meinem Fall, nach verschiedenen Artikeln und Fernsehreportagen, die zum Beispiel zum Thema Nüsse, Gewürze oder Zitrusfrüchte einen „bitteren“ Beigeschmack hinterließen. Ich liebe es, den Schalenabrieb von Zitrusfrüchten überall zu verwenden. Der Anstoß zur Auseinandersetzung mit dem Thema Bio ist für alle von uns sehr vielfältig. Und damit kennen Sie unser gemeinsames Problem: die Anzahl und Unterschiede der einzelnen Bio-Siegel ist ein Buch mit sieben Siegeln (allein Udo Pini hat mindestens dreizehn beschrieben …).

Aber auch viele weitere, für mich sehr interessante, Informationen sind in dem Werk zu finden und sehr umfangreich erläutert. Oder kannten Sie bereits den Unterschied zwischen Bio- und konventionellem Ahornsirup? Ich persönlich verstärke, wie vorhin schon erwähnt, den Kaufanteil an Bioprodukten, denn immer mehr aufgenommene Informationen geben mir zu denken. Bei meinen Einkäufen wandern regelmäßig Haus- und Hofmagazine der Bio-Läden in meinen Einkaufskorb. Beim Studieren dieser, und auch meines Slow Food Magazins tauchen sie immer wieder auf, Begriffe, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Da ist der neue Pini eine unschlagbare Hilfe. Oder können Sie wirklich etwas mit den Begriffen ADI-Wert oder Food Miles etwas anfangen?

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Der erste Band von Pini betrachtete Begrifflichkeiten rund um das Essen, Zubereitung oder Küche: Aal, Absinth, Alkoholfrei, Bäuerchen, Cappuccino und, und und. Der neue dreht sich im Gegensatz dazu rund um das Thema Bio: Erläuterungen zu Begrifflichkeiten, Gegenüberstellung der Produkte aus konventionellem und biologischen Anbau wie z. B. bei der Ananas. Also ein umfangreiches Werk und eine mittlerweile notwendige Hilfe, um das Thema Bio überhaupt noch allumfassend begreifen zu können. Es gibt uns ebenfalls sachdienliche Informationen zu Höchstwerten und Rückständen und legt die Notwendigkeit des biologischen Anbaus dar. Es will uns auf unsere Verantwortung gegenüber unserer Umwelt hinweisen, uns aufzeigen, dass es möglich ist, Einfluss darauf zu nehmen. Es ist ein unabhängiges Werk, das uns ohne erhobenen Zeigefinger an die Hand nimmt, um dem Thema Bio „angstfrei“ gegenüberzustehen. Für jeden, der sich dem Thema Bio öffnen will oder der schon länger dabei ist, wird ein Handbuch an die Seite gegeben, das seinesgleichen sucht. Aber es ist der Albtraum eines jeden, der mal nur schnell nachlesen will.

Nur der Begriff Landwirtschaft wird mir nicht genug hinterfragt und erläutert. Vor einiger Zeit habe ich ein Werk von Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer gelesen: „Wo die glücklichen Hühner wohnen“. Hier findet sich ab Seite 74 das Kapitel „‚Gutes‘ Bio gegen ‚böse‘ konventionelle Landwirtschaft?“. Nachdem ich dieses gelesen habe, war mir der Punkt bei Pini zu einseitig betrachtet. Vermutlich ist dies dem Umfang des Handbuchs geschuldet. Es ist für mich aber auch ein Anstoß, zu diesem Thema ausführlicher zu recherchieren und mir eine eigene Meinung zu bilden.

Sind Sie mittlerweile soweit, dass Ihnen nicht egal ist, wie Ihr Essen wächst? Dann hilft Ihnen dieses beim Gang durch den Dschungel der Begrifflichkeiten und Produkte der Bio-Welt. Ja, ich kann sagen, dass ich dieses Werk wirklich gut finde: umfassende Darlegungen, sehr großer Umfang, tolle Fotos … es macht Spaß es zu lesen. Ich sage nur: Sie werden den Kauf nicht bereuen.

Veröffentlicht im September 2014

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