Kochbuch von Trish Deseine: Meine französische Landküche

Kochbuch von Trish Deseine: Meine französische Landküche ★★★☆☆

Meine französische Landküche
Trish Deseine, Fotos Deidre Rooney, Egmont vgs (2009)

Christiane Schwert

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Also grundsätzlich bin ich da ja eher konservativ. Ich finde eigentlich, dass irische Köche kein Buch über die französische Küche schreiben sollten. Ich weiß natürlich, dass es keine irreversible genetisch-kulinarische Disposition gibt, sondern Erfahrung, Sozialisation und auch Neugier unseren Geschmack und unsere Vorlieben bestimmen. Dennoch bin ich misstrauisch. Aber bei Trish Deseine, die ich aufgrund ihres grandiosen Schokoladenbuchs (zu deutsch: „Verrückt nach Schokolade“) sehr schätze, und die seit Ewigkeiten mit einem Franzosen verheiratet ist und außerdem, laut Verlag, zu den beliebtesten Kochbuchautorinnen Frankreichs gehört, mache ich da eine Ausnahme. Außerdem legt ja vielleicht gerade der „Blick von außen“ die Besonderheiten der französichen Küche frei.

Das Buch ist unterteilt in die Kapitel: Schnell, Langsam, Roh, Aus der Speisekammer, Raffiniert, Süß. Wobei die Sammlung eine Mischung bekannter Klassiker wie Coq au vin, Vichyssoisse oder Pissaladiere beinhaltet. Daneben gibt es „abgespeckte“ Versionen klassischer Rezepte, wie ein einfaches Cassoulet, bei denen die Autorin durch eine vereinfachte Zubereitungsart – und durch die Verwendung von Fertigprodukten („…,denn viele der Zutaten erhält man bereits in vorbereiteter Form – Sie sollten aber unbedingt darauf achten, französische Produkte zu kaufen!“) – Aufwand und Zeit zu minimieren sucht. Die anderen Rezepte sind entweder in Teilen französischen Ursprungs oder verwenden typische Zutaten.

Die Zubereitung ist für den Hobbykoch meist problemlos, beim Einkauf der benötigten Ingredenzien können bei einigen wenigen Rezepten Schwierigkeiten auftreten. So wollte ich eine Sauerampfersuppe auf rohem Lachs-Dill-Tartar machen, konnte aber keine Sauerampfer bekommen, obwohl Frau Deseine meint, diese sei von Mai bis Oktober auf dem Wochenmarkt erhältlich… Das ist dann halt der Unterschied zu Frankreich. Schön sind dennoch ihre Kommentare, die jedes Rezept einleiten und Hintergründe und Grundwissen liefern. Deren Kenntnis jedoch zum Nachkochen nicht unbedingt notwendig ist.

Die Rezeptsammlung wird zusammengehalten durch die thematische Klammer Französische Landküche. Im Vorwort erzählt Deseine von ihrer Landküche, sprich: der Küche ihres einstigen Landhauses, wie von realen einer Person: „Sie hat mich dazu gebracht, dieses ganze Buch zu schreiben,…“ Es geht hier also um einen in der Vergangenheit der Autorin wichtigen Ort, nicht um die bodenständige Küche auf dem französischen Land! Das ist mir als roter Faden für solch ein Kompendium etwas dünn und der Titel wohl eher Verkaufsargument als funktionierende inhaltliche Klammer.
Auch beim Layout vermisse ich eine klare Linie. Die Fotos sind schlicht, aber für meinen Geschmack dabei belanglos.

Dieses Buch und seine Rezepte finde ich nicht richtig gelungen. Bei mir ist der Funke einfach nicht übergesprungen. Es fehlt das letzte I-Tüpfelchen, die klare Linie. Es fehlt das Besondere, der Moment, an dem einem ein Rezept im Kopf bleibt. Und leider hält es nicht das Niveau seines schokoladigen Vorgängers. Die Latte lag allerdings auch sehr hoch und vielleicht hatte ich einfach zu viel erwartet. Trotzdem schade!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im September 2009

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