Kochbuch von Trine Hahnemann: Die skandinavische Küche

Kochbuch von Trine Hahnemann: Die skandinavische Küche ★★★★☆

Die skandinavische Küche – Originalrezepte aus Mittsommerland
Trine Hahnemann,  Christian Verlag (2009)
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Christiane Schwert

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

In meiner Kindheit haben wir einige Sommer in Skandinavien verbracht, in dem Ferienhaus norwegischer Freunde am Oslo-Fjord. Wir haben mit Schnüren Fische geangelt, Moltebeeren gesammelt und gefaulenzt. Es waren stets herrliche Wochen in denen die Zeit irgendwie still zu stehen schien. Luden uns die Freunde zum Essen ein, gab es köstliche mit einer Art Mayonnaise, Ei und Salat belegte Räucherlachsschnittchen. Unsere Gastgeber schnitten die Scheiben, die würzig-aromatisch und fast wie Schinken waren, frisch von einer ganzen Lachsseite hauchdünn ab. Eine echte Delikatesse und kein Vergleich mit der rosafarbenen Glibbermasse, die man heute häufig bekommt.

In dem Kochbuch von Trine Hahnemann, die in Dänemark eine anerkannte Autorität in Sachen Food ist, „Die skandinavische Küche. Originalrezepte aus Mittsommerland“ habe ich gehofft die schönen norwegischen Kindheitserlebnisse kulinarisch wiederzufinden. Und da ich seit Vive la France! ein ausgesprochener Fan des Christian Verlags bin, musste ich dieses Buch unbedingt haben.

Hahnemann unterteilt, und das gefällt mir gut, da ich es in dieser Konsequenz selten gesehen habe, ihre Rezepte in die einzelnen Monate. Jedes dieser Monatskapitel versammelt eine Mischung kleinerer Gerichte, Hauptgänge und Desserts. Das ist, da saisonales Kochen gerade sehr im Trend liegt, zeitgemäß, aber auch äußerst alltagstauglich: denn ist das eigene Standard-Repertoire „durchgekocht“, fehlen – zumindest mir – manchmal die Ideen fürs Obst und Gemüse der Saison.

In einer Zeit der steten Verfügbarkeit gewinnen durch Hahnemanns saisonalen Ansatz die Produkte an Wert zurück. Der Speisezettel wird so abwechslungsreich und farbenfroh, und man wird sich der Jahreszeiten bewusst, was in der Stadt keine Selbstverständlichkeit ist. Außerdem begeleitet einem so das schöne Buch durch das ganze Jahr: beginnt ein neuer Monat, hat man immer wieder einen Grund es zur Hand zur nehmen.

Trine HahnemannToll sind die stimmungsvollen Food- und Landschafts-Fotografien von Lars Ranek, die teilweise collagenhaft jedes Rezept und jeweils auf einer Doppelseite den Beginn eines neuen Monats bebildern. In ihrer Ausdrucksstärke könnten sie einem guten Werbeprospekt für Skandinavien entnommen sein. Sie werben nicht nur für die heimische Küche, sondern auch für das Land (die Länder) in all seiner Schönheit. Ich bin beim Betrachten dieses wunderbaren Bandes nicht nur hungrig geworden, sondern mich hat auch eine starke Sehnsucht ergriffen sofort gen Norden zu reisen.

Jedes Rezept wird durch einige persönliche, manchmal auch erklärende Sätze der Autorin (Foto links) eingeleitet. Die Zutatenlisten sind von überschaubarer Länge, wie auch das Layout und die Rezeptbeschreibungen klar strukturiert und nutzerfreundlich sind. Die Rezepte selbst sind von der Grundidee eigentlich immer ziemlich ansprechend und nachkochenswert. In der Ausführung waren sie mir teilweise allerdings etwas pur bzw. schmeckten recht gesund, da fehlte mir die geschmackliche Tiefe. Doch dem kann der Hobbykoch mit etwas Öl oder einer kleinen Zwiebel leicht Abhilfe schaffen.

Die Auswahl selbst ist von großer Bandbreite. Gleich beim ersten Durchblättern sind mir viele Gerichte ins Auge gesprungen, die ich unbedingt nachkochen wollte. Natürlich finden sich Klassiker wie Smorrebrod, Köttbullar oder Schwedischer Weihnachtsschinken, aber auch ein Rezept für Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln. Die Welt und ihre „Küchen“ rücken zusammen, werden globaler, das findet seinen Niederschlag natürlich auch in den Nationalküchen. Auch Hahnemann erweitert den Rahmen, wenn sie die skandinavischen Länder kulinarisch zusammenfasst und ihre Rezepte als die moderne skandinavische Küche der Gegenwart bezeichnet.

Ich persönlich hätte mir noch etwas mehr Lokalkolorit gewünscht. Es hätte ruhig noch typischer sein können. Das jedoch ist vermutlich meine eigene etwas konservative Erwartungshaltung, die auf der Suche nach der ursprünglichen skandinavischen Kochkunst war. Die habe ich zwar nicht gefunden, dafür aber eine besondere, alltagstaugliche, nordisch inspirierte Rezeptesammlung!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im August 2009

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