Kochbuch von Tom Vandenberghe: Thai Street Food

Kochbuch von Tom Vandenberghe: Thai Street Food ★★★★☆

Thai Street Food: Kulinarische Reiseskizzen aus Bangkok und Thailand
Tom Vandenberghe und Eva Verplaetse, Fotos Luk Thys, Hädecke Verlag (2011)
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Janina

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Tom Vandenberghe und Eva Verplaetse sind nach einem Jahr Aufenthalt Liebhaber Thailands und seiner Küche. Daraus ist dieses kleine Buch entstanden. Es ist nicht nur ein Kochbuch, sondern zugleich ein kulinarischer Reiseführer. Eine zunächst schwierig anmutende Kombination, aber das Konzept geht auf. Es ist voller informativer und charmanter Details über die Garküchen und ihre Kochkunst. Auf der Speisekarte: Rezepte für köstliche Kleinigkeiten.

Wart Ihr schon in Thailand? Ich noch nicht, aber neuerdings habe ich mit Thai Street Food ein Stück Thailand zuhause. Der Autor Tom Vandenberghe führt mich wie ein alter Freund gekonnt durch diese brummende kulinarische Welt und erklärt sie mir.

Das Straßenbild der Städte wird geprägt von kleinen Garküchen und Straßenständen, die den ganzen Tag leckere Snacks verkaufen, lese ich – und bekomme prompt Appetit. In dem Kapitel „Erkennen und Einteilen“ lerne ich die gängigen Garmethoden kennen und wie ich schon am Geschirr erraten kann, welche Speisen am Stand angeboten werden: Holz- oder Granitmörser sind ein Hinweis, dass der grüne Papayasalat angeboten wird.

Vorsicht: Solltet ihr einen Reiseführer mit Shoppingtipps und Sightseeing erwarten, werdet ihr enttäuscht. Der Charakter des Reiseführers beschränkt sich auf die kulinarische Perspektive Thailands. Ausführlich erzählt Tom Vandenberghe wie das Chinesische Viertel in Bangkok entstanden ist und in welchen Straßen mich Geschmacksimpressionen erwarten. Hinweise zu Hotels suche ich jedoch vergebens. Ich vermisse sie aber auch nicht. Stattdessen stehe ich nach kurzer Zeit in der Küche, um eines der Rezepte nachzukochen. So hole ich wenigstens ein bisschen Thailandflair in meine Berliner Küche.

Die Gerichte reizen mich besonders, weil der Autor mir jene vorstellt, die er auf seiner Reise schätzen gelernt hat. Sie finden sich in hübsch klingenden Kapiteln wie „Am Morgen“ oder „Das Beste aus Isaan“. Die Titel sind mal nach Tageszeit, mal nach einem bestimmten Ort benannt. Hier hätte ich mir für das schnelle Wiederauffinden mehr Einheitlichkeit gewünscht. Denn so blättere ich auf der Suche nach einem bestimmten Rezept das Buch von hinten nach vorn und wieder zurück, weil ich es nicht spontan einem bestimmten Kapitel zuordnen kann.
Dafür finde ich auch bei den Rezepten immer wieder Restauranttipps und kleine Anekdoten wie z.B. über thailändische Krapfen: „Ein verliebtes Paar ist wie Pah Thong Kho “ mit anderen Worten, es lässt sich nur schwer trennen..

Die Fotos sind so authentisch, dass sie mich direkt nach Thailand versetzen. Sie zeigen junge Verkäufer, lächelnd vor einem dampfenden Grill, essende Menschen, als würde man gerade an ihnen vorbei schlendern oder etwas bestellen. Und natürlich das Essen selbst: mal in Schüsseln und garniert, dann wieder in Plastikschalen oder -tüten, so wie es auf der Straße verkauft wird, aber immer genussverheißend.

Die Kochanleitungen selbst sind sachlich kurz gehalten. Das erleichtert das konzentrierte Nachkochen. Die ergänzenden Hinweise oder Geschichtchen laden zu jeder Zeit zum Schmökern ein. So gefällt mir das. Toll ist auch, dass für die Zutaten, die hier nur schwer bis gar nicht zu beziehen sind, immer auch ein gängiger Ersatz angegeben ist z.B. kann der Bananenblüten-Hähnchen-Salat mit Chicoree statt Bananenblüten zubereitet werden. Die Rezepte kommen oft mit erstaunlich wenigen Zutaten aus und schmecken immer hervorragend (Ausnahmen bestätigten die Regel). Vegetarische Rezepte gibt es übrigens wenige und auch sonst wird Gemüse eher spärlich eingesetzt – das habe ich vermisst. Gelernt habe ich, dass bei dieser Küche das Geheimnis in der Sauce liegt, die aus recht gewöhnlichen Zutaten etwas Exotisches entstehen lässt. Aber auch den Rhythmus dieser Gerichte: Beim Kochen brauchte ich für das Schnippeln oft am längsten, dann, erstmal im Wok oder der Friteuse, ist das Essen in Null Komma Nix fertig.
Zu meinem Glück fehlt mir allerdings noch ein Einlegebändchen, denn das Taschenbuch schlägt beim Kochen immer wieder zu..

Für mich sind die Rezepte aus Thai Street Food ideal für Picknicks oder als Mitbringsel zu einem Brunch. Oder wenn mich die Lust nach dem fernen Osten packt. Dann hole ich nun das Kochbuch hervor und begleite Tom Vandenberghe ein Stück durch das kulinarische Thailand.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im September 2011

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