Kochbuch von Tobias Rauschenberger: Willkommen im Gemüsegarten

Kochbuch von Tobias Rauschenberger: Willkommen im Gemüsegarten ★★★☆☆

Willkommen im Gemüsegarten
Rezepte quer durchs Beet
Tobias Rauschenberger, Fotos O. Brachat, Hölker Verlag (2013)
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Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Seit ich Leser-Rezensionen veranstalte, kommt es immer wieder dazu, dass die Meinungen über das Objekt weit auseinander gehen. Das erstaunt zuerst – wahrscheinlich die rezensierenden Leserinnen am meisten. Aber ganz ehrlich: Ich finde es gut. Denn es zeigt, dass es sich auch über ein Kochbuch und seine Rezepte wunderbar diskutieren lässt. Am besten natürlich bei einem Glas Rotwein, aber das ist online noch nicht möglich. Claudia und Stef haben uns so einen Fall beschert. Danke!

Katharina: Ganz kurz zu Dir als Köchin: wie lange und leidenschaftlich bist Du dabei?

Claudia: Zu mir als Köchin: Ich fing spät an zu kochen, durch meine Tätigkeit als Hotelfachfrau und meine Partnerschaft mit einem Koch war ich oft versorgt.
Später, als vor 19 Jahren meine erste Tochter geboren war und ich „solide Hausfrau“ wurde, fing ich dann richtig an zu kochen. Aber eigentlich von Anfang an nie streng nach Rezept. Ich habe zwar Unmengen von Kochbüchern, benutze sie aber eher als Inspiration und nicht als Anleitung. Mir fiel es direkt schwer, die Rezepte des Buches ganz getreu nach zu kochen.
Jetzt fühle ich mich durch meine Kinder oft ausgebremst, da sie leider sehr eingeschränkt essen. Deshalb tobe ich mich oft kochtechnisch in Kochkursen bei der vhs aus. Da werden raffinierte Gerichte gekocht und man muss nicht darauf achten, ob das auch jeder mag. Diese Kochabende sind meine ganz persönlichen Highlights.

Stef: Ich koche seit meiner Kindheit. Aber so richtig intensiv und leidenschaftlich so seit 12 Jahren, seit ich wieder in Deutschland lebe und über eine Küche verfüge, die Kochspaß aufkommen läßt. Ich liebe und sammle Kochbücher und bin sehr viele im Netz bei den verschiedensten Food-Blogs unterwegs. Zurück in der analogen Welt stürze ich mich gemeinsam mit Kochfreund René in allmonatliche (na ja, leider klappt’s nicht immer mit dem allmonatlich) Kochgelage, bei denen alles ausprobiert wird, was einem sonst so im Alltag zu abgehoben erscheint (Rochenflügel – her damit, Kalbsbries – jawoll, hausgeräucherte Schmankerl – na klar…) oder aber alles, was der Markt so hergibt, wird in die Höhle geschleppt, gemeinsam zubereitet und dann am Abend zusammen mit den Ehemännern aufgegessen und bewertet – ein großer Spaß das. Im Alltag koche ich am liebsten täglich, ich finde es sehr entspannend am Herd. Wenn ich nicht zu spät aus dem Büro komme oder noch verabredet bin, dann geht es jeden Abend von Neuem los, häufig dann allerdings Klassiker und Lieblingsessen. Bei mehr Zeit probiere ich auf jeden Fall gern Neues aus und lasse mich von Büchern, Blogs und in Restaurants und Deli´s genossenen feinen Dingen inspirieren. Allerdings bin ich aktuell und schon länger andauernd nahezu kochbuchmonogam, Yotam Ottolenghi-abhängig und der levantinischen Küche verfallen … ach ja …

Katharina: Was hat Dir spontan an dem Buch gefallen, was nicht so?

Claudia: Mir gefiel spontan das Format und das feste, rustikale Papier. Bei mir sind Kochbücher Gebrauchsgegenstände (und so sehen sie auch oft aus). Unbequem fand ich, dass manch außergewöhnliche Zutat nicht mal kurz erklärt war. Das hätte ich mir teilweise gewünscht. (Bsp: „Piment d’Espelette“, Mirin-Essig“ oder „Raz el Hanout“) Mir gefiel die Mischung aus „altbekannt“ und „mal was ganz anderes“. Praktisch finde ich die Anordnung der Rezepte nach dem Alphabet.

Stef: Spontan gefallen hat mir die alphabetische Anordnung der Rezepte, leider war es das auch schon fast an positiven Eindrücken. Ich finde dass Buch nicht gelungen, seltsam uninspiriert, tantig-altbacken im Ton. Das Konzept „Gemüse – quer durchs Beet“ mit u.a. Anbautipps habe ich anderswo (Jamie Oliver „Natürlich Jamie“, Sally Butcher „Veggiestan„, Nigel Slater „Tender 1″, Sophie Dahl „Von Saison zu Saison“ o.ä.) deutlich begeisternder, informativer, spannender und besser fotografiert gesehen. Für mich ist das Buch leider keine Bereicherung.

Katharina: Welche Rezepte hast Du nachgekocht und wie waren sie?

Claudia: Ich habe mir ganz bewusst Rezepte ausgesucht, die mich nicht sofort mit „Hmmm, lecker“ angesprungen haben, sondern welche, wo ich dachte „Oh, wie das wohl schmeckt?“
So kam ich auf die Auberginenchips. Die waren in der Tat viel leckerer als ich erwartet hatte. Allerdings wirklich nur im absolut frisch zubereiteten Zustand. Ich hatte sie mit zu einer Grillparty genommen im geschlossenen Gefäß und da waren sie grauenhaft. (Labberig!) Hier hätte ich mir einen Hinweis gewünscht!
Dann probierte ich noch „Spargel mit Radieschen-Schnittlauch-Vinaigrette“. Ich liebe Spargel und bin da sehr experementierfreudig. Das Rezept machte mich neugierig aufgrund der Zubereitungsart (Spargel im Backpapierpäckchen in Weisswein gebacken) und die Kombination mit den dominanten Radieschen fand ich auch sehr gewagt. Aber: Das passte ausgezeichnet. Der Spargel war super zart, aber nicht weich, und die Radieschen machten sich hervorragend dazu.
Als drittes Rezept probierte ich „Blumenkohlpüree mit Arganöl“. Das war gar nicht mein Geschmack, obwohl ich Blumenkohl eigentlich gern mag. Positiver Nebeneffekt: Aufgrund dieses Rezeptes gönnte ich mir erstmalig das teure Arganöl und habe es lieben gelernt!

Stef: Broccoli-Couscous mit Hähnchenspießen: War lecker, aber es fehlte mir Säure (habe ich mit Salzzitronen gelöst), Frische (rein mit Minze und Koriander) und Würze. Das Teelöffelchen Ras el Hanout war mir zu wenig und ich habe noch Cumin benutzt.

Möhrensalat mit Sesam-Vinaigrette und Koriander: Der war der Knaller, ganz klasse und ich habe die Würzvariante auch noch an einem Kraut-Kohlrabisalat und an einem dicke Bohnen/grüner Spargel/Spitzkohlsalat ausprobiert. War wirklich auch in den anderen Varianten gut und eine schöne Anregung, aber es fehlte mir auch hier die Säure. Diesmal kam der Reisessig zum Einsatz.

Spargel mit Radieschen-Schnittlauch-Vinaigrette: Das Rezept war für mich enttäuschend, irgendwie belanglos und so naja.

Geschmorte Möhre mit Sternanis: Tolles Rezept, sehr einfach, ratz-fatz zubereitet und wirklich ein toller Geschmack. Gab’s bei mir zu einem Stück scharf auf der Hautseite angebratenen Lachs.

Katharina: Dein Fazit zu dem Buch und Deine Empfehlung, in welchen Händen es besonders gut aufgehoben ist?

Claudia: Ein durchaus gelungenes Kochbuch, welches viele Anregungen bietet. Sicherlich werde ich nicht das letzte Mal daraus gekocht haben. Man darf allerdings kein „Anfänger“ sein, da die Anleitungen oft nicht besonders detailliert sind und man muss eigentlich auch ein Gemüseliebhaber sein, um die teilweise ausgefallenen Rezepte probieren zu wollen.

Stef: Definitiv keine Kaufempfehlung für Foodies und kochbegeisterte Menschen mit einschlägiger Literatur im Schrank. Wer ein Kochbuch in dieser Richtung sucht oder eines verschenken möchte, dem rate ich zu einem anderen Autor/Autorin.

Katharina: Wie viel Sterne bekommt das Kochbuch?

Claudia: 4 Sterne, ein Kochbuch, das zufrieden macht!

Stef: 2 Sterne

Katharina: Herzlichsten Dank!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2013

2 Kommentare

  1. Juliane

    Spannend, so unterschiedliche Meinungen zu diesem Buch zu lesen! Ich habe das Kochbuch auch und finde es super. Alle nachgekochten Gerichte haben prima funktioniert und mir gut bis sehr gut geschmeckt. Am besten fand ich bisher den Spargel mit Schnittlauch-Radieschen-Vinaigrette, der sich zum Blog-„Buster“ entwickelt hat und schon von vielen anderen Bloggern begeistert nachgekocht wurde.
    Viele Grüße und schöner Tag noch,
    Juliane

    • Katharina

      Ja, dass das der Renner war, wurde mir schon getweetet. Wow. 🙂

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