Kochbuch von Tim Mälzer: Greenbox

Kochbuch von Tim Mälzer: Greenbox ★★★★☆

Greenbox von Tim Mälzer
Fotos © Matthias Haupt, Mosaik Verlag (2012)
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Christiane Schwert

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Vegetarische Küche ist in, außerdem irgendwie gesund und korrekt sowieso. Ein Koch, der etwas auf sich hält, muss da mitziehen. So hat nun auch Tim Mälzer, der Küchenbulle, fleischlos publizistisch nachgelegt. Mit prominenter Mannschaft (Marcel Stut, Stevan Paul etc.) für ein paar Tage ab nach Mallorca und fertig war die Greenbox. Das Ergebnis gefällt mir, auch haben die Rezepte geschmeckt. Und doch glaube ich, dass das Herz des Autors nicht der grünen Küche gehört.

Tim Mälzer wird ja oft als der deutsche Jamie Oliver bezeichnet, wobei ich finde, dass das nur bedingt stimmt. Oliver hat, wie ich meine, im Lauf der Jahre sich immer mehr in den Dienst einer kulinarischen Mission gestellt. Ganz unverkrampft, aber mit enormer Außenwirkung. Mälzer ist auch ein relaxter Typ, aber eben ohne Mission. Von daher war ich gespannt auf sein grünes Kochbuch.

Doch die Gratwanderung gelingt. Ganz ohne Zeigefinger, der ihm im Übrigen schlecht stehen würde, erklärt er schlicht, dass die Zeit reif war für ein grünes Kochbuch. Also durchaus ein Zugeständnis an den Zeitgeist. Weiter gesteht er freimütig, dass die Umsetzung gar nicht so einfach war: „Als Köche waren wir es gewohnt, Rezepte von Fisch und Fleisch ausgehend zu konzipieren, wir mussten gründlich umdenken.“
moehren-315Mälzer nähert sich, so verstehe ich das, der vegetarischen Küche also eher von außen. Er hat dazu keine eigene kulinarische Philosophie. Vielmehr haben er und sein Team „Berge von Gemüse und Früchten gekauft und einfach losgelegt.“ Diese Vorgehensweise meine ich dem Buch stellenweise anzumerken, manchmal fehlt das kleine Quentchen, das aus einem guten Rezept ein besonderes macht. Natürlich erscheint die Greenbox auch in Zeiten vegetarischer Schwergewichte (Ottolenghi, Fearnly-Whittingstall, Seiser/Neunkirchner), mit denen sie sich messen lassen muss. Und die nochmal anders aus dem Vollen schöpfen, da ihnen die vegetarische Küche echtes Anliegen ist.

Die Rezepte der Greenbox kommen ungeordnet auf über 250 Seiten hintereinander weg, unterbrochen von kurzweiligen Ausflügen zu verschiedensten Themen (Küchenhelfer, Molkereiprodukte, Tofu & Tempeh …). Für die gängigsten Gemüsesorten gibt es immer eine Doppelseite mit drei oder vier schnellen Basisrezepten.

System bringt ein super Register! So habe ich gerne vorne im Buch geschmökert, und bei genaueren Kochideen hinten nachgeschlagen. Zunächst sind die Titel der Rezepte alphabetisch aufgelistet, dann nach Gemüsesorten, Hülsenfrüchte & Obst. Es folgt eine saisonale Sortierung, und abschließend ein Register mit der Einteilung: Einfach, Schnell (unterteilt in 10, 15, 20, 25, 30 Minuten-Gerichte), Für Gäste (Party, Menü). So wünsche ich mir das in jedem Kochbuch!

Tims_Knusperburger-315Die Rezepte umfassen, auch was die Zutaten angeht, ein große Bandbreite, sind teils asiatisch (Grünes Dschungel-Curry) oder auch mediterran (Minestrone) angehaucht. Schön die Rezepte für verschiedene Salsas, Pesti oder Bröselvariationen, die den nötigen Wumms reinbringen sollen.
Ein bisschen merkt man der Zutatenauswahl an, dass die Produktion zur Kurzen-Hosen-Zeit auf Mallorca stattgefunden hat. Da war ich nun im Winter in Deutschland doch etwas eingeschränkt.
Alle Rezepte sind prima beschrieben. Unter den Rezepttexten werden häufig noch mögliche Varianten gegeben oder eine verwendete Zutat erklärt. Manches braucht etwas mehr Zeit, wie z. B. der Griechische Salat mit Gurken „Sous Vide“, für den die Gurkenstücke 24 Stunden in Weißweinessig, Zucker und Dill vakuumiert werden sollen. Doch das meiste ist alltagstauglich, kocht sich schnell weg und schmeckt.

Allerdings haben mich nicht alle Rezepte der Greenbox neugierig gemacht. Will sagen: Es gab schon Kochbücher, die mir mehr Inspirationsquell waren, bei denen ich kaum wusste, was ich zuerst kochen sollte. Aber das ist natürlich subjektiv.

Layout und Aufmachung mag ich richtig gerne. Abwechslungsreich und absolut auf der Höhe der Zeit. Locker flockig, mit Fotos von der Produktion, immer auch von den einzelnen Gerichten, wenn vonnöten auch mit Step-by-Step-Fotos. Mit Liebe zum Detail illustriert. Und natürlich auch hier, ganz State of the art, mattes (Recycling-?)Papier. Das schaut man immer wieder gerne an!

Kurzum, die Greenbox ist ein gutes, ein durchdachtes Kochbuch. Tim Mälzer ist ein Profi und auch sein Team weiß, was es tut. Die Rezepte sind schmackhaft und funktionieren. Was fehlt ist das kleine Fünkchen grüne Leidenschaft.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im April 2013

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