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Katharina Höhnk

Kochbuch von Tieghan Gerard: Das hippe Landkochbuch ★★★★

Das hippe Landkochbuch – Kreative, saisonale Rezepte aus meiner Scheune in den Bergen, Tieghan Gerard, Unimedica Verlag (2020)

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Susanne Hohmann

Von

Ich bin weder hipp noch lebe ich auf dem Land. Aber was die US-Bloggerin Tieghan Gerard aus Colorado auf ihrem Blog Half Baked Harvest vorstellt, finde ich inspirierend. Werden ihre Rezepte auch als Buch funktionieren?

Aufgewachsen ist Tieghan Gerard (Foto unten) als eines von sieben Kindern. Obwohl sie ein Familienmensch sei, war der chaotische Tagesablauf zu viel für sie, schreibt sie. So begann sie, selbst dafür zu sorgen, dass das Abendessen rechtzeitig auf dem Tisch steht, und entdeckte dabei ihre Liebe zum Kochen und zum Entwickeln von Rezepten.

Tieghan Gerard (c) Kristen Kilpatrick
Tieghan Gerard (c) Kristen Kilpatrick

Diese Leidenschaft unterbrach sie nur für ein kurzes Intermezzo als Talentagentin in Los Angeles. Wegen Heimweh brach sie ab, kehrte zurück in die Berge nach Summit County (circa. 30.000 Einwohner) und gründete mit gerade mal 19 Jahren den vielgelesenen Blog „Half Baked Harvest“, mit dem sie heute ihren Lebensunterhalt bestreitet.

Tieghan Gerard legt auf Wert auf alltagstaugliche Rezepte mit einem gewissen Twist, die richtig Spaß machen, am besten gästetauglich und auch noch gesund sein sollen – kurz: Ideen für jeden Tag und jede Gelegenheit. Und so gibt es kapitelmäßig als Erstes Frühstück. Allerdings – mit Rezepten wie Croque-Madame-Frühstückspizza, knusprigen Hafer-Honig-Riegeln oder Armen Rittern mit Erdnussbutter-Crunch ist mir das dann alles etwas zu aufwendig, zu üppig und nun, etwas zu US-amerikanisch. Ich blättere weiter.

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Die restlichen Kapitel sprechen mich deutlich mehr an. Unterteilt in Vorspeisen, Pasta und Getreide, Geflügel und Schweinefleisch, Fisch, Rind und Lamm, Vegetarisches sowie Süßspeisen und Desserts ist für jeden Geschmack und jede Gelegenheit etwas dabei. Die Rezepte sind nordamerikanisch mit Ausflügen ins Französische oder Mediterrane wie beim Coq au Vin mit Nussbutternudeln oder dem Gyros mit Feta-Pommes, ins Lateinamerikanische bei Mahi-Mahi-Tacos oder ins Asiatische wie beim Meeresfrüchte-Bánh-Mie.

Kochbuch von Tieghan Gerard: Das hippe Landkochbuch

Rezepte mit Persönlichkeit

Beim Lesen wird zwar sofort klar, wie vielseitig Gerards Rezepte sind. Gleichzeitig zieht sich aber die kulinarische Handschrift der Autorin deutlich als roter Faden durch das Buch. Die Gerichte sind bunt und fantasiereich, es werden beherzt Länderküchen kombiniert. Das spricht mich an: Ich mag die Ideen, zum Coq au vin Nudeln mit knusprig gebratenem Salbei zu servieren oder die Pommes frites zum Gyros mit Feta aufzumotzen. Beeindruckend sind auch die immerhin fünf Varianten an Guacamole, da gibt es unter anderem eine sommerliche mit Mais und Tomatillos und eine fruchtige mit Granatapfel, Mango und Basilikum.

Aber ach, das Lektorat …

Leider gibt es ein dickes Minus für Übersetzung und Lektorat, ich bin immer wieder über Ungereimtheiten gestolpert. Es gibt Käse-Makkaroni wie beim Italiener, dabei sind Mac ’n’ Cheese zutiefst unitalienisch. Es wird Öl erhitzt, bis es „schimmert“. An meine Quinoa-Bällchen soll ein nicht näher definiertes Gewürzsalz, das sich beim Nachschlagen auf dem Blog schlicht als koscheres Salz herausstellte. Die Liste ist lang, und das nahm mir etwas den Spaß. Es ist auch deshalb schade, denn im Übrigen sind die Rezepte gut strukturiert und detailreich erklärt.

Tieghan Gerard über ihr Kochbuch:

„Meine Philosophie über das Essen: Es soll fröhlich, wunderschön und absolut heimelig sein.“

Thiegan Gerard erzählt mit Begeisterung von ihren Gerichten und Ideen, was sich in kleinen Einführungen zu den Rezepten niederschlägt. Sie hat alles selbst fotografiert und auch da ihre ganz persönliche Sprache gefunden. Hübsch gestylt sind die Fotos, aber nicht zu verspielt, schön bunt und doch natürlich – genau wie die Rezepte.

Gerards kreative Rezepte möchte ich allen ans Herz legen, die auf der Suche nach Abwechslung in der Küche sind und Spaß daran haben, sich ohne Dogmen durch die verschiedensten Kochstile und Länderküchen zu kochen. Vielleicht liegt es an der Weite in den Colorado-Bergen, dass die Bloggerin sich die Freiheit nimmt, die Welt auf dem Teller so frei zu verweben.

Veröffentlicht im Mai 2021

2 Kommentare

  1. Claudia

    Leider ist nicht nur die Übersetzung eigentümlich, auch die Liste der Zutaten ist, an vielen Stellen schlicht falsch oder es fehlt etwas. Wer das Buch wirklich genießen will, sollte es im Original kaufen.

  2. Christiane

    Auf diese Rezi war ich schon gespannt, denn tatsächlich sehen die Gerichte auf IG von ihr meist richtig gut aus! So schade mit dem Lektorat, muss man sich vielleicht doch das Original holen. Auch das deutsche Cover ist – wie ich finde – deutlich schwächer, als das der Originalausgabe.

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