Kochbuch von tibits & Hiltl: Vegan Love Story

Kochbuch von tibits & Hiltl: Vegan Love Story ★★★☆☆

Vegan Love Story
Reto Frei & Rolf Hiltl
Fotos Juliette Chrétien
AT Verlag (2014)
Mehr über den Verlag

Christiane Schwert

Von

Drei Sterne: Hat Stärken, aber überzeugt nicht ganz.

Die vegane Welle rollt und rollt. Als kulinarisch interessierter Mensch kann ich mich dem ja kaum noch entziehen. Also jetzt: Vegan Love Story! Dahinter steht eine Kooperation der Schweizer vegan-vegetarischen Restaurants Hiltl und tibits. Beide sind Vorreiter dieses Ernährungs-Trends, vor allem in der Schweiz.

Wie stolz im Anhang erzählt wird, ist das Haus Hiltl das älteste vegetarische Restaurant der Welt (seit 1898). Damals eher Rohkost-orientiert, heute mit mittlerweile sieben Ablegern in ganz Zürich. Sie bieten Feinkost für Zuhause, Selfservice, aber auch klassischen A-la-Carte-Betrieb. Und das vorliegende Kochbuch ist nicht das erste.

Auch das tibits, das, Applaus, Applaus, seit 2008 eine Filiale in London hat (einer „Welthauptstadt des Geschmacks“), hat bereits publiziert (siehe hier). Im tibits, so lese ich, kann sich der Kunde von Frühstück bis Apéro Speisen an einem „reichhaltigen“ Buffet auswählen. Nun das liest sich schon ein bisschen nach Werbebroschüre, mit Adressangaben und genauen Zahlungsmodalitäten. Da ist von einer rekordverdächtigen Geschichte die Rede und einem Füllhorn an Erfahrungen Und hier nun „wachsen die veganen Philosophien von Hiltl und tibits auf mustergültige Weise zusammen.“ Auch können diverse vegane Zutaten aus diesem Kochbuch im Hiltl Laden gekauft werden. Hm. Ich switche zu den Rezepten!

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Eleganz & gute Rezeptbeschreibungen

Da gibt es Vorspeisen und Suppen, Salate, Warme Gerichte, Desserts, Rezepte für das Frühstück und Drinks und ein kurzes Kapitel mit veganen Grundrezepten für Mayonnaise oder Biskuitteig. Das Buch ist schön gemacht, mit meist ganzseitigen, elegant anmutenden, wenn vielleicht auch etwas kühlen, Fotografien. Witzig der Buchdeckel, der durch ein eingestanztes Loch in Herzformat (Love!) Einblick auf die erste Seite gibt! (Linkes Foto: das Team)

Doch die Auswahl der Rezepte war dann gar nicht so einfach. Einiges war mir irgendwie zu exotisch, wie etwa Sternfrucht-Pickles mit Safran, Zucker und Chili. Anderes konnte ich mir schlecht vorstellen, wie Mango-Gazpacho mit Ketchup. Überhaupt war es oft die Zusammenstellung der Zutaten, die mich nicht angesprochen hat. Viele Gerichte spielen mit der Aromenkombination von süß und pikant: Schwarzwurzelsalat mit Kumquats, Mango-Bananen-Curry, Maniok-Ananas-Salat oder Linseneintopf mit Rosinen und Birnen…

Asia statt Exotik

Mich haben am ehesten die Rezepte mit asiatischem Einschlag überzeugt, wohl weil sie im Ursprung ohnehin vegan gedacht sind. Das nachgekochte Grüne Thai-Auberginen-Curry war gut und auch den Cantonese Fried Rice würde ich so bestimmt nochmal kochen. Sie waren zwar jetzt nicht wahnsinnig raffiniert – einmal wird mit Sojasauce gewürzt, einmal mit fertiger Thai-Chilipaste – schmeckten aber ganz ordentlich. Und die Rezepte sind gut beschrieben und gelingen, das gilt im übrigen für alle, die ich nachgekocht habe.

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Doch bei den anderen hat mir oft etwas gefehlt. Was gewiss auch mit meiner eigenen kulinarischen Prägung zu tun hat. Zwar esse ich oft vegetarisch, wenn es passt auch vegan, vermeide aber alle veganen Ersatzprodukte. Ein Beispiel aus dem Buch: Kurz vor Fertigstellung wird die wirklich leckere Bündner Gemüse-Gersten-Suppe mit veganer Saucencreme abgeschmeckt. Die hat der Suppe jedoch einen so unangenehmen Beigeschmack gegeben, dass ich sie kaum noch essen mochte…

Zwiebeln, Knoblauch & Öl …

Ich habe den Eindruck, dass relativ selten Knoblauch oder Zwiebeln verwendet werden. Zum Beispiel der Auberginen-Amarant: Eigentlich eine feine Idee, geröstete Aubergine mit Amarant, Rucola, Petersilie und Basilikum. Doch für mich hätte da noch ein bisschen Knoblauch oder wenigstens ein Lauchzwiebelchen dazugehört. So muss allein der Geschmack der Kräuter und das Dressing aus Gemüsebrühe und einem Löffel Öl das Gericht tragen. Das Ganze hat einfach nur gesund geschmeckt und irgendwie grün, und so als ob man nicht satt wird, egal wie viel man isst. Ich glaube, ich mag es einfach intensiver und ja auch etwas gehaltvoller.

Überhaupt kommt es mir so vor, als würde eher wenig Öl verwendet. Auch gibt es nur vier oder fünf Rezepte, die durch die Beigabe von Nüssen geschmacklich bereichert werden. Dabei ist das doch so eine schöne Komponente der fleischlosen Küche. Auch die Portionen waren mir teils suspekt.

Schlanke Portionen

Gut, die Suppen sind hier bestimmt als Vorspeisen gedacht. Aber selbst dann will ich vielleicht in meinem Schälchen mehr als 5g Sojabohnen (Miso-Suppe mit Shiitakepilzen und Sojabohnen)? Ok, dazu kamen dann noch pro Portion eine Viertel Frühlingsziebel, 7,5 g Shiitakepilze und ein Viertel TL Pflanzenöl, na und natürlich Brühe… Oder die Gerichte sind alle so Buffet-Gerichte, die gar nicht für sich stehen müssen, sondern kleiner Teil von Verschiedenem sind?!

Eine richtige „Vegan Love Story“ war das Kochbuch bei mir nicht, nein, the big love fühlt sich anders an. Wir zwei, wir sprechen einfach eine andere kulinarische Sprache. Was allein nicht schlimm wäre. Es ist ihm aber auch nicht gelungen mich mitzureißen auf unbekanntes Terrain.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Mai 2015

2 Kommentare

  1. fischkutter

    Vorweg: ich liebe Tibits und Hiltl. Ich finde die Restaurants und die Kochbücher super.

    Wenn ich vegetarische oder vegan esse, dann verzichte ich lieber auf Ersatzprodukte. Das macht für mich keinen Sinn, weil sie selten so gut schmecken wie das Original.
    Ich habe nur den Ale-Pilz-Pie ausprobiert und da den Palmölblätterteig durch eine Polentakruste ersetzt. Das Essen war okay, aber all in all kann mich das Buch nicht begeistern.

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