Kochbuch von Tian Tang: Das China-Kochbuch

Kochbuch von Tian Tang: Das China-Kochbuch ★★★★☆

Das China-Kochbuch – Bilder,
Geschichten, Rezepte
Tian Tang
Jacoby & Stuart Verlag (2019)
Mehr über den Verlag

Dietmar Adam

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Ich habe ein etwas seltsames Hobby: chinesische Kochvideos schauen. Die sind zwar fast alle auf Chinesisch und ich verstehe kein Wort, aber immer wieder sehe ich fasziniert zu, wie aus wenigen Zutaten blättrige Pfannkuchen oder kunstvolle Teigtaschen entstehen. Und nur wenn ich irgendwelche Zutaten nicht einmal ansatzweise erraten kann, schalte ich enttäuscht ab.

Überrascht und auch ein wenig enttäuscht war ich, dass ich diese Pfannkuchen, die manchmal auch mit Lauchzwiebeln gefüllten Teigtaschen ähneln, nicht in Tian Tangs Kochbuch gefunden habe. Aber es sollte die einzige, leicht zu verkraftende Enttäuschung bleiben. Denn die Autorin, die seit zwanzig Jahren in Deutschland lebt und mit dem Japaner Kenichi Kusano verheiratet ist (gemeinsam haben sie ein erfolgreiches Japan-Kochbuch verfasst), hat ein Buch geschrieben, das zunächst optisch hervorsticht.

Kochbuchautorin Tian Tang

Zwar wird es nicht explizit erwähnt, aber da Tian Tang (Foto links) nicht nur eine erfahrene Köchin ist sondern auch Illustratorin, werden wohl die vielen stimmungsvollen Tuschzeichnungen von ihr stammen. Traditionelle, aber auch moderne Elemente fließen in die bezaubernden Illustrationen ein, so dass ich mich unwillkürlich nach China versetzt fühle. Da stört es kein bisschen, dass die mehr als sechzig Rezepte ganz ohne Fotos auskommen. Denn die hätten das fein abgestimmte wunderschöne Layout unweigerlich zerstört.

Rückbesinnung auf traditionelle Rezepte

Die chinesische Küche hat hierzulande nicht unbedingt den besten Ruf. Zwar zählten chinesische Restaurants zu den ersten Gaststätten, die die bodenständigen Deutschen mit fremden Speisen vertraut machen wollten. Doch im Lauf der Zeit litt ihr Ansehen doch ziemlich unter ausufernden, mitunter dreistelligen Speisekarten, dem Anbiedern an hiesige Erwartungen und der Diskussion um das leidige Thema Glutamat. Erst in den letzten Jahren konnten chinesische Restaurants durch eine Rückbesinnung auf traditionelles Essen und Streetfood-Highlights wieder auf sich aufmerksam machen.

In diesem Zusammenhang ist es schön, dass sich auch Tian Tang von alten Traditionen leiten lässt. Wichtig ist es ihr, dass die Zutaten der Rezepte möglichst einfach zu beschaffen sind. Das ist, da inzwischen selbst gewöhnliche Lebensmittelgeschäfte Soja- und Austernsauce, Tofu, Reiswein, Klebreis, Sichuanpfeffer und Mu-Err-Pilze führen, keine große Herausforderung mehr. Allerdings steht es mit der Qualität dieser Produkte nicht immer zum Besten, weshalb der Besuch eines gut sortierten Asia-Shops auf jeden Fall ratsam ist.

Dämpfen und Pfannenrühren – auch ganz ohne Spezialausrüstung

Kochbuch von Tian Tang: Das China-Kochbuch

Die Auswahl der Rezepte hat mir gut gefallen, vor allem, weil vieles dabei ist, was wenig Zeit beansprucht. Wer jedoch größere kulinarische Herausforderungen sucht, mag vielleicht enttäuscht sein, denn oft entsteht die Würzung allein aus dem Zusammenspiel von Salz, Pfeffer, Sojasauce, Reisessig und Reiswein.

Wer möchte, kann sich ohne großen Aufwand mit typischen chinesischen Garmethoden vertraut machen, etwa dem Pfannenrühren, wozu man nicht zwingend einen Wok benötigt, oder das Dämpfen. Auch wenn die Bambuskörbchen dafür so hübsch aussehen, nötig sind sie nicht unbedingt, denn man kann genauso gut eine Tasse oder ein Schälchen umgedreht in einen Topf stellen und darauf dann einen Teller mit den zu garenden Sachen und schon kann das Dämpfen beginnen. Bei mir spielt diese gesunde und einfache Art des Kochens mittlerweile eine wichtige Rolle. Und vieles schmeckt dann wesentlich intensiver.

Exotik auf die einfache Art

Gegliedert ist das Buch eher klassisch in Snacks, Vorspeisen & Suppen, Vegetarisches, Geflügel, Fleisch, Fisch & Meeresfrüchte. Salate sind kaum zu finden, mit Ausnahme der auch bei Valentina gelobten „geprügelten Gurken“, Desserts fehlen komplett. Aufgefallen ist mir die häufige Verwendung von Schnittknoblauch, der bei uns leider schwer zu bekommen ist. Den habe ich mir schon vorgemerkt für mein Hochbeet.

Zum Weiterlesen

Leseprobe beim Verlag

Mehr Kochbücher zur chinesischen Küche bei Valentinas

Neben diversen einfachen vegetarischen Gerichten wie Pak Choi mit Austernsauce haben mich besonders einige Fleischrezepte gereizt, vor allem der rotgeschmorte Schweinebauch, dem Ingwer, Reiswein, Sojasauce und Kandis sowie Sternanis ein verführerisches Aroma verleihen. Ebenso simpel in der Zubereitung und exotisch im Geschmack kommen die Fleischklößchen im Klebreismantel daher. Natürlich sind auch Teigtaschenklassiker wie Bao Zi und Siu Mai vertreten, ebenfalls in leicht nachvollziehbaren Varianten, die noch dazu durch Illustrationen erläutert werden. Dann braucht es nur ein wenig Übung und diese köstlichen Snacks gelingen im Handumdrehen.

Tian Tang ist ein sehr schönes Kochbuch gelungen, das nicht nur seiner ungewohnten Optik wegen überzeugt, sondern auch durch seine meist schlichten Rezepte schon Hobbyköchen mit geringerer Erfahrung einen leichten Einstieg in die chinesische Küche ermöglicht.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Oktober 2020

Schreib' uns!

Meistgelesen

Themen A-Z