Kochbuch von Thomasina Miers: Cantina Mexicana

Kochbuch von Thomasina Miers: Cantina Mexicana ★★★★★

Cantina Mexicana – Originelle
Rezepte für Zuhause
Thomasina Miers
Fotos Malou Burger
Portrait-Foto Tara Fisher
Dorling Kindersley (2015)
Mehr über den Verlag

Simone Brokmeier

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Esquites, Cajeta, Enchipotlada, Totopos kennen Sie nicht? Zugegeben, mein Wissen über mexikanische Küche beschränkte sich bislang auch gerade mal auf Tacos und Nachos. Aber dank Thomasina Miers Buch Cantina Mexicana erreichte mein Horizont schlagartig ungeahnte Dimensionen. Die Begeisterung der Autorin für die Küche Mexikos spricht aus jeder Seite und ist absolut ansteckend!

Man weiß gar nicht, wo man zuerst anfangen soll, so vielfältig ist das Buch. Eigentlich gliedert es sich in die vier Kapitel Frühstück, Vom Markt, In der Cantina und Fiesta. Aber dann gibt es noch jeweils Untergruppen, so dass die Unterscheidung zwischen Molletes (kleinen Sandwiches zum Frühstück) und Empanadas (Pastetchen vom Markt) auch eher fließend sind.

Aber ich nahm das wunderschön farbenfroh gestaltete Buch ohnehin immer wieder gern in die Hand, blätterte vor und zurück, blieb bei den nett geschriebenen Einleitungen hängen, den kleinen Erzählungen von ihren vielen Reisen nach Mexiko, den Tipps wie man Tacos isst, Chili anbaut oder was eine Mole ausmacht. Das alles kommt so lebendig, authentisch und animierend rüber, dass man am liebsten gleich in Frau Miers mexikanischer Cantina in London essen gehen möchte – oder selbst zum Kochlöffel greift!

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Für die nächste Dinner-Party: Hühnchen mit Erdnuss-Mole

Als das Buch auf meinem Tisch landete war es Sommer – und heiß! Da stand uns allen der Sinn nach schnellen, leichten Gerichten und davon gibt es jede Menge. Obst und Gemüse gibt es reichlich und in oft ungeahnten (super-leckeren!) Kombinationen – oder haben Sie je Gurkensalat mit Chili, Roter Bete und Ricotta probiert? Fisch und Meeresfrüchte kommen roh als Ceviche, in einer kalten Suppe oder gegrillt auf den Tisch (wobei der gegrillte Seebarsch in der Pfanne gebraten wird… vielleicht ein Übersetzungsfehler?).

Dagegen tauchen die Bohnen, die ich so typisch für die mexikanische Küche hielt, eher sparsam auf. Auch Fleisch wird in kleineren Mengen eingesetzt als bei uns in Europa (was, so die Autorin, die Küche Mexikos preiswerter und grüner macht), dafür mit viel köstlich gewürzten Saucen, den Moles, serviert. Das Hühnchen mit Erdnuss-Mole steht schon auf meiner Liste für die nächste Dinner-Party. Oder doch lieber Entenbrust mit Tomaten-Jalapeño-Oliven-Sauce? Gibt es ein besseres Kriterium zum Bewerten eines Kochbuchs, als voll Vorfreude das nächste Essen zu planen?

Es folgen eine Vielzahl an Beilagen, Salsas, selbst Gebäck und Desserts, so dass man wirklich für alle Anlässe fündig wird. Man möchte gleich ein Fest feiern, zumal auch für die passenden Getränke gesorgt ist. Durstlöschende Agua frescas und hochprozentige Margaritas werden im Kapitel Drinks näher vorgestellt. Dem Geist Mexikos, Tequila, gebührt natürlich ein Ehrenplatz, auch hierzu hat die Vierzigjährige Fachwissen, Anekdoten und Wissenswertes charmant zusammengetragen.

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Auch für Ungeübte

Die Rezepte klingen nicht nur gut, sie gelingen auch leicht. Alles ist genauestens beschrieben, ohne Oberlehrerhaft rüberzukommen. Man spürt förmlich, wie die Autorin (links) jeden einzelnen Arbeitsschritt vor Augen hat und es dann leicht verständlich und bildhaft formuliert: „Die Sauce braucht einen ordentlichen Kick, um die Süße der Zwiebeln auszugleichen… köcheln lassen, bis sie in einem goldenen Sirup schwimmen“. So dürften die meisten Rezepte auch für Ungeübte leicht zu bewältigen sein. Wird es etwas komplizierter, helfen kleine Zeichnungen wie man beispielsweise Burritos richtig füllt und rollt.

Überhaupt geht die Grafik neue, eigene Wege, was sich wohltuend von der Masse abhebt. Kleine Fotos der Zutaten stehen neben gezeichneten Gewürzen, Blüten oder anderen Szenen, dazwischen turnt ein fröhliches Skelett oder ein Gitarrenspieler über die Seite. Die Einleitungen der Kapitel auf farbigem Hintergrund geben das Farbschema vor, die jeweiligen Rezepte sind entsprechend farbig abgestimmt.

Das Autorenteam spielt hier subtil mit der Farbigkeit der vielbeschworenen bunten Märkte Mexikos, ohne dass es schrill oder aufdringlich wird – großartig! Schade, dass es nicht zu jedem Gericht ein Foto gibt. Nur etwa ein Drittel der Rezepte wird mit einem Bild geadelt. Zu gerne hätte ich mehr von den wunderschön arrangierten Leckerbissen auf rustikalem Geschirr genossen. Aber zum Glück sprechen die Rezepte auch so für sich.

Thomasina Miers ist ein weiteres Mal ein wunderbares Kochbuch gelungen: es präsentiert Rezepte, die jenseits des Typischen ihren Platz haben, Auftritt und Text sprühen vor Leben. Und es schmeckt so gut.

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juni 2016

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