Kochbuch von Thomas Horne: On Beer and Food

Kochbuch von Thomas Horne: On Beer and Food ★★★★★

On Beer and Food
The Gourmet’s Guide to Recipes and Pairings
Thomas Horne, Fotos Colin Eick
Illustrationen Eivind Stoud Platou
gestalten Verlag (2015)

 

Simone Brokmeier

Von

Fünf Sterne: Valentinas Liebling – zum Schwärmen gut.

Rotwein zu Lamm und Kaffee zu Kuchen war gestern. Seit Craft Beer Breweries oder kleine Brauereien weltweit Kultstatus erlangen, bekommt auch Essen zu Bier eine völlig neue Bedeutung. Das norwegische Autoren Team Horne, Eick und Platou sorgen in ihrem (englischsprachigen) Buch On Beer and Food für die theoretischen Grundlagen und führen uns ein in die besondere Aromatik von 27 ganz unterschiedlichen Bieren. Und, ist Dunkles der neue Rotwein?

Schon beim ersten Durchblättern war ich sogleich von der coolen Optik angetan. Ich mag gern auch mal ein Bier und wenn in einem norwegischen Kochbuch dann ein Münchner Dunkel, Oktoberfestbier oder gar ein Doppelbockbier aus einer kleinen bayerischen Klosterbrauerei auftauchen, dann packt mich doch das Jagdfieber: dieses Kochbuch will ich haben!

Eine tolle Optik also. Ich liebe es für das moderne Layout, die konsequente, farbige Gestaltung (von gelb für Weißbier bis dunkelbraun für Stout), die witzigen Grafiken (Bierflasche mit Hummerscheren, eine Kuh mit Flaschenhals-Kopf), die tollen Food-Fotos. Ein Buch, das man gerne in die Hand nimmt, durchblättert, studiert.

Voraussetzung: Leidenschaft für Bier

Man muss natürlich Bier lieben, Bier in all seinen Facetten. Wer immer nur Kölsch, Helles oder Pils trinkt – der braucht dieses Buch nicht. Wenn man aber neugierig ist auf neue Geschmacksnuancen in IPAs (Indian Pale Ales) mit ihren zitrus-frischen Hopfennoten, wer malziges Bier wie ein Amber Ale genauso gern verkostet wie fruchtiges Lambic, sollte sich unbedingt auf eine Entdecker-Reise begeben und Neuland betreten.

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Über Harmonien & Kontraste

Zuerst die Grundlagen. Kapitel eins geht Fragen nach: wie entstehen die Aromen in den verschiedenen Bieren, was sind die besonderen Merkmale eines Stouts gegenüber eines belgischen Weißbiers, was bewirken die eigentlich immer gleichen Bestandteile Hopfen, Hefe, Malz?

Das nächste Kapitel befasst sich mit der theoretischen Frage wie man Bier und Essen kombinieren kann: Harmonien finden oder mit Kontrasten experimentieren? Klassische Menüplanung von leichtem hellen Bier zu starken dunklen Sorten, typische regionale Food-Pairings oder schwindelerregende Kombis wie Doppelbock zu Ziegenkäsecreme mit Cloudberries? Dann folgen Tipps zur Verkostung und ein Flavor Wheel wie es bei Weinen Gang und Gäbe ist, hier mit Aromen von Blaubeeren über Kaffee und Piniennadeln bis Dosenmais.

Eine völlig neue Perspektive des Geschmacks

Wow! Wenn man sich darauf einlässt, eröffnet sich eine ganz neue Geschmackswelt. Und ist es nicht das, was wir suchen, wenn wir ein neues Kochbuch testen, neue Rezepte probieren? Die Lust am Experimentieren, neue Kombis, unbekannte Geschmäcker. Sonst könnten man ja gleich täglich Sauerbraten essen. Nein – ich will lieber Weißbier-Risotto testen und neue Biersorten wie Geuze kennenlernen.

Wir fangen mit einer lokalen Biersorte an, die wir ohnehin im Keller haben, ein Münchner Dunkel. Dazu schlagen die Autoren gegrilltes Lamm vor. Ungewöhnlich! Das Lamm – ein Gedicht! Eingelegt in einer Paste mit Kräutern, Knoblauch und Zitrone ist das Lammkotelett eine Sensation. Das Bier dazu? Hm, so recht begeistern konnte uns die Kombi dann leider doch nicht… Ein Roter aus Italien wäre uns da lieber gewesen. Schade, aber nice try.

Raus aus der Food-comfort-Zone

Noch ungewöhnlicher unser nächstes Paar, Karotten-Kuchen mit Frischkäsecreme zu einem hopfigen IPA. Der Kuchen ein perfekter Traum in Konsistenz, Geschmack und Wow-Erlebnis. Das Bier dazu – ungewöhnlich, lecker, interessant. Aber trinke ich nun Sonntagnachmittag eher ein Bier zu Kuchen? Wohl kaum. Vielleicht am Ende eines Menüs? Es ist spannend. Und genau darum geht es in diesem Buch: neugierig machen, Lust zu wecken am Experimentieren, neue Geschmäcker ausprobieren.

Das 165-Seiten starke Werk ist sicher kein Kochbuch für jeden Tag nach dem Motto, was koche ich heute. Obwohl die meisten Zutaten leicht zu beschaffen und die Rezepte sehr bodenständig sind, die Zubereitungszeit sich in Grenzen hält.

Es gilt neue Wege zu gehen, den Getränkehändler nach unbekannten Bieren zu durchforsten, die eigene Food-comfort-Zone auch mal zu verlassen. Aber dann ist das ungemein inspirierend. Wer hätte gedacht, dass ein Steinpilz-Risotto mit Weißbier abgelöscht werden kann und ganz wunderbar zu Würstchen passt?

Zugegeben, nicht alle neuen Begleiter fanden unsere uneingeschränkte Zustimmung. Auch das erstmals getestete Geuze Boon war, hm, interessant aber auch gewöhnungsbedürftig. Doch allein die Geschichte dahinter, überhaupt die wunderbar leicht geschriebenen Texte über die verschiedenen internationalen Biere zu lesen, ist ein Hochgenuss! Wie die Autoren sagen: Cheers and have fun!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im September 2015

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