Kochbuch von Tessa Kiros: Von der Provence bis nach Pondicherry

Kochbuch von Tessa Kiros: Von der Provence bis nach Pondicherry ★★★★☆

Von der Provence bis nach Pondicherry – Rezepte aus Frankreich und weiter Ferne
Tessa Kiros
Fotos: Manos Chatzikonstanis
Gerstenberg Verlag (2018)
Mehr über den Verlag

Katja Böttger

Von

Vier Sterne: Ein Kochbuch, das zufrieden macht.

Masala und Miesmuscheln, Chili und Cidre – bei Tessa Kiros fügt sich alles zusammen. Auf den Spuren der französischen Kolonialvergangenheit ist sie um die Welt gereist und hat Rezepte gesammelt. Das Ergebnis: ein ganz außergewöhnliches Kochbuch.

… und ich freue mich auf ein Wiedersehen mit Tessa Kiros: Ihre „Welt in meiner Küche“ war seinerzeit mein erstes „schönes“ Kochbuch und nimmt bis heute einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal ein. Zwischenzeitlich ist meine Begeisterung für ihre Bücher indes ein wenig in die Jahre gekommen und kann frischen Wind gebrauchen.

„Von der Provence bis nach Pondicherry“ ist mittlerweile ihr zehntes Buch. Die Idee: eine Entdeckungsreise auf den Spuren der französischen Küche. Von der Provence reist sie nach Guadeloupe in der Karibik, weiter nach Vietnam, dann nach La Réunion im Indischen Ozean, sodann nach Pondicherry – bzw. Puducherry, wie die Stadt heute offiziell heißt – in Südindien am Golf von Bengalen und zurück in die Normandie; jeder der sechs Station ist ein Kapitel gewidmet.

Die Stationen in Übersee lassen – bei aller Vielfalt – kulinarische Parallelen erahnen: Vier tropische Inseln bzw. vom Meer geprägte Küstenregionen, durch die französische Kolonialvergangenheit miteinander verbunden; Réunion und Guadeloupe gehören bis heute als französische Übersee-Départements politisch zur Europäischen Union.

Moderne Bilder – nostalgisch gerahmt

Wer Tessa Kiros’ Bücher kennt, kennt auch ihre Schwäche für stilvolle, zuweilen recht opulente Inszenierungen. Diesem Stil bliebt sie auch hier treu. Dabei lässt der unscheinbare rosa-graue Einband im Stil einer antiquarischen Reisekladde auf den ersten Blick kaum ahnen, wie prächtig es im Inneren zugeht. Die stimmungsvollen Fotos von Land und Leuten, die detailreichen, bis auf den letzten Klecks und Krümel perfekt-unperfekt arrangierten Rezeptfotos wirken ganz aktuell, umrahmt und unterlegt durch feine Zeichnungen, Kartenausschnitte und andere kleine grafische Elemente, die wiederum den Stil der Reisekladde aufgreifen – das Buch ist wirklich eine satte Augenweide.

Auch die Rezepte sind bunt zusammengestellt: Von einfach bis raffiniert, von Streetfood bis edel ist von allem etwas dabei. Da gibt es schlichtes Dal und aufwendige Currys, gegrillte Wachteln und Mango-Hähnchen, Bouillabaisse und Süßkartoffelkuchen, Tapenaden, Chutneys und Würzmischungen, gratinierte Meeresfrüchte, flambierte Langusten und frittierten Kabeljaukrapfen, geeisten Kokoskaffee und aromatisierten Rum, und überall viel Fisch und Meeresfrüchte, viel Obst und Frisches.

Zum Weiterlesen

Website der Autorin

Tessa Kiros bei Instagram

Mehr von Tessa Kiros bei Valentinas

Mein Auge will ALLES nachkochen, aber die exotischen Rezepturen setzen mir Grenzen; insbesondere einige der frischen Obst- und Gemüsesorten und der Fische und Meeresfrüchte sind nicht bzw. nicht zu annehmbaren Bedingungen erhältlich. Schließlich lässt der Zutaten-Filter doch mehr als genug passieren, und besonders neugierig bin ich auf die vielen Miesmuschel-Rezepte. Wir haben im letzten Sommer einige Male Muscheln selbst gesammelt und vorsichtshalber nur ganz klassisch mit zarten Aromen kombiniert, um den Eigengeschmack nicht untergehen zu lassen – weit gefehlt, sie können sich auch gegen kräftigere Geschmacksnoten erstaunlich gut behaupten! Aber auch die anderen Testkandidaten haben sich durchweg als köstlich und raffiniert erwiesen; lediglich die provenzalische Pissaladière hat nicht übermäßig begeistert, aber das war nicht Tessa Kiros anzulasten.

Französisch?

Aber was ist nun das „Französische“ an den Rezepten? Bei einem vietnamesischen Baguette, einem Papayagratin mit Béchamelsauce oder einer Kokos-Tarte ist das französische Erbe unübersehbar, aber bei vielen Rezepten benötige ich deutlich mehr Fantasie, und manchmal fehlt mir wirklich jegliches Indiz. Es ist wohl doch eher die tropisch-maritime Reiseroute, die trotz der großen räumlichen und kulturellen Distanzen für einen stimmigen kulinarischen Grundton sorgt und die Stationen vielleicht sogar mehr verbindet als das gemeinsame französische Erbe. Was sich aber definitiv festhalten lässt: Es passt!

Revitalisierung gelungen! Zwischen den Reisestationen liegen buchstäblich Welten, aber Tessa Kiros hat daraus ein stimmiges und überaus köstliches Kochbuch gezimmert. Äußerlich ein dekorativer Augenschmaus, der beim ersten Durchblättern vor allem Fernweh weckt, beweist es sich auch im Praxistest als interessante, vielfältige und durchaus gebrauchstaugliche Rezeptsammlung, plus einiger Highlights für besondere Anlässe. Die Rezepte sind gelingsicher, wenn auch mit den vielen exotischen Zutaten und Gewürzmischungen nicht immer so geradlinig zu bewerkstelligen, wie man es von Tessa Kiros’ Büchern bisher kannte. Insgesamt eine Bereicherung!

Nachgekochte Rezepte

Veröffentlicht im Juli 2019

2 Kommentare

  1. Andrea

    Zaatar, ein wunderbares Gewürz aus Israel, das zu meiner heissgeliebten sizilianischen Küche perfekt passt!

  2. Margit

    Salsicce, gewürzt mit Fenchelsamen und Chili

Schreib' uns!

Meistgelesen

Themen A-Z